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G7-Gipfel in Italien Sieben Grosse suchen neue Freunde

Borgo Egnazia im süditalienischen Apulien ist ein Fake-Dorf: Ein modernes Luxusresort im Stil einer mittelalterlichen Siedlung – beliebt bei Hollywood-Stars dank eines Golfplatzes und einer Bäderlandschaft, die einer römischen Therme nachempfunden ist.

Die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni hat Borgo Egnazia für den diesjährigen G7-Gipfel auserkoren. Vor pseudohistorischer Kulisse wollen die Staats- und Regierungsoberhäupter der sieben grössten westlichen Wirtschaftsnationen die Probleme der Gegenwart beraten.

Wobei der G7-Glanz vergangener Zeiten verblasst ist. Zu Beginn des Jahrhunderts waren die USA, Japan, Deutschland, Frankreich, Italien, das Vereinigte Königreich und Kanada für mehr als 40 Prozent der Weltwirtschaft verantwortlich, heute sind es noch knapp 30 Prozent.

Auch politisch haben die westlichen Demokratien an Gewicht verloren, eine Art Weltregierung ist die G7 schon lange nicht mehr. Sondern nur noch der Kern eines Machtblocks, der mit China und seinen Verbündeten um Einfluss ringt.

Joe Biden und G7-Partner suchen Freunde

Deshalb hat Meloni ein Dutzend weitere Staatsmänner an den Gipfel geladen. Narendra Modi aus Indien und Lula da Silva aus Brasilien pflegen gute Beziehungen sowohl zur G7 als auch zu China. Sie sollen in Borgo Egnazia nach allen Regeln der diplomatischen Kunst umworben werden. Ebenso Recep Tayyip Erdoğan aus der Türkei und Mohammed bin Salman aus Saudi-Arabien.

Zuoberst auf der G7-Tagesordnung steht Russlands Krieg gegen die Ukraine. Zumal Russland und sein mächtigster Verbündeter China die westliche Ukraine-Unterstützung hintertreiben und diese auch in G7-Staaten umstritten sind.

Der japanische Ministerpräsident Fumio Kishida will offenbar einen Plan für zusätzliche Anti-Russland-Sanktionen einbringen. Und US-Präsident Joe Biden weibelt für einen 50-Milliarden-Dollar-Kredit. Das Geld käme aus den Zinserträgen eingefrorener russischer Vermögen, die Ukraine könnte es für den Kauf von Waffen und den Wiederaufbau zerstörter Städte nutzen.

Kurz vor Gipfelbeginn sind Diplomatinnen und Diplomaten zuversichtlich, dass eine Einigung erzielt werden kann. Das wäre eine gute Nachricht für den ukrainischen Präsidenten Wolodimir Selenski, der ebenfalls in Apulien erwartet wird.

Fünf Männer vor nationalen Flaggen in einem modernen Gebäude.
Legende: Der japanische Premierminister Fumio Kishida gestikuliert, links der US-Präsident Joe Biden, dahinter der ukrainische Präsident Wolodimir Selenski, der französische Präsident Emmanuel Macron (2. v. r.) und der kanadische Premier Justin Trudeau (r.) vor einem Treffen im Mai, 2023. Susan Walsh/Pool via REUTERS

Um Einigkeit wird die G7 auch mit Blick auf den Gaza-Krieg bemüht sein. Sie will, dass Israel und die Hamas die jüngste Resolution des Uno-Sicherheitsrats befolgen. Mit einer Waffenruhe und der Freilassung aller Geiseln soll der Weg zu einer Zwei-Staaten-Lösung geebnet werden – die freilich weder Israel noch die Hamas befürworten.

Der Gaza-Krieg verkompliziert die Beziehungen der G7 mit lateinamerikanischen und asiatischen Staaten. Gipfelgäste wie Erdogan werfen dem Westen Doppelmoral vor: Während Russland wegen Völkerrechtsverletzungen sanktioniert werde, begehe Israel in Gaza ungehindert Kriegsverbrechen.

Die meisten der Gäste dürften nach der letzten Sitzung in Borgo Egnazia denn auch direkt nach Hause fahren und damit Selenski enttäuschen, der abermals für einen Abstecher an den Ukraine-Friedensgipfel auf dem Bürgenstock in der Schweiz werben wird.

Ein weiterer Gipfel, an dessen Erfolgsaussichten auch Biden zu zweifeln scheint. Er schickt seine Vize Kamala Harris und reist stattdessen von Apulien zurück in die USA – an eine Wahlkampfveranstaltung mit Hollywood-Stars.

Sebastian Ramspeck

Internationaler Korrespondent

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Sebastian Ramspeck ist internationaler Korrespondent für SRF. Zuvor war er Korrespondent in Brüssel und arbeitete als Wirtschaftsreporter für das Nachrichtenmagazin «10vor10». Ramspeck studierte Internationale Beziehungen am Graduate Institute in Genf.

Video
Archiv: G7-Taskforce gegen russische Oligarchen – Schweiz nicht dabei
Aus Tagesschau vom 17.04.2024.
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HeuteMorgen, 13.06.2024, 6 Uhr

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