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Bürgerkrieg in Syrien Giftgas spielte im Konflikt schon oft eine Rolle

Legende: Video «Nur eine politische Lösung kann das Leid beenden» abspielen. Laufzeit 0:45 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 04.04.2017.

Im syrischen Bürgerkrieg wird den Konfliktparteien immer wieder der Einsatz von Giftgas vorgeworfen. Unabhängig lassen sich die Angaben aber nicht immer bestätigen. Einige Beispiele zur Anwendung von chemischen Waffen:

März 2017: Die Hilfsorganisation Union of Medical Care and Relief Organizations (UOSSM) berichtet von 70 verletzten Zivilisten nach einem Giftgasangriff in der Stadt Hama.

Dezember 2016: Nach UOSSM-Angaben werden nach einem Giftgasangriff in der Provinz Hama 93 Zivilisten getötet und rund 300 verletzt. Flugzeuge sollen Bomben mit einer geruch- und farblosen Chemikalie auf mehrere Dörfer abgeworfen haben. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit Sitz in England bestätigt die Berichte. Wer für den Angriff verantwortlich sein könnte, geht aus den Berichten aber nicht hervor. Hama befindet sich in einem Gebiet, das von Regierungstruppen gehalten wird. Laut UOSSM werden die betroffenen Dörfer aber von der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) kontrolliert.

November 2016: In Nordsyrien werden 22 protürkische Rebellen bei einem Giftgasangriff der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) verletzt, wie die staatliche türkische Nachrichtenagentur Anadolu unter Berufung auf eine Mitteilung des türkischen Militärs mitteilt. Das russische Militär wirft zur gleichen Zeit der Opposition in Aleppo vor, durch Gasballons oder Minen mit Chlor syrische Regierungssoldaten verletzt zu haben.

September 2016: Aktivisten werfen der syrischen Regierung den Einsatz von Chlorgas in der nordsyrischen Stadt Aleppo vor. Rund 80 Menschen hätten mit Atemproblemen behandelt werden müssen, berichten die lokale Hilfsorganisation Weisshelme und Human Rights Watch (HRW).

August 2016: Ein Helikopter soll nach Weisshelm-Angaben unter anderem Fässer mit Chlor-Kanistern über der von Dschihadisten kontrollierten Stadt Sarakeb nahe Idlib abgeworfen haben. 33 Menschen seien verletzt worden. Russland weist eine Beteiligung zurück. Auf der Seite von Syrien sprach der syrische Botschafter in Moskau, Riad Haddad, und sagte Giftgasvorwürfe gegen die Regierung in Damaskus seien "reine Fiktion".

August 2015: Nach UNO-Angaben benutzte der IS bei Angriffen auf Marea nahe Aleppo Senfgas.

März 2015: Nach einem UNO-Bericht werfen Regierungs-Helikopter auf die Orte Sarmin und Qmenas in der nordwestsyrischen Provinz Idlib Fassbomben mit Chlorgas ab. Human Rights Watch (HRW) spricht von mindestens sechs Toten.

April 2014: Nach HRW-Angaben sterben bei Chlorgasangriffen der syrischen Regierung mindestens elf Menschen in mehreren Orten in Nordsyrien. Rund 500 Menschen haben Symptome einer Vergiftung. Die UNO bestätigt später zumindest in einem der Orte, Talmenes, den Giftgaseinsatz.

August 2013: Östlich von Damaskus werden bei Angriffen mit Giftgas rund 1400 Menschen getötet, darunter viele Kinder. Die Hilfsorganisation Médecins Sans Frontières sprach bei der Todesursache klar von «neurotoxischen Symptomen». Die Regierung von Präsident Baschar al-Assad stimmt kurz darauf nach internationalem Druck zu, seine Chemiewaffen abzugeben. Bis August 2014 werden sie komplett vernichtet. Chlorgas fällt zwar nicht darunter, allerdings ist dessen Einsatz als Waffe untersagt.

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5 Kommentare

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  • Kommentar von Tom Duran (Tom Duran)
    Ein riesen Problem nebst dem Elend des Krieges: wer war es? In solch einem Durcheinander ist es einfach unmöglich, gescheit zu recherchieren. Und somit werden die Schuldzuweisungen weiterhin Interessengeprägt und nicht auf Tatsachen beruhen, wie in jedem Krieg.
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    1. Antwort von Hans Bernoulli (H.Bernoulli)
      Der Journalist Seymour M. Hersh ist eine allgemein anerkannte, gute Quelle für kritischen Journalismus. Aktuelle wieder sein Aufsatz "Whose sarin?" im London review of Book. Hersh weist nach, dass die islamistischen Rebellen in Syrien sehr wohl fähig sind, Sarin in genügenden Mengen zu produzieren.
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  • Kommentar von Cherubina Müller (Fabrikarbeiterin)
    NZZ am 06.05.2013: “Nach den Aussagen, die wir gesammelt haben, haben die Rebellen Chemiewaffen eingesetzt und auf das Gas Sarin zurückgegriffen“, sagte Carla Del Ponte. Epoch Times: “Giftgaseinsatz in Aleppo - Syrische Kurden melden Chlorangriff von Dschihadisten.“ Es scheint keinerlei Interesse daran zu bestehen Angriffe der “Rebellen“ genauer zu untersuchen. Ein anerkanntes britisches Militärlabor kam zum Schluss, das östlich von Damaskus eingesetzte Sarin stamme nicht aus Regierungsbeständen
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    1. Antwort von Hans Haller (panasawan)
      Tatsache ist wohl, dass das C-Waffen eingesetzt wurden. Ob die autorisiert oder nicht autorisiert erfolgte konnte bisher auch nicht geklärt werden. Ebenso bestehen handfeste Indizien sowie auch klare Hinweise, dass da nicht nur Assad's Truppen C-Waffen benutzt haben sollen. Es entspricht halt dem heutigen Uebel des sog. GesinnungsJounalismus, nur Assad in den Fokus der Berichterstattung zu ruecken. Dieser Bericht hier ist wieder mal sehr typisch so abgefasst. Dh. = mit Vorsicht zu geniessen !
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  • Kommentar von Philipp Etter (Philipp Etter)
    Der Einsatz von chemischen und biologischen Kampfmitteln ist grundsätzlich verboten. Wer es trotzdem macht, stellt sich selbst ins Abseits, macht sich selbst unmöglich und muss damit rechnen, dass UNO und andere Mächtige seine Absetzung einfordern. Das Dümmste, was Assad machen könnte, wäre solche Kampfmittel einzusetzen und das weiss er. Umgekehrt ist es politisch sehr wirkungsvoll, Assad den Einsatz von Giftgas zu unterstellen, obwohl die heutigen Vorfälle nicht untersucht worden sind.
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