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Chinese züchtet Kakerlaken
Aus SRF News vom 13.01.2019.
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Geschäftsidee «Kakerlake» Eiweisslieferantin auf schnellen Beinen

Medizin, Kosmetik, Tierfutter, Lebensmittel: Herr Li aus Shandong züchtet Küchenschaben als Nutztiere – milliardenfach.

Es ist stockdunkel und riecht verfault in der grossen Halle in einem Industriegebiet im nordchinesischen Shandong. Herr Li Li Yanrong legt eine Platte nach der anderen zur Seite. Es raschelt. Zum Vorschein kommen braune Tierchen mit langen Fühlern, die über und untereinander rennen. Erst hunderte, dann tausende.

Sie fliehen vom Licht der Taschenlampe. Denn am wohlsten fühlen sie sich in der Dunkelheit. Eine Milliarde Kakerlaken lebt in dieser Halle, die knapp so gross ist wie ein Fussballfeld, Während es draussen kalt ist, ist es drinnen rund 30 Grad warm und feucht – das perfekte Küchenschaben-Klima.

Ein Dokumentarfilm – und eine Wanne

Vor acht Jahren hat der 55-jährige Li Yanrong mit der Küchenschaben-Zucht begonnen. Wegen seiner Tocher: «Sie hat eine Fernseh-Dokumentation über Kakerlaken gesehen. Darin wurden die Tiere als äusserst anpassungsfähig beschrieben. Darauf habe er begonnen, zu Hause zu experimentieren. «Am Anfang lebten sie in einer Wanne bei uns zu Hause. Sie assen alles Mögliche, sogar Papierservietten.»

Seine Ehefrau sei vom Vorhaben nicht so begeistert gewesen, erinnert sich Li. Doch inzwischen sei auch sie vom Geschäftsmodell überzeugt. Die Tierchen leben mittlerweile allesamt auf einer Kakerlaken-Farm. Diese will Li ausbauen, und dazu drei weitere Hallen mit Kakerlaken bevölkern. Ziel: Insgesamt vier Milliarden Tiere.

Mannigfaltige Verwendung

Li kann seine Begeisterung für die Kakerlaken kaum zurückhalten. Für ihn sind sie kein Ungeziefer, sondern Nutztiere: Für die chinesische Medizin, für Kosmetik, für Tierfutter. Seine Farm ist auf Tierfutter spezialisiert. Aus dem Eiweiss gibt es Futter für Hühner, Schafe, Kühe, Schweine.

«Wir haben mit Hühnerfutter aus Kakerlaken-Eiweiss experimentiert. Die Hühner, die wir hier halten, brauchen keine Antibiotika, sie sind sehr gesund. Auch habe ihr Fleisch kaum fett. Das könnte man in Zukunft vermarkten als Light-Produkte für Konsumenten, die abnehmen möchten.»

Und selber essen?

Da stellt sich die Frage: Können die Menschen Kakerlaken auch direkt essen –und nicht via Nutztiere? Ja klar, sagt Li Yanrong. Er dürfe sie aber nicht als Nahrungsmittel verkaufen, weil es dazu noch keine Lizenz gebe. «Wir selbst aber essen die Kakerlaken, sie sind zum Beispiel gut gegen Magenbeschwerden. Dafür frittieren wir sie in Öl, und essen sie als Beilage.»

50 Tonnen Küchenabfälle – pro Tag

Direkt neben der Halle hats Platz für Lastwagen, die Speisereste aus der Stadt herankarren. Denn seine Kakerlaken vernichten auch Küchenabfälle. Rund 50 Tonnen sind es pro Tag. Die Stadt liefert das Futter gratis. Und mit der Wärme, welche die Kakerlaken abgeben, betreibt Li auf dem Dach der Halle ein Treibhaus, wo er Gemüse anpflanzt.

Kakerlaken hätten eigentlich nur Vorteile, ist Li Yanrong überzeugt. Ihren schlechten Ruf hätten sie nicht verdient. «Ratten verbreiten Krankheiten wie Pest, Mücken Dengue-Fieber und Malaria. Aber die Kakerlaken verbreiten keine solchen Krankheiten, sie essen lediglich unsere Abfälle.» Wenn sich jemand also vor Kakerlaken in der Wohnung ekle, bedeute dies lediglich, dass man selbst nicht sauber genug aufgeräumt und geputzt habe, betont Li.

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12 Kommentare

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  • Kommentar von Henriette Rub  (ehb)
    Interessanter Bericht. Wenn die Weltbevölkerung im gegenwärtigen Tempo zunimmt, wird die Ernährung von Mensch und Tier uberdacht werden müssen. Solche Nahrungsmittel sind im Moment noch eher undenkbar und kaum akzeptabel. Allerdings waren viele unser industriell hergestellten "Futtermittel" vor 100 Jahren auch nicht vorstellbar. Lebensmitteltechnologie ist für mich auch eher unappetittlich, da Technologie schwer verdaulich ist.
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  • Kommentar von Stefano Albero  (Albero)
    Es kommt mir vor wie ein Werbefeldzug für Insektenfood. - Heuschreckengulasch, Zeckensorbet, Fliegenvinaigrette, Kakerlakenmousse, Ameisenraclette, Gegrillte-Grille, Mehlwurm-Carpaccio . . .
    Wieso versucht man uns all die eckligen Viecher als Delikatesse zu verkaufen?
    Da kann man nur mutmassen: Ist es der Versuch die Eckelgrenzen der Konsumenten auszuloten? Suchen Pestizidfirmen nach neuen Möglichkeiten Ungeziefer zu entsorgen . . .
    Wer hat noch weitere kreative Ideen? Bitte melden . . .
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    1. Antwort von Bendicht Mühlethaler  (Rhenus)
      @Albero: Dass srf.ch über laufende Entwicklungen berichtet, finde ich richtig. Auch wenn diese halt für einmal sehr unappetitlich sind. - Geschäftsideen wie diese entstehen, weil sie in der Öffentlichkeit nur noch auf wenig Ablehnung stoßen. Bei anderen Dingen wie Gewaltvideos, Pornografie, Prostitution oder Handel mit Modedrogen ist es auch so. Und dann gibt es auch noch die Tendenz, alles auf den Kopf zu stellen und die Freude daran, bei Mitmenschen Ekel zu erregen und sie zu erschrecken.
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  • Kommentar von Benito Boari  (Antoine)
    Allenfalls interessante Alternative zu Tierfutter-Soja aus gerodetem Urwald.
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    1. Antwort von Christa Wüstner  (Saleve2)
      Zur Gewinnung von Eiweiss für Tierfutter bestimmt eine gute Idee. Aber
      für menschliches Futter als gebratene Kakerlaken unvorstellbar. Wird sich
      auch in unseren Breiten niemals durchsetzen. Würmer und Co haben ja
      bereits Einzug gehalten, aber Kakerlaken finde ich total übertrieben.
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    2. Antwort von Astrid Meier  (Swissmiss)
      Wenn man bedenkt dass die Industrie Eiweiss aus Hühnerfedern und -kot extrahiert, scheint mir die Idee gar nicht mehr so abwegig. Sinnvoller als die Farmen von Bauern in der dritten Welt für die Sojaproduktion zu nutzen scheint mir das alleweil. Und wenn das Kakerkakenprotein rosa, mit feinem Aroma, hübsch verpackt und gut beworben daherkommt, wer weiss....?
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