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Gewalt gegen Migranten «Die Rechten wollen von Macerata profitieren»

Italiens Rechte nutzt das Attentat, um Stimmung gegen Migranten zu machen, sagt SRF-Korrespondent Franco Battel.

Legende: Audio Franco Battel zu den politischen Folgen von «Macerata» abspielen. Laufzeit 4:45 Minuten.
4:45 min, aus SRF 4 News aktuell vom 05.02.2018.

In der italienischen Stadt Macerata hat ein mutmasslich rechtsextremer Attentäter dreissig Schüsse auf dunkelhäutige Menschen abgegeben – einen Monat vor den Parlamentswahlen. Sechs Personen wurden dabei zum Teil schwer verletzt. Während die Regierung davor warnt, die Stimmung gegen Flüchtlinge aus Afrika weiter anzuheizen, verurteilen die rechten Parteien Lega, Fratelli d’Italia und Forza Italia den Anschlag zwar ebenfalls, relativieren dies aber gleich wieder: Sie verweisen auf die hohen Flüchtlingszahlen im Land. Einschätzungen von SRF-Korrespondent Franco Battel.

Franco Battel

Porträt Franco Battel

Franco Battel ist seit Anfang 2015 SRF-Korrespondent in Rom. Davor war er als Auslandredaktor für Italien, Mexiko, Zentralamerika, Kuba und Liechtenstein verantwortlich. Er berichtete zudem vom UNO-Sitz in Genf.

SRF News: Kann man sagen, die Parteien nutzen diesen Anschlag nun für ihre Politik?

Franco Battel: Man kann auf jeden Fall sagen, dass sich die rechten Parteien in Italien in diesem Wahlkampf erstmals wirklich einig sind. Die Lega von Matteo Salvini, Forza Italia von Silvio Berlusconi und die postfaschistischen Fratelli d'Italia: Sie bringen diese Bluttat von Macerata in Zusammenhang mit den hohen Flüchtlingszahlen – das heisst, mit der hohen Zahl an illegal in Italien lebenden Migranten.

In einem Land, in dem viele Leute nur etwa 1000 Euro verdienen und viele noch weniger, wäre wahrscheinlich auch die Wirtschaft das vordringliche Thema.
Autor: Franco BattelSRF-Korrespondent in Rom

Vor allem die Lega hat sich schon in der Vergangenheit ganz ähnlich geäussert. So hat etwa der Lega-Politiker Attilio Fontana im Wahlkampf von Gefahren für die «weisse Rasse» gesprochen, die von den Migranten ausgehe. Er ist der Spitzenkandidat für das Amt des Gouverneurs in der Lombardei, der wichtigsten Region des Landes.

Der mutmassliche Schütze von Macerata hat wohl neofaschistisches Gedankengut und auch eine Verbindung zur Lega: Er hat nämlich für die Partei auf einer Liste kandidiert. Schadet das der Partei nun im Wahlkampf?

Nicht unbedingt. Denn die Lega hat mit dem Thema Migration in den letzten Jahren Erfolge gefeiert hat. Noch vor fünf Jahren verzeichnete die Partei noch etwa vier Prozent Wähleranteile; mittlerweile ist dieser auf etwa 14 Prozent gestiegen. Die Vorfälle von Macerata bringen nun das Thema Migration wieder in die Schlagzeilen. Davon will die Lega sicherlich profitieren – aber zum Beispiel auch Silvio Berlusconi.

Lega-Chef Matteo Salvini spricht am 3. Februar an einer Wahlkampfveranstaltung.
Legende: Lega-Chef Matteo Salvini und andere Rechte sehen in der Gewalt auch eine Reaktion auf die hohe Zahl an Migranten. Keystone

Bleibt das Thema Migration nun bis zu den Wahlen in einem Monat das dominierende Thema?

Das ist schwer zu sagen zum jetzigen Zeitpunkt. Es dauert noch einen Monat bis gewählt wird. In dieser Zeit kann viel passieren. Die Zahlen der neu angelandeten Geflüchteten ist in den letzten Monaten gesunken. Das spricht eigentlich dagegen, dass das Thema nun wirklich wieder ganz gross wird. In einem Land, in dem viele Leute nur etwa 1000 Euro verdienen und viele noch weniger, wäre wahrscheinlich auch die Wirtschaft das vordringliche Thema. Wenn Gewalttaten wie in Macerata passieren, geraten Themen wie die niedrigen Löhne oder auch der hohe Steuerdruck und die schlechten Arbeitsbedingungen mitunter in Vergessenheit.

Das Gespräch führte Hans Ineichen.

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23 Kommentare

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  • Kommentar von Peter Beutler (Peter Beutler)
    Ein Lega-Aktivist begeht ein Verbrechen und die politische Rechte (Lega, Neofaschisten, Forza Italia von Silvio Berlusconi) rechtfertigt diesen blutigen Anschlag mit den hohen Flüchtlingszahlen. Ein solches Verbrechen auf diese Art als plausibel erklären, ist selbst ein Verbrechen. Wache auf Italien, um Himmels willen! Es geht doch nicht, dass solch menschenverachtende Parteien Wahlen gewinnen! Das wäre eine Bankerotterklärung der Demokratie, ein sich Gehen-Lassen in die niedrigsten Instinkte.
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    1. Antwort von Udo Gerschler (UG)
      Ist die Bankrotterklärung der Demokratie angesichts des Versagens der Demokratischen Parteien in der Flüchtlings,Migrations und illegaler Migrationspolitik nicht schuld an dieser?
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  • Kommentar von Alex Volkart (Lex18)
    Immer das gleiche. Die Rechten wollen keine Ausländer, die Linken können nicht genügend einladen. Die, die darunter leiden sind dazwischen. Wer hierher kommt soll verpflichtet werden die Landessprache seines jetzigen Wohnortes zu erlernen, er soll sich eine Arbeit suchen, die Gesetze achten, usw. Wer dies nicht tut hat hier nichts verloren. Mein Urgrossvater mütterlicherseits, kam zwischen den Weltkriegen in die Schweiz, fand eine Arbeit als Zimmermann und passte sich an ohne zu Murren.
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  • Kommentar von antigone kunz (antigonekunz)
    Möge das Italien der politisch denkenden Menschen, Jungen und Alten, Arbeiter und Angestellten, der Gewerkschaften aufwachet und erkennen, was und wer gegen sie schafft. Die zerstörerische Kräfte beim Namen nennt und das ewig langweilige und dumme Spiel des Teile&Herrsche nicht mehr mitmacht. Sich auch durch die Appelle der Medien und rechter Männerbündler an die niedrigsten Instinkte nicht beirren lässt. Es braucht eine gerechtere Verteilung von Arbeit, Reichtum, ein erstarken des Gemeinwesens.
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