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Gerichtsprozess in Moskau Ein reales Drama um einen Starregisseur

Mit Kirill Serebrennikow steht ab heute Mittwoch ein international gefeierter Künstler und grosser Provokateur vor Gericht. Ein Kurzporträt.

Legende: Audio Russlands Starregisseur auf der Anklagebank abspielen. Laufzeit 05:59 Minuten.
05:59 min, aus Echo der Zeit vom 16.10.2018.

Als Theaterstück inszeniert wäre der Fall Kirill Serebrennikow eine absurde Tragödie. Ein Stück darüber, wie ein Repressionsapparat tickt, wenn er erst einmal in Gang gesetzt ist. Der Fall Kirill Serebrennikow ist aber ein reales Drama. Der gefeierte Starregisseur, der Liebling der Moskauer Intelligenzia sitzt im Gerichtssaal.

Dabei wäre Serebrennikows Ort das Theater, das Filmset. Schon als Schüler brachte er im südrussischen Rostov am Don sein erstes Stück auf die Bühne. Später studierte Serebrennikow zwar Physik, doch die Anziehungskraft der Kunst war stärker.

Unerschrockener Provokateur auf dünnem Eis

49 Jahre ist Serebennikow heute alt. Er hat über ein Dutzend Filme gemacht, Dutzende Theaterstücke inszeniert. Seine Stücke kommen daher wie eine pralle Ladung Leben: es wird geliebt, geschrien und geflucht.

Tabus kennt Serebrennikow nicht. Der Film «Der die Zeichen liest» inszeniert einen Teenager, der ganz in der Religion aufgeht. Ein Schulfreund allerdings will ganz was anderes von dem jungen Christen: Sex.

Homosexualität und Glaube – pure Provokation im konservativen Russland. Im Theaterstück «Wer in Russland lebt froh und frei?» schreibt einer der Schauspieler die Antwort mit Kunstblut auf ein Transparent: «Der Zar»

Das Gogol-Zentrum in Moskau

Richtig bekannt wurde Serebrennikow als künstlerischer Leiter des Gogol-Zentrums. Er hat das Theater zu einem Treffpunkt für die liberale Moskauer Kulturszene gemacht. Ins Gogol-Zentrum geht man nicht nur zum Theaterschauen. Hier vermischen sich alle Kunstformen: Ausstellungen, Kino, Musik; hier wird philosophiert und diskutiert.

Vor gut einem Jahr ist Serebrennikow festgenommen worden. Seither sitzt er unter Hausarrest. Der Regisseur soll bei einem Kulturprojekt insgesamt zwei Millionen Franken unterschlagen haben. Er selber bestreitet die Vorwürfe.

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3 Kommentare

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  • Kommentar von Franz NANNI (igwena ndlovu)
    Wer im Glashaus sitzt sollte keine Steine werfen...tut er es trotzdem.. sein Problem...
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    1. Antwort von Werner Boesiger (P.Werner Boesiger)
      Als Christ mag man diesem Mann sehr kritisch gegenüber stehen, aber die Methoden, mit denen er und andere von seinem Schlage mundtot gemacht werden sollen, sind alles andere als christlich. Man hat keine Argumente, also muss man ein Unterschlagungsdelikt andichten. Was die von ihm kritisierten Machthaber selber tun, dichten Sie ihrem Gegner an, weil sie nur nach eigenem Niveau zu urteilen vermögen. Aber gerade solche Leute wie dieser, die keine Angst haben, sind Wohltäter des belogenen Volkes.
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  • Kommentar von Christa Wüstner (Saleve2)
    So stellt man kritische Menschen still. Erst Hausarrest und dann eine gesuchte Anklage. Aber erst einmal muss die Schuld zweifelsfrei bewiesen werden. Dumm gelaufen Herr Putin würde ich sagen, man sollte die Grösse haben, gerade den Künstlern nicht den Mund zu verbieten. Gerade im Gogol Zentrum diskutieren Menschen, die nicht nur kritisch mit der Kunst umgehen, sondern auch die Politik kritisch in ihre Diskussionen einbeziehen.
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