Zum Inhalt springen

Header

Audio
Erster Strafprozess könnte nicht der letzte gewesen sein
Aus SRF 4 News aktuell vom 19.09.2019.
abspielen. Laufzeit 02:46 Minuten.
Inhalt

Freisprüche im Fall Fukushima «Nachlässigkeit kann man den Managern offenbar nicht vorwerfen»

Ein Gericht in Japan hat über acht Jahre nach der Atomkatastrophe von Fukushima drei ehemalige Manager des Kraftwerkbetreibers Tepco freigesprochen. SRF-Korrespondent Martin Aldrovandi hat den Strafprozess verfolgt. Es könnte nicht der letzte zu dem Fall gewesen sein.

Martin Aldrovandi

Martin Aldrovandi

Nordostasien-Korrespondent, SRF

Personen-Box aufklappenPersonen-Box zuklappen

Martin Aldrovandi ist seit 2016 Korrespondent für Radio SRF in Nordostasien mit Sitz in Schanghai. Zuvor hatte er mehrere Jahre lang als freier Journalist aus dem chinesischsprachigen Raum berichtet.

SRF News: Warum wurden die drei ex-Spitzenmanager freigesprochen?

Martin Aldrovandi: Das Gericht befand, dass die drei Angeklagten – der frühere Vorsitzende der Betreiberfirma Tepco und zwei Vizepräsidenten – nicht für die Folgen des Unglücks verantwortlich gemacht werden könnten.

Es ging um einen Strafprozess, den ersten rund um die Atomkatastrophe von Fukushima, und die Anklage lautete auf Fahrlässigkeit mit Todesfolge. Die drei Männer hätten von einer Tsunami-Gefahr wissen müssen und die Anlage entsprechend schützen. Doch der Argumentation folgte das Gericht nicht.

Die Freisprüche wurden erwartet. Hatte die Anklage zu wenig Argumente?

Es war sehr schwierig. Im Voraus war die Erwartung an eine Verurteilung nicht besonders hoch. Die Staatsanwaltschaft selbst hatte eine solche sogar zuerst abgelehnt, weil die Chancen zu klein seien. Bei der Anklage ging es auch um Todesopfer in einem Spital. Dieses musste wegen der Katastrophe hastig evakuiert werden. Dabei sollen über 40 ältere Patienten gestorben sein.

Aber auch in diesem Anklagepunkt befand das Gericht, dass sich die drei damaligen Manager nicht strafbar gemacht haben. Es ging dabei um Nachlässigkeit. Und diese kann man ihnen offenbar nicht vorwerfen.

Ist der Prozess, der jetzt zu Ende gegangen ist, der letzte zu dem Fall?

Das ist schwer zu sagen. Der aktuelle Strafprozess ist fürs Erste vorbei. Aber es gab ja auch schon erfolgreiche Klagen gegen die Betreiberfirma Tepco und gegen den japanischen Staat, die sich vor Gericht verantworten mussten.

Die Tsunami-Katastrophe

Personen-Box aufklappenPersonen-Box zuklappen
Die Tsunami-Katastrophe
Legende:SRF

Ein Seebeben am 11. März 2011 vor der japanischen Küste der Region Tohoku löste einen schweren Tsunmai aus. 500 Quadratkilometer der japanischen Pazifikküste wurden überschwemmt. 22'199 Menschen starben, 470'000 Menschen mussten evakuiert werden, 400'000 Gebäude wurden zerstört.

Tepco musste umgerechnet 80 Milliarden Franken an Kompensationen zahlen. Die Firma zahlt auch Milliarden für die Säuberung der gesamten Region und den Rückbau des Atomkraftwerks. Das alles wird noch Jahrzehnte dauern. Deshalb wird es möglicherweise zu weiteren Prozessen kommen.

Das Gespräch führte Roger Aebli.

Schliessen

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

4 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von M. Kaiser  (Klarsicht)
    Das war zu erwarten, grosse Saläre kassieren aber NULL Verantwortung wenn es schief geht, das Urteil eine Schande für die Leute die ihr Leben verloren haben durch Leute die ihre Aufgaben nicht war genommen haben.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von P Gasser  (pasgas)
    Japan hat eine sehr tiefe Kriminalitätsrate. Zumindest auf den untersten Stufen. Auf den höheren Level herrscht hingegen ein Sumpf aus Korruption und Vetternwirtschaft. Der Einfluss von Kapital kontrolliert Regierung und hohe Beamte. Natürlich werden die Manager nicht verurteilt, schon gar nicht unter dem atomfreundlichen Kurs der aktuellen Regierungspartei
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von A. Keller  (eyko)
    Die Kleinen hängt man, die Grossen lässt man laufen. Das gilt für Grosskonzerne, Versicherungen etc. War schon immer so, daran wird sich nichts ändern.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen