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Legende: Audio Griechenland: Die Kirchen sollen privatisiert werden abspielen. Laufzeit 07:42 Minuten.
Aus Rendez-vous vom 14.12.2018.
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Geplante Verfassungsänderung So will Griechenland «religionsneutral» werden

Tausende orthodoxe Priester sollen ihren Beamtenstatus verlieren, kirchliche Besitztümer teilweise veräussert werden.

Der griechische Premier Alexis Tsipras hat mit dem orthodoxen Erzbischof einen Rahmenvertrag unterzeichnet. Die Vereinbarung sieht vor, dass die orthodoxen Priester des Landes ihren Beamtenstatus verlieren. Wie die meisten Bischöfe der orthodoxen Kirche Griechenlands betrachtet auch Bischof Daniil den Vertrag mit Argwohn. Er leitet die Sonntagsmesse in der Kirche der Heiligen Fotini in der Athener Gegend Ymittos.

Für das Gehalt der Priester soll, geht es nach dem Wunsch der Regierung, bald die Kirche zuständig sein. Das Geld dafür will die Regierung aber zumindest im Moment, weiter bereitstellen. Bischof Daniil ist da misstrauisch: «Für alles, was die Regierung an Geld ausgibt, muss sie immer noch die internationalen Geldgeber um Erlaubnis fragen. Was, wenn die sagen, der Staat dürfe die Gehälter der Priester gar nicht subventionieren?» Das sei die grosse Befürchtung der Priester.

In der Verfassung soll Griechenland «religionsneutral» werden

Und diese Befürchtung sei gerechtfertigt, mit Blick auf die geplante Verfassungsänderung, die Griechenland als «religionsneutralen» Staat definieren soll, sagt der Bischof. Nach der Reform wären die rund 10‘000 Priester keine Beamten mehr, das ist ein Fakt.

Bildungs- und Religionsminister Kostas Gavroglou sagt, an ihrer Stelle könnte die Regierung Ärzte und Lehrer einstellen. «Wir dürfen zwar nach Ende des Hilfsprogramms wieder Stellen im öffentlichen Dienst besetzen, aber nur, wenn Stellen frei geworden sind.»

Dadurch könne der in den letzten Jahren entstandene Personalmangel nie behoben werden. Doch die Kirche habe nichts zu befürchten: «Die Wirtschaft erholt sich, und das Geld reicht sowohl für die Neueinstellungen als auch für die Subventionierung der Priester», sagt er. Die Bischöfe lehnen diese Regelung geschlossen ab.

Staat will auch auf Immobilien der Kirche zugreifen

Auch eine zweite Regelung des Rahmenvertrags stösst auf Kritik. So sollen kirchliche Immobilien, Liegenschaften und Agrarflächen, von denen man nicht genau weiss, wem sie gehören, in einen Privatisierungsfonds übergehen. Den Gewinn sollen sich Staat und Kirche teilen.

Der Religionsminister hat seine Zweifel, ob sich der Mythos von der steinreichen Kirche, deren geschätztes Vermögen Milliarden, wenn nicht gar Billionen Euro beträgt, bewahrheitet. Er will aber Klarheit schaffen: «Wir haben vor einem Jahr angefangen, diese Immobilien zu registrieren. Uns fehlen noch die Angaben von gewissen Bistümern. Wenn wir fertig sind, werden wir wissen, was in den gemeinsamen Fonds kommen kann, um entsprechend veräussert zu werden.»

Der Rahmenvertrag zwischen Staat und Erzbischof muss nach orthodoxem Kirchenrecht von der Bischofskonferenz abgesegnet werden, nur dann ist er gültig. Die Bischöfe aber haben dies abgelehnt, sind aber zu weiteren Verhandlungen bereit. Sie haben eine Expertenkommission ins Leben gerufen.

Der Staat könnte sich durchsetzen

Theoretisch könnte die Regierung als Staatsgewalt auch einseitig die Reformen beschliessen. Doch das wolle man nicht, so Religionsminister Gavroglou: «Ich bin zuversichtlich, dass wir eine Einigung erzielen werden. Das wäre ein grosser Schritt für alle: Für die Gesellschaft, für den Staat und die Kirche.» In den kommenden Tagen sollen die Verhandlungen mit den Kirchenvertretern weitergehen.

Die Verfassungsreform allerdings, die den griechischen Staat als «religionsneutral» definieren soll, die will die linke Regierung in jedem Fall in die Wege leiten. Ob mit oder ohne Zustimmung der Kirche.

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12 Kommentare

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  • Kommentar von Charles Halbeisen  (ch)
    Trennung Kirche und Staat ist ok, aber nicht dass der Staat sich das Vermögen der Kirche unter den Nagel reisst und verscherbelt. Griechenland hat schon viel verscherbelt und hat nur verloren. Die Schweizer haben sich dank der direkten Demokratie gegen viele versuchte Privatisierungen mit Erfolg gewehrt.
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    1. Antwort von Matthias Blaser  (maetthu)
      Durch die fehlende Trennung von Staat und Kirche ist es eben gar nicht so klar, ob diese Besitztümer wirklich der Kirche gehören oder nicht trotzdem direkt oder indirekt vom Staat finanziert wurden. Alles einfach den Kirchen zu überlassen wäre genauso falsch wie einfach alles zu verstaatlichen. Ein Verteilschlüssel scheint da keine schlechte Lösung zu sein. Ob jedoch 50:50 richtig ist bin ich skeptisch, ich denke so kommen die Kirchen immer noch viel zu gut weg.
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  • Kommentar von Kurt Schmid  (Kurt Schmid)
    Griechenland ist damit auf dem richtigen Weg, ein Weg, der auch in den meisten europäischen Ländern inklusive Schweiz überfällig ist.
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  • Kommentar von Udo Gerschler  (UG)
    Trennung von Staat und Kirche geht ja,aber nicht wenn ein Wolf im Schafspelz dies fordert.
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