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Gleichberechtigung im Krieg Frauen werden bei Friedensprozessen konsequent ignoriert

Die UNO-Sicherheitsratsresolution 1325 «Frauen, Frieden, Sicherheit» war einmal ein Meilenstein. Sie würdigte zum ersten Mal überhaupt die besondere Verletzlichkeit von Frauen in Konflikten, aber auch ihr grosses Potenzial in Friedensprozessen. Das ist jetzt 25 Jahre her. Doch getan hat sich seither wenig. Im Gegenteil: Der aktuelle Bericht des UNO-Generalsekretärs stellt einen Backlash fest: Die «Anti-Genderbewegung» und religiöser Konservatismus bremsten die Umsetzung der Resolution. Was bedeutet das für Frauen in Kriegsgebieten? Viel, aber nichts Gutes, sagt die sudanesische Friedensaktivistin Rabab Baldo.

Rabab Baldo

Gender- und Friedensaktivistin

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Rabab Baldo arbeitete als Senior Gender und Inclusivity Advisor und internationale Beraterin unter anderem für das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen UNDP und für die NGO Inclusive Peace in Genf. Rabab war Sonderbeauftragte für den Sudan und Südsudan bei UN Women, der Organisation der Vereinten Nationen für die Gleichstellung der Geschlechter und die Ermächtigung von Frauen, sowie bei der ostafrikanischen Organistion IGAD (Intergovernmental Authority on Development) für deren Umsetzung ihrer Friedens- und Sicherheitsstrategie einer regionalen Organisation am Horn von Afrika.

SRF News: Rabab Baldo, Sie haben jahrzehntelange internationale Erfahrung in Peace-Building. Was bedeutet der Backlash für Frauen in Kriegsgebieten?

Rabab Baldo: Das Narrativ hat sich mit der Resolution 1325 zwar verändert. Aber der tatsächliche Schutz von Frauen macht kaum Fortschritte. Zum Beispiel in meinem Land, dem Sudan, werden noch immer Frauen und kleine Mädchen vergewaltigt und versklavt. Dieser Krieg wird auf unseren Körpern ausgetragen.

Die UNO-Resolution «Frauen, Frieden, Sicherheit»

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Vor 25 Jahren verabschiedete der UNO-Sicherheitsrat die Resolution 1325 «Frauen, Frieden und Sicherheit». Sie sollte die wichtige Rolle von Frauen bei der Prävention und Lösung von Konflikten, bei Friedensverhandlungen, Friedenssicherung, humanitären Massnahmen und beim Wiederaufbau nach Konflikten unterstützen und fördern.

Die Resolution 1325 war ein Meilenstein – zumindest auf dem Papier. Denn sie wird auch ein Vierteljahrhundert später kaum wahrgenommen respektive umgesetzt.

Die Resolution betont, wie wichtig traditionell die gleichberechtigte Teilhabe und der uneingeschränkte Einbezug von Frauen bei der Wahrung und Förderung von Frieden und Sicherheit ist. Sie fordert alle Akteure auf, die Beteiligung von Frauen zu verstärken und die Geschlechterperspektive in alle Friedens- und Sicherheitsbemühungen der Vereinten Nationen einzubeziehen. Sie fordert ausserdem alle Konfliktparteien auf, besondere Massnahmen zu ergreifen, um Frauen und Mädchen vor geschlechtsspezifischer Gewalt, insbesondere Vergewaltigung und anderen Formen sexuellen Missbrauchs, in bewaffneten Konflikten zu schützen.

Die Forschung zeigt, wenn Frauen in Waffen­stillstands­verhandlungen und Friedensprozesse eingebunden werden, kommt es eher zu einer Einigung und die Abkommen halten länger. Warum?

Frauen bringen die Realität in die Verhandlungen. Frauen leben da, wo der Krieg passiert. Sie verfügen über wichtige Netzwerke und können Waffenstillstände und Friedensprozesse lokal anstossen.

