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International Germanwings-Katastrophe: Suizid-Piloten stoppen – 6 Empfehlungen

Eine EU-Arbeitsgruppe hat sich mit der absichtlich herbeigeführten Flugkatastrophe der Fluggesellschaft Germanwings vom vergangenen März beschäftigt. In einem Bericht zuhanden der EU-Kommission empfehlen die Experten konsequentere Kontrollen von Piloten. Auch unangekündigte Drogentests gehören dazu.

Ein Stoppschild im Vordergrund. Im Bildhintergrund sieht man eine Germanwings-Maschine steil in den Himmel über Düsseldorf steigen.
Legende: Vermehrte psychologische Kontrolle soll Suizid-Kandidaten in Cockpits in Zukunft stoppen. Reuters

Die Experten der EU-Arbeitsgruppe sprachen sich nach ihrer Analyse der Germanwings-Katastrophe vom vergangenen März insgesamt für stärkere Kontrollen von Piloten aus.

41 Ärzte in 5 Jahren – und trotzdem fliegen?

«Dieser Bericht ist das Ergebnis einer tiefgehenden Analyse mit praktischen Empfehlungen, damit sich eine solche Tragödie nicht mehr ereignet», erklärte der Leiter der europäischen Flugsicherheitsbehörde Easa. Patrick Ky hat die besagte EU-Arbeitsgruppe geleitet.

Die Experten unterbreiteten der auftraggebenden EU-Kommission sechs Empfehlungen.

  1. Der Unterhalt einer Datenbank mit Angaben zu möglichen gesundheitlichen Problemen von Piloten. Den französischen Ermittlern zufolge suchte der Co-Pilot der abgestürzten Germanwings-Maschine binnen fünf Jahren 41 Ärzte auf - konnte aber trotzdem Passagiermaschinen fliegen.
  2. Durchführung von psychologischen Test für Piloten während ihrer Ausbildung oder vor Dienstantritt.
  3. Bessere psychologische Betreuung für Piloten. Diesen fehlen oft die in anderen Berufsgattungen selbstverständlichen Familienbindungen.
  4. Profundere Ausbildung für Flugmediziner, die Piloten untersuchen, sowie die Bildung von Netzwerken von Flugmedizinern.
  5. Unangekündigte Alkohol- und Drogentests. Diese werden im Bericht der Arbeitsgruppe damit begründet, dass Alkohol- und Drogenmissbrauch die mentale Gesundheit von Piloten beeinträchtigen könnten.
  6. Piloten nie alleine im Cockpit. Diese Massnahme, wonach ein anderes Crew-Mitglied ins Cockpit geht, wenn ein Pilot beispielsweise auf die Toilette muss, wird von europäischen Fluggesellschaft bereits weitestgehend umgesetzt.

EU will handeln

Der Bericht wird nun von der EU-Kommission geprüft, die über eine Änderung von Vorschriften entscheiden müsste.

«Sollten Verbesserungen an den europäischen Sicherheitsregulierungen nötig sein, um Unglücke und andere Vorfälle zu verhindern, dann werden wir in der Europäischen Union die notwendigen Massnahmen treffen», sagte EU-Verkehrskommissarin Violeta Bulc.

Tragische Selbsttötung

Beim Absturz eines Airbus der Lufthansa-Tochter Germanwings auf dem Weg von Barcelona nach Düsseldorf in den französischen Alpen waren am 24. März alle 150 Menschen an Bord ums Leben gekommen.

Den Ermittlungen zufolge liess der Co-Pilot den Airbus absichtlich abstürzen, offenbar um sich das Leben zu nehmen. Den Flugkapitän hatte er zuvor aus dem Cockpit ausgesperrt. Der 27-Jährige hatte seit längerer Zeit unter Depressionen gelitten.

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10 Kommentare

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  • Kommentar von Barbara Lampérth Hounnou, Tramelan
    Es ist erstaunlich, welche Patienten als "depressiv" bezeichnet werden. Dieser junge Mann hatte nicht eine Depression sondern eine schwere Persönlichkeitsstörung. Depressive Menschen bringen allenfalls sich selber um, aber keine Mitmenschen. Um dies zu tun braucht es ein gestörtes Verhältnis zu sich selber und anderen, eine sogenannte Narzistische Störung. Diese kann oft auch bei Selbstmordattentätern festgestellt werden: Hass auf eine Welt, die nicht alle Wünsche erfüllt...
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  • Kommentar von Thilo Arlt, Lengnau BE
    Egal ob depressiv oder terroristisch, für Einzeltäter wird es immer Möglichkeiten geben. Neue Regeln schaffen auch neue Lücken. So könnte ja auch ein Crew-Mitglied, das weniger stark "geprüft" ist, terroristische Absichten haben und den Zutritt zum Cockpit "nutzen". Das Leben hat nunmal Risiken und wir finden nicht immer einen Verantwortlichen dafür.
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  • Kommentar von Hans Vader, Luzern
    Wie wäre es mit Ursachenbekämpfung in der Gesellschaft und beim Arbeitsstress? Symptombekämpfung könnte die Passagiere retten, aber für die betroffene Person ändert sich nichts. Es scheint hier wohl nur ums Geld, also Flugsicherung, zu gehen und nicht um das Leid von betroffenen Personen. Ob ein Pilot depressiv ist oder nicht scheint egal zu sein, solange er nicht ins Cockpit/Flugzeug steigt. Der Mensch selber oder seine Erkrankung spielen bei keinen dieser Massnahmen eine Rolle.
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    1. Antwort von fritz germann, montbrillant
      Tippfehler? Flugsicherung geschieht im Kontrollturm. Meinen Sie Flugsicherheit?
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    2. Antwort von Thilo Arlt, Lengnau BE
      Natürlich geht es hier um Flugsicherung. Für die Erkrankung sind Ärzte zuständig, die in diesem Fall aber offenbar nicht helfen konnten. Ich habe kein Mitleid mit Kranken die 150 Menschen ermorden.
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    3. Antwort von fritz germann, montbrillant
      Lieber Thilo Arlt, 'Flugsicherung' ist der deutsche Sammelbegriff für 'Air Traffic Services' und ist eine Dienstleistung. In der Schweiz ist 'Flugsicherung' einzig und allein Aufgabe der 'skyguide'. Alles andere, vom Festziehen der Radmuttern bis hin zum Ausschalten des Autopiloten, fällt unter den Begriff: 'Flugsicherheit', basta!
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    4. Antwort von Thilo Arlt, Lengnau
      Meine Antwort bezog sich auf den Kommentar von Herrn Vadar. Sie mögen recht haben, Herr Germann, aber ob es Flugsicherung oder Flugsicherheit heisst, ist bei diesem Diskussionsthema ziemlich irrelevant.
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