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Kampf gegen Frauenmorde in Kolumbien
Aus Rendez-vous vom 23.02.2021.
abspielen. Laufzeit 04:41 Minuten.
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Gewalt an Frauen Hotline für gewaltbereite Kolumbianer soll Frauen schützen

Die Pandemie fördert Gewalt an Frauen: In Bogotá trifft eine Hotline für gewaltbereite Männer jetzt den Nerv.

In Kolumbien hat die Gewalt gegen Frauen und Mädchen im vergangenen Jahr um neun Prozent zugenommen. Das teilt die UNO-Frauenorganisation mit. Grund dafür seien die Pandemie und die strikten Ausgangsbeschränkungen. Die Täter teilen meist die Wohnung mit ihren Opfern.

2020 hat die UNO-Frauenorganisation in Kolumbien 568 Frauenmorde registriert. Das waren 1.5 pro Tag. Auch Fälle von häuslicher Gewalt wurden immer häufiger. 75 Prozent der Opfer sind Frauen. Abhilfe soll in der Hauptstadt Bogotá jetzt ein telefonischer Dienst schaffen – eine Hotline für gewaltbereite Männer.

«Linea Calma» – atmen Sie langsam!

Das Call-Center befindet sich im Norden von Bogotá. Ein Team von acht Psychologen steht den Anrufern jeden Tag während zwölf Stunden zur Verfügung.

Die Psychologin Diana Tyres fragt als Erstes den Anrufer, ob er oder jemand anderes in Gefahr sei. Sie bekommt beispielsweise zur Antwort: «Ich bin gerade nach Hause gekommen und habe meine Frau mit einem anderen Mann im Schlafzimmer vorgefunden. Was soll ich machen?» Tyres antwortet: «Setzen Sie sich, atmen Sie langsam und hören Sie auf meine Stimme.» Ziel sei meistens, den Mann zu beruhigen, bis – falls nötig – die Polizei eintrifft.

Machismo, Eifersucht und Kontrollzwang

Diese emotionale Ausnahmesituation ist typisch für den neuen telefonischen Service «Linea Calma». Das Interesse ist gross. In einer Umfrage des städtischen Kulturministeriums in Bogotá gaben 76 Prozent der Männer an, besser mit ihren Emotionen umgehen zu wollen, aber sie wüssten nicht wie. Die grösste Herausforderung für gewaltbereite Männer sei Eifersucht und die Kontrolle über den Alltag der Ehefrau zu verlieren.

Wir können die häusliche Gewalt nur ausrotten, wenn wir unser Verständnis von Männlichkeit anpacken.
Autor: Nicolas MonteroKulturminister, Kolumbien
«Nicht eine Minute Ruhe für unsere toten Frauen, aber ein lebenslanger Kampf». Tausende versammelten sich im letzten November in Bogota zum Tag gegen die Gewalt an Frauen.
Legende: «Nicht eine Minute Ruhe für unsere toten Frauen, aber ein lebenslanger Kampf». Tausende versammelten sich im letzten November in Bogotá zum Tag gegen die Gewalt an Frauen. imago images

Kulturminister Nicolas Montero stellte fest: «Diese Hotline ist ein Angebot, um die Wurzeln des Problems anzupacken.»

Um die häusliche Gewalt auszurotten bräuchte es eine Veränderung in der Kultur und ein anderes Verständnis von Männlichkeit.

Anti-Wut-Kurse im Angebot

Das Fachpersonal der «Linea Calma» hört den Männern nicht nur zu. Es bietet auch einmal in der Woche Kurse an, um mit Wut, Eifersucht und Kontrollzwang besser umgehen zu können.

Die gewalttätige Macho-Kultur in Kolumbien ist sehr ausgeprägt. Männer betrachten Frauen oft als ihren Besitz, fühlen sich überlegen, werden gewalttätig, wenn etwas dieses Selbstverständnis bedroht. Die Justiz ist überfordert, Fälle von häuslicher Gewalt kommen meist gar nicht vor Gericht.

Rendez-vous, 23.02.2021, 12:30 Uhr

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2 Kommentare

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  • Kommentar von Felix Meyer  (gegen unwahre Wahrheit)
    Es gibt immer einen Grund gewalttätig zu werden, ein schräger Blick, ein falsches Wort. Das Unheil beginnt in der Familie mit dem Vater als Vorbild. Einer Gesellschaft, in der der Mann nach wie vor das Mass aller Dinge ist, steht ein weiter Weg bevor. Die Hotline ein erster kleiner Schritt in richtige Richtung. Darum ist es immens wichtig Frauen/Männer von Geburt an bis zum Tod als gleichwertige, eigenständige Menschen zu betrachten/behandeln. Daran geht kein Weg vorbei, egal wo auf dieser Welt.
  • Kommentar von Roger Ebischer  (RO.Ebi)
    Okay das Beispiel, dass die eigene Frau mit einem anderen Typen in der eigenen Wohnung vorfindet, sollte ja auch den Mann als Opfer zeigen. Oft sind Psychische Probleme der Auslöser für solche Taten und können teilweise viel tiefer verwurzelt sein, als man zunächst glauben mag. Es sollte endlich wichtig sein, auch die Probleme der Männer ernst zu nehmen und nicht erst dann, wenn etwas schlimmes passiert. Die Hotline ist etwas sinnvolles.