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Ein Mord, der Russland aufwühlt
Aus HeuteMorgen vom 02.12.2020.
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Geschwister Chatschaturian Russische Schwestern nach Mord am Vater vor Gericht

Der Fall Chatschaturian in Moskau zeigt, dass in Russland Opfern von Gewalt und Missbrauch nicht geholfen wird.

Es ist ein Verbrechen, das Russland aufwühlt. Vor gut zwei Jahren haben drei junge Frauen in Moskau ihren Vater umgebracht. Er soll sie über Jahre misshandelt und sexuell missbraucht haben.

Viele in Russland sind überzeugt: Die Schwestern handelten in Notwehr, weil die Gesellschaft Opfer von häuslicher Gewalt nicht schützt. Die russische Justiz sieht das anders.

Angriff mit Messer und Hammer

Der Tod von Michael Chatschaturian ist in Russland längst Glaubenssache geworden. In Talkshows, im Internet und auf Zeitungsseiten wird erbittert über jedes Detail dieses tragischen Falles gestritten.

Ist der Mann ein unschuldiges Opfer? Oder im Gegenteil: sind die wahren Opfer der Geschichte die Täterinnen?

Eine protestierende Frau mit Plakat wird von Polizisten angesprochen.
Legende: «Ins Gefängnis gehören Vergewaltiger und Pädophile, nicht ihre Opfer» steht auf dem Plakat dieser Frau, die vor einem Moskauer Gericht protestiert. Reuters

Zu den Fakten, die feststehen: Der 57-jährige Michael Chatschaturian wurde am 27. Juli 2018 getötet. Seine drei Töchter Christina, Angelina und Maria hatten ihn in der Familienwohnung mit einem Messer und einem Hammer angegriffen. Danach riefen sie sofort die Polizei.

Ermittlungen bestätigen Übergriffe

Die drei jungen Frauen waren zum Tatzeitpunkt 17, 18 und 19 Jahre alt. Wie sie gegenüber den Ermittlern aussagten, muss das Leben bei Chatschaturians die wahre Hölle gewesen sein.

Sie und ihre Schwestern hätten den Vater bedienen müssen wie Sklavinnen, erklärte etwa Christina. Chatschaturian schlug seine Töchter nicht nur, er bedrohte sie, verbot ihnen, in die Schule zu gehen und er soll sie mehrfach vergewaltigt haben.

Die Ermittlungen bestätigen die massiven Übergriffe des Vaters. Wie sich herausstellte, war Chatschaturians Gewalttätigkeit schon zu dessen Lebzeiten bekannt. Aber das Umfeld der Familie schaute weg oder deckte den Täter sogar.

Keine Hilfe von der Polizei erhalten

Bezeichnend ist eine Aussage der Mutter der jungen Frauen. Der Vater hatte seine Frau jahrelang misshandelt und am Schluss sogar aus der Wohnung gejagt. Mehrfach habe sie sich an die Polizei gewandt, sagte sie in einem Interview. Aber Hilfe habe sie keine erhalten.

Die Gleichgültigkeit der Behörden ist für viele Russinnen und Russen der schlimmste Aspekt der Geschichte. Christina, Angelina und Maria hatten niemanden, der ihnen half.

In ihrer Verzweiflung wehrten sie sich mit einer Bluttat. Die drei Schwestern seien nicht Täterinnen, sondern Opfer, sagen jetzt liberale Kreise, vor allem in der Hauptstadt Moskau.

Staat aufseiten der Hardliner

Im staatlichen Fernsehen kommen aber auch andere Stimmen zu Wort. Ins Gefängnis gehörten die drei, poltern da Talkshow-Gäste unter Applaus des Publikums. Und ein Moderator fügt an, Christina, Angelina und Maria hätten ihre Tat kaltblütig geplant. Den Vater umzubringen, sei ein scheussliches, unchristliches Verbrechen.

Der Staat hat sich bisher auf die Seite der Hardliner gestellt. Ein Prozess gegen die jüngste Schwester läuft bereits. Sie war zur Tatzeit noch minderjährig. Der Prozess gegen die beiden älteren Schwestern soll heute anlaufen. Sie müssen sich wegen Mordes verantworten. Bei einer Verurteilung drohen ihnen 20 Jahre Haft.

Video
Aus dem Archiv: Schwestern wegen Mordes vor Gericht
Aus 10 vor 10 vom 15.08.2019.
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SRF 4 News, Heute Morgen, 02.12.2020, 06:00 Uhr

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