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Gräueltat im Ersten Weltkrieg US-Repräsentantenhaus stuft Massaker an Armeniern als Genozid ein

  • Das US-Repräsentantenhaus hat die Massaker an den Armenierinnen und Armeniern im Ersten Weltkrieg offiziell als Völkermord bezeichnet.
  • Das Parlament verabschiedete am Dienstag mit einer Mehrheit von 405 zu 11 Stimmen eine entsprechende Resolution.
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Aus dem Archiv: Streit über Armenien-Genozid
Aus Tagesschau vom 18.04.2015.
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Es ist das erste Mal, dass der US-Kongress die Massaker der Jahre 1915 bis 1917 als Genozid bezeichnet. Die demokratische Vorsitzende des Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, begrüsste die Verabschiedung der Resolution. Es gehe darum, an eine der schlimmsten Gräueltaten des 20. Jahrhunderts zu erinnern: «Die systematische Ermordung von 1.5 Millionen armenischen Männern, Frauen und Kindern durch das Osmanische Reich.»

Die Türkei, die den Begriff Völkermord zurückweist, reagierte erbost auf die Verabschiedung der Resolution. Das türkische Aussenministerium sprach von einem «bedeutungslosen politischen Schritt», der sich an die «armenische Lobby und Anti-Türkei-Gruppen» richte.

Der Beschluss des Repräsentantenhauses gefährde die Beziehungen zwischen der Türkei und den USA in Zeiten grosser Risiken für die internationale und regionale Sicherheit. Der türkische Aussenminister Mevlüt Cavusoglu warf den USA vor, die «antiquierte Resolution» sei Rache für die türkische Militäroffensive in Nordsyrien. «Kreise, die glauben, dass sie sich auf diese Weise rächen werden, irren sich.»

Massaker oder Völkermord?

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  • Die Türkei gibt zwar den Tod von 300'000 bis 500'000 Armeniern während des Ersten Weltkriegs zu, weist aber die Einstufung als Völkermord strikt zurück.
  • Ab 1915 waren Armenier systematisch verfolgt worden und unter anderem auf Todesmärsche in die syrische Wüste geschickt worden.
  • Historiker sprechen von Hunderttausenden bis zu 1.5 Millionen Opfern.
  • Armenien fordert seit langem von der Türkei, die Gräueltaten als Genozid anzuerkennen.

Durch die Militäroffensive gegen kurdische Kämpfer in Nordsyrien hatten sich die Beziehungen zwischen der Türkei und den USA stark verschlechtert. Das türkische Militär war mit verbündeten Rebellen am 9. Oktober in Nordsyrien einmarschiert.

Viele Staaten sprechen von Völkermord

Als erstes grosses europäisches Land hatte Frankreich 2001 die Massaker an den Armeniern im Osmanischen Reich offiziell als Völkermord eingestuft. Mehrere andere Länder sind den Franzosen gefolgt. 2003 kam auch der Schweizer Nationalrat zu diesem Schluss. Der deutsche Bundestag tat dies im Juni 2016, was eine schwere diplomatische Krise mit der Türkei auslöste.

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24 Kommentare

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  • Kommentar von Peter Imber  (Wasserfall)
    Die Regierung der Türkei und das türkische Volk würden Grösse und Reife zeigen, wenn sie den Mord an über einer Million von Armeniern als Völkermord / Genozid anerkennen / zugeben würden. Die Wahrheit wird nicht unwahrer, wenn sie unentwegt verleugnet wird. Die Geschichte lässt diese Schandtat nicht zurechtbiegen.
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  • Kommentar von Marcel Chauvet  (xyzz)
    Das heutige Armenien hat ca. 3 Millionen Einwohner und wenn man von bis 1,5 Millionen armenischen Opfern ausgeht, wird das Ausmaß des während es 1. Weltkrieges verübten Genozides überdeutlich.
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  • Kommentar von Marcel Chauvet  (xyzz)
    Zuerst die Armenier und in neuerer Geschichte die Kurden. Logisch, wenn man die Vergangenheit selbst mehr als 100 Jahre später nicht zur Kenntnis nehmen will und aufarbeitet. Allerdings könnten sich die USA auch mal selbst an der Nase fassen, ob der Kriege und Gräueltaten wo sie weltweit aktiv waren. Weder in den USA, genauso wenig wie in der Türkei wird die überhebliche nationalistische Grundeinstellung aufgegeben, im Gegenteil wird unter Trump und Erdogan alles noch schlimmer.
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