In vielen Regionen Sudans haben Frauen die Initiative ergriffen. Sie haben zum Beispiel einen vorübergehenden Waffenstillstand zwischen 12 und 15 Uhr ausgehandelt, damit sie auf den Markt gehen und ihre Familien versorgen können.

Frauen protestieren mit arabischen Schildern.
Legende: Frauen protestieren 2021 gegen die Gewalt, die ihnen bei einer früheren Demonstration gegen das Militär widerfahren ist. (Omdurman/Sudan) REUTERS / El Tayeb Siddig

Was macht denn in Ihrer Erfahrung konkret den Unterschied zu Friedensverhandlungen ohne Frauen?

Wenn Männer allein verhandeln, geht es meist um die Aufteilung von Macht. Die Mörder werden geschützt, mit wichtigen Ämtern belohnt und nicht für ihre Taten zur Rechenschaft gezogen. Wir Frauen aber fordern eine Übergangsjustiz. Wir verlangen, dass alle Täter für alle von ihnen begangenen Verstösse zur Rechenschaft gezogen werden. So sorgen wir für nachhaltigen Frieden und Gerechtigkeit.

Bei den Sudan-Gesprächen der UNO in Genf vor knapp zwei Jahren waren keine Frauen eingeladen. Sie haben zusammen mit Mitstreiterinnen am Verhandlungsort demonstriert. Wie haben Sie den Fuss in die Tür gekriegt?

Als Erstes haben wir regional und global eine Machtanalyse durchgeführt. Wir wollten die Länder identifizieren, die in direkter Verbindung zu den Konfliktparteien stehen und schauen, wie wir die Macht dieser Länder nutzen können.

Der Krieg im Sudan – das Epizentrum menschlichen Leids

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Seit dem 15. April 2023 tobt im Sudan ein Bürgerkrieg, in dem sich das sudanesische Militär und die paramilitärische RSF-Miliz bekämpfen. Mehr als 150’000 Menschen sind dem Krieg bisher zum Opfer gefallen. Mehr als 25 Millionen waren zwischenzeitlich von einer Hungersnot betroffen. Das Land wird von Waffen und Söldnern aus dem Ausland geflutet und steht vor dem Zerfall. Fast ein Drittel der Bevölkerung ist auf der Flucht. Es ist die weltweit grösste Flüchtlingskrise.

Im Oktober 2025 fiel mit Al-Fashir die Hauptstadt der Region Nord-Darfur nach 18 Monaten der Belagerung. Danach verbreiteten sich in sozialen Netzwerken Bilder des Grauens – Bilder von Massakern, Hinrichtungen und Folterungen. Der UN-Nothilfekoordinator Thomas Fletcher erzählte nach einem einwöchigen Aufenthalt in der Region, Frauen, die aus El Fasher geflohen waren, hätten von schrecklichen Erlebnissen sexueller Gewalt und von Missbrauch berichtet, denen sie auf ihrer Flucht ausgesetzt waren. Fletcher bezeichnete Darfur als «Epizentrum menschlichen Leids».

Wir haben auch mit dem Vermittlungsteam zusammengearbeitet und dabei geholfen, wie man auf lokaler Ebene am besten vorgeht. Es war eine sehr, sehr produktive Zusammenarbeit. Leider wurde dieser Prozess in den Papierkorb geworfen, als die Waffen­still­stand­verhandlungen auf nationaler Ebene schwierig wurden. Vermittelt von Ägypten, den USA, Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten laufen jetzt neue Verhandlungen. Und wieder ist keine einzige Frau dabei.

Aber Sie geben offensichtlich nicht auf.

Es ist die Liebe zu meinem Land, die mich trägt. Und ich bin noch immer überzeugt, dass es die Frauen sein werden, die den Sudan retten. Sie haben mich noch nie enttäuscht. Deshalb glaube ich an die Kraft der Frauen.

Das Gespräch führte Katharina Bochsler.

Echo der Zeit, 13.1.2026, 18 Uhr ; 

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