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Gedenken an Boris Nemzow Russlands Regierungskritiker auf der Strasse

  • In Russland haben mehrere tausend Regierungskritiker an Gedenkmärschen für den vor drei Jahren ermordeten Oppositionsführer Boris Nemzow teilgenommen.
  • Der grösste Gedenkmarsch fand in Moskau statt. Laut Polizeiangaben haben 4500 Menschen daran teilgenommen.
  • Die Menschen protestierten auch gegen die Präsidentenwahl vom 18. März. An der Demonstration in Moskau nahm auch der bekannte Putin-Kritiker Alexey Nawalny teil.
Personen mit Plakaten und Spruchbändern.
Legende: Mehrere tausend russische Regierungskritiker erinnern an den vor drei Jahren ermordeten Oppositionsführer Boris Nemzow. Keystone

Vor drei Jahren wurde der russische Kremlkritiker Boris Nemzow in Moskau auf offener Strasse erschossen. Die Mörder sitzen, doch die Hintergründe bleiben unklar. Drei Wochen vor der Präsidentenwahl brachte das Gedenken viele Menschen auf die Strasse.

Der Fall Boris Nemzow

Der Reformpolitiker und ehemalige Vizeregierungschef war am 27. Februar 2015 nachts auf einer Brücke in der Nähe des Kremls in Moskau erschossen worden. Der Fall hatte international Bestürzung ausgelöst. Die Ermittler gehen von einem Auftragsmord aus. Fünf Männer aus der Teilrepublik Tschetschenien im Nordkaukasus wurden 2017 wegen der Tat zu hohen Haftstrafen verurteilt. Nemzows Familie und Kritiker der russischen Justiz bemängeln aber, dass die Hintermänner noch unbekannt seien.

Die Teilnehmer der Demonstrationen riefen nach Augenzeugenberichten «Dies ist unser Land» und nannten Präsident Wladimir Putin einen Dieb. Die Oppositionskandidaten Xenia Sobtschak und Grigori Jawlinski liefen ebenso im Demonstrationszug mit wie der nicht zur Wahl zugelassene Anti-Korruptions-Aktivist Alexej Nawalny. Augenzeugen schätzten den Zug auf etwa 15'000 Menschen, die Moskauer Polizei sprach lediglich von 4500 Teilnehmern.

Eine Person mit einer Kappe im Porträt.
Legende: Bei der grössten Demonstration in Moskau marschierte auch der nicht zur Wahl zugelassene Anti-Korruptions-Aktivist Alexej Nawalny mit. Keystone

«Der Mord an Nemzow war ein politischer Mord», sagte Jawlinski. Putin trage als amtierender Präsident die politische Verantwortung für den Mord an einem seiner Gegner. Sobtschak sagte: «In unserem Land wird ein Mensch immer noch dafür getötet, was er denkt oder sagt. Das nennt man politische Verfolgung, das nennt man Intoleranz.»

In unserem Land wird ein Mensch immer noch dafür getötet, was er denkt oder sagt.
Autor: Xenia SobtschakOppositionskandidatin der Wahlen vom 18. März

In St. Petersburg versammelten sich nach Angaben der Organisatoren etwa 2000 Menschen, die Polizei sprach dagegen von 350 Teilnehmern. Die Behörden hatten überall starke Kräfte zusammengezogen. Das Bürgerrechtsportal OVD-Info verzeichnete aber landesweit nur einzelne Festnahmen.

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18 Kommentare

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  • Kommentar von Nicolas Dudle (Nicolas Dudle)
    Wie wollen wir uns hier aus der Distanz ein realistisches Bild machen können, wenn es den Leuten vor Ort schon nicht möglich ist? Ich glaube, alle unsere Einschätzungen sind genau das, was das Wort meint: Schätzung und Mutmassung. - Meine Meinung: Die Russen sind sich aus UdSSR-Zeiten Entbehrungen gewohnt und haben im Kleinen Mechanismen entwickelt, um auch repressive oder einseitige Zeiten zu überleben. Bei ihnen wird es noch länger dauern als bei uns, bis Opposition hör- und sichtbar wird.
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    1. Antwort von David Neuhaus (Um Neutralität bemüht)
      Glauben sie ernsthaft jemand wolle das wir uns ein "realistisches Bild" machen? Prof. Rainer Mausfeld zeigt auf interessante und schlüssige Art auf wie und wieso unsere "Bilder" gemacht werden.
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  • Kommentar von Christoph Reuss (Christoph.Reuss)
    @Neuhaus! Sie sprechen aber nicht von Andersdenkenden bei Sobtschak &Co... erlaubt zu sprechen von Putins Gnaden! Ich kenne kein demokratisch geführtes Land wo weit über 80% den Präsidenten wählen! Seelig wer es glaubt!
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  • Kommentar von Harald Buchmann (Harald_Buchmann)
    So kleine Demonstrationen werden hier schon gemeldet? 10'000 Leute in einer Stadt wie Moskau, das zeugt nicht gerade von grossem Interesse. Auch in der Schweiz würde man am linken und rechten Rand sicher ein paar Tausend Leute finden, welche die Schweiz als Diktatur und Bürgerfeindlich beschreiben würden. Ich würde lieber mehr über die grosse Mehrheit der Russen hören, die für ein starkes Russland trotz Sanktionen des Westens kämpfen.
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    1. Antwort von m. mitulla (m.mitulla)
      ...habe von 4500 Demonstranten gelesen -nach "Polizeiangaben".
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