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Gift in Babynahrung Chinesischer Zulieferer schweigt über Verunreinigungen

Die Rückrufe von Babynahrung weiten sich aus. Die beschuldigte Firma aus China schweigt aber zu den Vorwürfen.

Nestlé, Danone und weitere Hersteller mussten in den letzten Wochen immer weitere Rückrufe von Babynahrung machen. Auch in der Schweiz gibt es inzwischen Verdachtsfälle von Vergiftungen. In Frankreich werden zwei Todesfälle bei Neugeborenen untersucht. Als Quelle der Verunreinigung nennen Behörden in Europa das ARA-Öl eines chinesischen Herstellers.

Keine Bestätigung über Probleme

Die Frau in der Medienabteilung von Cabio Biotech hängt sogleich wieder auf, als sie hört, dass das Schweizer Radio am Telefon ist. Cabio Biotech wird von Schweizer und französischen Behörden als Lieferant des verunreinigten ARA-Öls genannt, welches ein Bestandteil der Babynahrung ist.

Der Hersteller von Ölen und Zusatzstoffen für die Lebensmittel- und Kosmetikindustrie hat bis jetzt nie öffentlich eingestanden, dass es Probleme mit dem wichtigsten Produkt gibt oder gab. Dabei geriet die Firma rasch in den Fokus, nachdem die Verunreinigungen in Babynahrung bekannt wurden.

Noch vor zwei Wochen zitierten chinesische Medien ein Verwaltungsratsmitglied. Es kündigte interne Untersuchungen und Tests an. Auch die Börse in Shanghai schaltete sich ein. Sie forderte die Biotech-Firma auf, ihren gesetzlichen Informationspflichten nachzukommen. Ob diese Informationen je eingereicht wurden, will die Börse gegenüber SRF nicht sagen. Veröffentlicht hat sie jedenfalls nichts.

Babynahrung ist besonders sensibel

Cabio Biotech gilt als einer der weltweit wichtigsten Lieferanten für ARA-Öl. Die Geschäftsberichte des Unternehmens zeigen, dass der Umsatz zuletzt deutlich gewachsen ist. Auf dem Papier demonstriert man zudem ein Bewusstsein für Produktionsstandards.

Unter den Betriebsrisiken werden die Lebensmittelsicherheit und Qualitätskontrolle erwähnt, die in der Branche von grösster Bedeutung seien. Säuglingsnahrung gelte als das Kronjuwel der Lebensmittelindustrie und unterliege noch strengeren Anforderungen, heisst es bei Cabio Biotech.

Behörden verhindern Interviews

Die Hersteller in China erstarren derweil angesichts des Falls. Dieser erreicht inzwischen eine politische Ebene. Zahlreiche Produzenten von ARA-Öl in China lehnen Interviews ab. Das französischsprachige Schweizer Radio RTS wird zunächst zu einer Produktionsbesichtigung eingeladen. Doch der Besuch wird kurzfristig abgesagt – auf Druck der chinesischen Behörden.

Inzwischen ist die Telefonleitung der Pressestelle von Cabio Biotech tot. Wie es zu den Verunreinigungen gekommen ist bei diesem Bestandteil für Babynahrung aus China, bleibt weiterhin im Dunkeln.

HeuteMorgen, 11.2.2026, 06:00 Uhr

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