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Gesetz in den Niederlanden Jeder ist nun Organspender

Legende: Audio Jeder ein Organspender abspielen. Laufzeit 2:43 Minuten.
2:43 min, aus Echo der Zeit vom 13.02.2018.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Niederlande bekommen ein neues Gesetz zur Registrierung von Organspendern.
  • Danach wird jeder volljährige Bürger automatisch als Organspender registriert.
  • Wer das nicht will, muss sich melden.

Alle Senatorinnen und Senatoren mussten heute mit Namen über das neue Organ-Spende-Gesetz abstimmen. Damit geht in eine jahrelange, heftig geführte Debatte zu Ende – nicht nur im Parlament, sondern auch unter der Bevölkerung.

In einem Punkt waren alle sich einig: Gegen die ellenlangen Wartelisten muss etwas getan werden. In den Niederlanden warten mehr als tausend Menschen auf eine Organspende, davon mehr als die Hälfte auf eine Spenderniere.

Jeder ist Spender

Diese Wartelisten sollten durch das neue Gesetz verkürzt werden. Dank ihm gelten alle Menschen automatisch als Organspender, wenn sie sich nicht explizit angegeben haben, dass sie ihre Organe nicht spenden wollen.

Aber was, wenn jemand seine Organe eigentlich nicht spenden möchte, aber sich aus irgendwelchen Gründen doch nicht registriert hat? Für viele Parlamentarier war dies der springende Punkt, um doch gegen das Gesetz zu sein.

Die Meinung der Angehörigen

Die 75 Senatoren verlangten zuerst gar, dass die Angehörigen das allerletzte Wort bekommen sollten. Dass also sie entscheiden dürften, ob die Organe eines Verstorbenen entnommen werden dürfen oder nicht.

Soweit ist es schliesslich nicht gekommen. Der Gesundheitsminister hat aber heute Nachmittag noch versichert, dass die Stimme der Angehörigen in einem Todesfall gehört würde.

Kein Applaus erlaubt

Andere, vor allem aus den christlichen Fraktionen, hatten prinzipielle Bedenken gegen das Gesetz, weil sie der Meinung sind, dass einem Toten keine Organe entnommen werden dürften. Ein toter Körper müsse intakt bleiben.

Zuletzt wurde das neue Gesetz aber doch knapp angenommen – mit 38 gegen 36 Stimmen.

Jubel wollte die Ratspräsidentin jedoch nicht aufkommen lassen. «Ich möchte Sie bitten, Beifallsäusserung zu unterlassen», sagte sie an die Adresse, der wenigen, die es gewagt hatten, das positive Ergebnis zu beklatschen.

Voraussichtlich wird das neue Organspende-Gesetz zu Beginn des kommenden Jahres in Kraft treten.

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21 Kommentare

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  • Kommentar von Alex Bauert (A. Bauert)
    Bei swisstransplant.org hat man mir folgende Frage nicht beantwortet trotz mehrfacher Anfrage per Mail: Von wem stammt das Geld der Stiftung? Vorher hatte man mir geschrieben, man erhalte keine Gelder der öffentlichen Hand für die Kampagne für mehr Organspenden. Ich vermute mal, die haben mich angelogen.
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  • Kommentar von agios ekptosis (ekptosis)
    Endlich, hoffentlich auch bald in der Schweiz. Seltsame Ethik, die die Unversehrtheit von Toten höher gewichtet als das Überleben noch Lebender..
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    1. Antwort von Thomas Käppeli (Tokapi GT)
      @ekptosis, wie simpel war Ableben, bevor der Mensch den zeitgleichen Segen und Fluch moderner Apparatemedizin/Pharmakologie ausbrütete. Sie sehen Ethik zu einseitig. Die Ethik, aus dem griechisch für „das sittliche (Verständnis), beruht nicht nur auf rationalem materialistischen Denken. Sie beinhaltet auch irrationale geistige Aspekte, wie Würde über den Tod hinaus. Ethische Organspende wäre: Nur wer sich zeitig und gesund als Spender zur Verfügung stellt, soll auch Organe erhalten dürfen.
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  • Kommentar von Raymond Klaus (Ray)
    Jetzt leben junge Menschen gefährlich. Der Kannibalismus kann beginnen. Ein trauriger Tag für die Moral, die Ethik und die Persönlichkeit.
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