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Giessen Jugendkongress der AfD startet wegen Protesten mit Verzögerung

  • Mit mehr als zwei Stunden Verspätung hat in Giessen der Gründungskongress der neuen AfD-Jugendorganisation begonnen.
  • Wegen Strassenblockaden und Protesten waren viele der rund 1000 geplanten Teilnehmenden – darunter auch die Parteichefs – nicht zur Messe durchgekommen.
  • Im Tagesverlauf werden rund 50'000 Demonstranten aus ganz Deutschland erwartet.
  • Das Uniklinikum Giessen berichtet von rund zehn Leichtverletzten.

Die Gründung der Jugendorganisation der AfD in Giessen sorgte im Vorfeld für viel Gegenwind und am Tag des Gründungskongresses kam es dementsprechend zu Protesten. Die ursprünglich auf 10 Uhr angesetzte Veranstaltung konnte nicht pünktlich beginnen. Der für rund 1000 Gäste vorgesehene Saal in der Messe war zu Veranstaltungsbeginn nur zu gut einem Viertel gefüllt.

AfD will in Giessen neue Jugendorganisation gründen

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Bei dem Kongress soll eine Nachfolgeorganisation für die aufgelöste Junge Alternative (JA) gegründet werden. Die AfD hatte sich von dem weitgehend eigenständigen Verein getrennt.

Die Nachfolgeorganisation, die wahrscheinlich «Generation Deutschland» heissen wird, wird eine Gliederung der AfD, Mitglieder müssen in der Regel auch AfD-Mitglied sein. Dadurch bekommt die Mutterpartei entsprechend Durchgriff.

Teilnehmer, die mit dem Auto anreisen wollten, kamen rund um Giessen oder bereits in weiterer Entfernung nicht weiter, so auch der designierte Vorsitzende der neuen Jugendorganisation Jean-Pascal Hohm, wie er dpa bestätigte. Auch die AfD-Chefs Tino Chrupalla und Alice Weidel, die bei der Veranstaltung Reden halten wollen und mit Begleitschutz anreisen, steckten nach AfD-Angaben zumindest zeitweise fest.

Polizei mit Grossaufgebot und Wasserwerfern

Die voraussichtlich grösste Demo startete nahe der Innenstadt. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) hatte sie mit laut Polizei rund 30'000 erwarteten Teilnehmern angemeldet. Demonstranten kamen mit Schildern wie «Wir sind mehr», «Wir sind euer böses Gewissen» oder «Giessen für eine bunte Zukunft». Die Kundgebung begann mit Redebeiträgen und einem Aufruf, alles möge friedlich bleiben. Im Tagesverlauf wird mit rund 50'000 Demonstranten gerechnet.

Die Polizei räumte eine Blockade von 2000 Personen und setzte nach eigener Aussage auch Wasserwerfer ein, «nachdem die Gruppe auf die mündliche Aufforderung, die Strasse freizumachen, nicht reagiert hat». Zudem sei es in der Stadt zu Flaschenwürfen auf die Einsatzkräfte gekommen. An einem Verkehrskreisel in der Stadt blockierte laut Polizei ein Bus mit daran angeketteten Aktivisten den Weg. 

Bundeskanzler Merz kritisiert Auseinandersetzungen

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Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat die Auseinandersetzungen am Rande des Gründungskongresses der neuen AfD-Jugendorganisation in Giessen kritisiert.

«Sie werden heute Abend Fernsehbilder aus der Stadt Giessen sehen, die alles andere als erfreulich sind, eine Auseinandersetzung zwischen ganz links und ganz rechts», sagte Merz beim Landesparteitag der sachsen-anhaltischen CDU in Magdeburg.

«Ich möchte, dass wir in der politischen Mitte unseres Landes zeigen, dass wir Probleme lösen können», sagte Merz. Freiheit und Frieden seien am wichtigsten.

Der Bundeskanzler warnte vor einer Faszination des Autoritären. Einfach mal auf den Tisch hauen – so funktioniere Demokratie nicht, sagte Merz. Man müsse gut diskutieren und notwendigen Streit aushalten. Merz kritisierte in diesem Zusammenhang «Linkspopulismus und vor allem Rechtspopulismus im eigenen Land».

Die Polizei ist mit einem Grossaufgebot und Beamten aus zahlreichen Bundesländern vor Ort, auch weil vorab Gewaltaufrufe aus der linken Szene kursierten. An einer Blockade hätten sich Beamte mit Pfefferspray gegen Steinewerfer verteidigt, ein Polizist sei leicht verletzt worden, teilte die Polizei weiter mit.

10 Leichtverletzte aufgrund von Protesten

Bei den Protesten haben bislang rund zehn Leichtverletzte das Uniklinikum in der mittelhessischen Stadt aufgesucht. Sie seien eigenständig zu Fuss gekommen, «unfallchirurgisch versorgt worden» und wieder gegangen, teilte ein Kliniksprecher der Deutschen Presse-Agentur mit. Es seien etwa Verletzungen an Händen und Beinen gewesen. Weitere Details könne er nicht nennen. Die Polizei sprach mittags zudem von bisher «mehreren leicht verletzten» Einsatzkräften in ihren Reihen.

SRF 4 News, 29.11.2025, 10 Uhr ; 

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