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Drama in der Ostsee Transportschiff mit geborgenem Wal jetzt vor Dänemark

  • Der aus einer flachen Bucht vor der deutschen Ostseeküste geborgene Buckelwal soll nach Angaben der privaten Rettungsinitiative in der Nordsee freigelassen werden.
  • Wo genau, stehe noch nicht fest, sagte ein Mitglied der Initiative, das den Schleppverband begleitet. Das Transportschiff mit dem Wal ist jetzt vor Dänemark.
  • Ob der Wal den Transport überstehen wird und ob er anschliessend wieder in Freiheit leben kann, ist nach Expertenansicht noch offen.

Das Tier soll zudem mit einem Sender ausgestattet werden, um es nach der geplanten Auswilderung verfolgen zu können. Die Informationen, wo sich der Wal befinde, würden den Initiatoren der Aktion und dem Umweltministerium, nicht aber der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt. Das gab die Rechtsanwältin der privat finanzierten Bergungsinitiative, Constanze von der Meden, bei einer Pressekonferenz auf der Insel Poel bekannt. 

«Wir wollen keinen Waltourismus generieren.» Es solle vermieden werden, dass Menschen nach dem Wal schauten. Der neue Sender sei aus den USA eingeflogen worden und werde in diesen Stunden angebracht. Der Tracker sei nicht vorher an dem Tier festgemacht worden, um das Risiko zu vermeiden, dass er bei der Bergungsaktion in die Barge wieder abgegangen wäre.

Wal soll in Nordsee freigelassen werden

Nach Plänen der privaten Initiative, die für die Bergung verantwortlich ist, soll der Wal in einer mehrtägigen Aktion um die Nordspitze Dänemarks herum durch das Skagerrak in die Nordsee gebracht und dann dort ausgesetzt werden.

Überlebenschancen ungewiss

Doch damit ist das Überleben des Wals noch nicht gesichert: Experten des Meeresmuseums hatten vor dem Transport des Tiers gewarnt. «Der Allgemeinzustand des Wals hat sich weiter verschlechtert» und die Erfolgsaussichten einer Lebendbergung seien sehr gering. Sie «ist zudem mit enormen Verletzungsrisiken für den Wal verbunden», erklärten die Forscher und verwiesen auf ähnliche Einschätzungen etwa der International Whaling Commission und British Divers Marine Life Rescue.

Kranich auf einem Lastkahn mit einem Wal im Wasser.
Legende: Eine Aufnahme aus einem Flugzeug zeigt den Wal in einem gefluteten Lastschiff kurz vor der dänischen Grenze. (29.4.2026) KEYSTONE/DPA/Philip Dulian

Die Wal- und Delfin-Schutzorganisation WDC erklärte: «In freier Natur sind Wale keine Situationen gewohnt, in denen sie eingesperrt sind. Am wahrscheinlichsten ist, dass die ungewohnte Situation einen Wal zusätzlich in Stress, möglicherweise auch in Panik versetzen würde.» Dies gelte insbesondere, da der Wal nicht seinem natürlichen Fluchtinstinkt nachkommen könne.

Meeresbiologe und Walforscher Fabian Ritter ergänzte, dass der aktuelle Fall alle Erfahrungswerte der Wissenschaft sprenge. «Wir wissen nicht, was das mit dem Wal macht», sagte er der deutschen Presse-Agentur. Es gebe keine Präzedenzfälle.

Schon Anfang März gestrandet

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Bereits Anfang März war der Buckelwal nach Angaben der Behörden in Küstennähe aufgetaucht, zunächst im Hafen von Wismar. In der Nacht zum 23. März strandete er auf einer Sandbank vor Timmendorfer Strand in Schleswig-Holstein. Dem Tier gelang es, das flache Wasser über eine ausgehobene Rinne zu verlassen. Danach nahm es aber nicht Kurs aufs offene Meer und Richtung Norden, sondern schwamm wieder Richtung Wismar. Schliesslich schwamm es in die flache Bucht der Insel Poel, Kirchsee genannt. Dort strandete es erneut, schwamm sich zwischenzeitlich frei, lag aber wenige Stunden später am Ausgang der Bucht wieder fest.

Backhaus hatte Mitte April trotz aller Warnungen aus der Wissenschaft entschieden, die Versuche der privaten Initiative zu dulden. Sie wird neben der Unternehmerin Karin Walter-Mommert vom Mediamarkt-Gründer Walter Gunz finanziert. Die Initiative hat den Lastkahn herangeschafft, um den Wal damit in die Nordsee zu bringen.

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SRF 4 News, 20.4.2026, 9 Uhr ; 

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