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International Frauen im Dschihad: Nicht nur romantische Motive

Hunderte Europäer haben sich der Terrormiliz IS angeschlossen. Unter ihnen sind auch auffallend viele Frauen. Für die meisten ist es eine Reise ohne Rückkehr, sagt Géraldine Casutt. Sie schreibt an der Universität Freiburg eine Doktorarbeit über Frauen im Dschihad.

Eine Frau in schwarz, total verhüllt, mit einem Dschihad-Stirnband und einer Waffe.
Legende: Dschihad bezeichnet im religiösen Sinne ein wichtiges Konzept der islamischen Religion; den Kampf auf dem Wege Gottes. Keystone

SRF: Was motiviert junge Frauen aus Europa, in den Dschihad zu ziehen?

Géraldine Casutt: Die Hypothese der Dschihad-Romantik ist sehr beliebt, um das Engagement der Frauen zu erklären. Ich denke trotzdem, man kann dieses Engagement nicht auf die Suche nach einem tugendhaften Mann reduzieren. Klar streben viele dieser Frauen nach dem idealen Mann, und sie sind überzeugt, dass dieser Mann jetzt für den Dschihad kämpft. Aber diese Märchenprinz-Motivation ist nicht die einzige. Sie kann sich mit anderen Anreizen mischen.

Was sind denn die weiteren, möglichen Gründe?

Man darf nicht davon ausgehen, dass die Motivationen der Frauen notwendigerweise anders sind als jene der Männer. Eine Frau kann überzeugter sein als ein Mann, dass der Dschihad ein gerechter Krieg ist. Meiner Meinung nach bietet die dschihadistische Ideologie einen bedeutungsvollen Rahmen an, um eine komplizierte Welt zu erklären. Das kann auch ein Grund sein.

Der Hauptgrund ist aber, dass die Frauen dort heiraten wollen?

Die Frauen sind vor allem ermutigt, nach Syrien zu reisen, um zu heiraten und dort auch Kinder zu gebären. Je mehr Familien von Dschihadisten in den eroberten Gebieten sind, desto dauerhafter ist die IS-Herrschaft. Die Frau wird sozusagen als die Hüterin der Familie und der Werte bezeichnet. Diese Frauen können zwar auch eine gewisse Rolle in der IS-Gesellschaft spielen, aber nur mit Beschäftigungen, die sich der sogenannten weiblichen Natur nicht widersetzen. Dazu gehören Berufe wie zum Beispiel Lehrerin, Krankenschwester oder Ärztin.

Das heisst, es gibt eine klare Rollenteilung beim IS?

Ja, die Rollen von Frauen und Männern im Dschihadismus sind immer klar getrennt. Sie werden immer komplementär dargestellt. Man kämpft je nach Geschlecht unterschiedlich für den Dschihad. Aber das Ziel bleibt das gleiche.

Im Westen hat man Angst vor den Dschihad-Rückkehrern. Wie leicht ist es für Frauen, deren Erwartungen nicht erfüllt wurden, zurückzukehren?

So wie es Männer gibt, die sich vom IS abgrenzen möchten, so gibt es sicher auch Frauen, die nach einer Heimkehr nach Europa streben. Die meisten Personen, die bisher zurückgekehrt sind, waren aber Männer. Die Lage für solche Frauen ist hochproblematisch. Da ihre Bewegungsfreiheit beschränkt ist und sie an ihren Mann gebunden sind, können sie die Gruppe wahrscheinlich nicht allein verlassen. Aber es gibt auch Frauen, die sich im IS wohl fühlen und nicht an eine Rückkehr denken.

Gibt es Beispiele von Frauen, die zurückgekehrt sind?

In Frankreich weiss man von einer Frau, die mit zwei Männern zurückgekommen ist. Aber von einer Frau, die alleine nach Europa zurückgereist ist, habe ich noch nicht gehört.

Das Gespräch führte Iwan Santoro.

Géraldine Casutt

Porträt Géraldine Casutt
Legende: unifr.ch

Géraldine Casutt ist als Assistentin am Lehrstuhl für Religionswissenschaften der Universität Freiburg i. Ue. tätig. Ihr Forschungsgebiet umfasst den Islam und das Geschlecht, den Islam in Europa, den Dschihad sowie Frauen und Terrorismus.

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4 Kommentare

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  • Kommentar von Nathalie Zimmermann, Effretikon
    Im Rahmen der Gleichberechtigung ist es gut zu sehen dass das Narrativ dass nur Männer im Krieg sind diskutiert wird.
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  • Kommentar von Björn Christen, Bern
    Das erinnert - einmal mehr - stark an die Nazi-Ideologie: Auch dort wurden im Rahmen des 'Lebensborn'-Programms ledige Frauen aufgefordert, sich von SS-Elite-Soldaten schwängern zu lassen, um für den NS-Staat möglichst viele arische Nachwuchskrieger zu produzieren. Möge der Wunsch dieser Sex-Jihad-Frauen, für ihren Allah zu sterben, möglichst schnell in Erfüllung gehen. Good riddance!
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  • Kommentar von Christophe Bühler, Langnau am Albis
    Wenn es so romantisch ist, selbstbestimmt in den Dschihad zu gehen, dort einen tugendhaften Schlächter oder besser zwei zu heiraten, sich womöglich durch eigenes Handeln gegen Menschenrechte und Genfer Konvention zu vergehen; dann müsste die unromantische, aber logische Konsequenz eines Rechtsstaates Schweiz sein: Einreiseverbot, Ausbürgerung oder Gefängnis bei Rückkehr !
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    1. Antwort von M. Maruhn, Düren
      Bitte hier um Humanität und Mitgefühl. Lange mussten die Damen-(Wochenbettdepression) für das Recht kämpfen, um das Kopftuch tragen zu dürfen. Da sich derzeit, die schweizer Politik der EU widmet, wird Ihre Publikation eine Fantasie bleiben. Glücklicher Weise hat das alles nichts mit dem Islam zu tun, wie Alkohol nichts mit Alkoholismus zu tun hat.
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