Zum Inhalt springen

International Gewalt und Schiessereien in der Türkei: Wer steckt dahinter?

Angriffe auf Militär und Polizei: In Istanbul explodiert bei einem Polizeiposten eine Autobombe, zudem findet beim US-Konsulat eine Schiesserei statt. Bei Angriffen im Südosten sterben mindestens vier Polizisten und ein Soldat. Eine linksradikale Gruppierung hat sich zu einem der Anschläge bekannt.

Legende: Video Anschläge in der Türkei abspielen. Laufzeit 0:58 Minuten.
Aus Tagesschau vom 10.08.2015.

Bei einer Bombenexplosion im Südosten der Türkei sind laut Medienberichten mindestens vier türkische Polizisten getötet worden. Der Sprengsatz war an einer Strasse der Region Silopi in der Provinz Sirnak deponiert worden, die an den Irak und Syrien grenzt.

Die Nachrichtenagentur Dogan vermutete Rebellen der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) hinter dem Anschlag. In derselben Provinz griffen unterdessen PKK-Rebellen einen Militärhelikopter an; dabei wurde laut Dogan ein Soldat getötet. Helikopter der Armee flogen daraufhin Luftangriffe in der Gegend.

Autobombe explodiert in Istanbul

Bereits in der Nacht zum Montag war es zu einem Anschlag gekommen: Unbekannte verübten einen Autobombenanschlag auf eine Polizeiwache im Stadtteil Sultanbeyli in Istanbul. Wenige Stunden danach gerieten Beamte der Spurensicherung in Sultanbeyli unter Beschuss. Fast gleichzeitig wurde das US-Konsulat im europäischen Teil von Istanbul mit Schusswaffen angegriffen.

Beim Autobombenanschlag in Sultanbeyli starb der Attentäter. Zehn Personen, darunter drei Polizisten, wurden verletzt. Nach dem Angriff auf die Spurensicherung am Morgen entwickelte sich zudem ein Feuergefecht zwischen Polizisten und Angreifern, bei dem Medienberichten zufolge zwei mutmassliche Täter und ein Polizist starben.

Mutmassliche Täterin festgenommen

Nach dem Anschlag auf das US-Konsulat, bei dem niemand verletzt wurde, konnten die mutmasslichen Angreifer, eine Frau und ein Mann, zunächst flüchten. Die Frau wurde Medienberichten zufolge kurze Zeit später festgenommen. Die linksextreme Gruppe Revolutionäre Volksbefreiungspartei-Front (DHKP-C) hat unterdessen bestätigt, dass eines ihrer Mitglieder an der Attacke auf das US-Konsulat beteiligt war.

Unklar war zunächst, ob es zwischen dem Anschlag von Sultanbeyli und dem Angriff auf das Konsulat einen Zusammenhang gab. Wie Thomas Seibert, Journalist vor Ort, festhält, ist es vor allem der zeitliche Ablauf der Attentate, der einen Zusammenhang nahelegt. «Man kann aber nicht unbedingt davon ausgehen, dass es sich um die gleiche Tätergruppe handelt», sagt Seibert, «im Moment glauben viele extremistische Gruppierungen, sie hätten eine Rechnung offen mit dem türkischen Staat.»

Legende: Video ZDF-Korrespondent Luc Walpot: Noch ist vieles unklar abspielen. Laufzeit 1:50 Minuten.
Aus Tagesschau vom 10.08.2015.

Über die Urheber der restlichen drei Anschläge gibt es noch keine Erkenntnisse: «Es gibt keine Bekennerschreiben und keine Angaben der Polizei zur Identität der Getöteten.» Als Täter kommen für Seibert vor allem die PKK, Extremisten der Gruppe Islamischer Staat (IS) sowie die DHKP-C infrage. «Zu deren Spezialität gehören Selbstmordanschläge und Anschläge auf amerikanische Einrichtungen.»

Dass der IS hinter den Anschlägen steckt, ist bisher aber lediglich ein Gerücht. Luc Walpot. ZDF-Korrespondent erklärt: «Die Ermittler haben zur Stunde noch kein genaues Bild. Es ist auch noch unklar, ob überhaupt ein Zusammenhang bestand zwischen den beiden Anschlägen».

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

21 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Harald Girschweiler, 9500 Wil SG
    In The Times schreibt Michael Stephens vom königl. Institut der brit. Streitkräfte: "Ich möchte es nicht Bürgerkrieg nennen aber die Situation gelangt möglicherweise rasch ausser Kontrolle. Die Türkei befindet sich in einer besorgniserregenden Lage und eine Lösung des Problems ist durch das Vorgehen der türk. Regierung gegenüber den Kurden nicht in Sicht"
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Harald Girschweiler, 9500 Wil SG
    Ich stimme M. Girmen zu, wenn Sie sagt, dass das gegenseitige Interesse zwischen TK u. EU am Schwinden sei. Ein Beitritt der TK ist nicht nötig. Die gewünschte Zusammenarbeit auf wirtschaftl. Gebiet kann auch mit bilateralen Abkommen erreicht werden. TK kann u. soll Partnerschaften in Aserbeidschan, Turkmenistan, etc. suchen. Bei den arab. Ländern sind entspr. Avancen aus Ankara nicht aufgenommen worden. Kurdistan bekommt seinen Staat im Nordirak. TK tut gut daran diese Realitäten zu akzeptieren
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Mert Girmen, Bern
      @girschweiler:einverstanden. CH ist gutes Beispiel dass es bileteral möglich ist. Unter barzanie gibt es ein automes Kurdistan, mit dem TR gute wirtschaftliche Beziehung hat. Kurdenproblem ist in der TR eine Tatsache, darum war der Friedensprozess. Nun versucht PKK 13% Stimmen von HDP zu missbrauchen, um seine politische Macht zu stärken. Nein, mit Terror keine Frieden. Vertreter-Kurden sind NICHT im Nordirak in Bergen um immer wieder Terroranschläge auszuüben, sondern im türkischen Parlament!
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Mert Girmen, Bern
    Hier noch eine letzte Bemerkung in Bezug darauf dass die Türkei IS unterstützt hätte. Ein Interview von BBC mit türkischem PM. Er sagt klip und klar: wenn Sie einen Beweis dafür haben, legen Sie es auf den Tisch! Seit Monaten wird das aber unzählige Male wiederholt. Es ist sehr unfair dass man für so eine sehr schwere Belastung für die Türkei 0 (Null) Beweis hat. Hier ist der Link zum Interview: http://www.bbc.com/news/world-europe-33868315
    Ablehnen den Kommentar ablehnen