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Australien kämpft weiterhin gegen hohe Coronazahlen
Aus Echo der Zeit vom 14.08.2021.
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Grenzen zu wegen Corona Gestrandete Australier: «Die Leute sind verzweifelt»

35'000 Australierinnen und Australier sitzen wegen Corona im Ausland fest. Einige planen nun eine Überfahrt per Boot.

Grenzen geschlossen: Das gilt in Australien seit eineinhalb Jahren wegen der Corona-Pandemie. Was das Virus draussen halten soll, hat auch Folgen für rund 35'000 Australierinnen und Australier im Ausland.

Sie sitzen dort seit vergangenem Jahr fest. Viele haben kein Geld mehr, keine Jobs, keine Wohnung. «Für viele ist es tatsächlich eine katastrophale Situation», sagt SRF-Australien-Mitarbeiter Urs Wälterlin.

Sie können nicht zurück, weil es kaum Flüge gibt: Nur 3000 Personen pro Woche werden ins Land gelassen. «Da gibt es natürlich einen Kampf um jeden Sitzplatz in den wenigen Flugzeugen, die überhaupt kommen.»

Nur wenige, teure Rückflugtickets

Zu kaufen gebe es fast nur Business- oder Erstklasssitze. «Bis zu 15'000 Franken legt man dafür hin. Man stelle sich vor, was das für eine ganze Familie bedeutet.» Hinzu komme die Quarantäne nach der Ankunft. Diese koste weitere 2500 Franken. «Leider hilft die Regierung nicht. Ab und zu gab es zwar einen Sonderflug. Aber die Leute sind verzweifelt.»

Viele hätten ihre Familie in Australien seit Beginn der Pandemie nicht mehr gesehen. «Eltern sterben hier, Kinder werden geboren und man muss alles über Zoom oder Skype miterleben», erzählt Wälterlin.

Bootsmiete statt auf Flug warten

Die gestrandeten Australierinnen und Australier im Ausland werden immer erfinderischer, um irgendwie nach Hause zu kommen. So gibt es Berichte, wonach einige der rund 750 Australier, die in Indonesien registriert sind, mit dem Boot über das Meer heimkehren wollen.

Sie wollen von einer indonesischen Insel in den nördlichen Hafen von Darwin reisen. Das sind mehrere hundert Kilometer und mehrere Tage Fahrt. Das australische Innenministerium ging so weit, dass es vor solchen Plänen warnte, weil es sehr gefährliche Gewässer sind.

Legende: Indonesien besteht aus über 10'000 Inseln. Viele sind nur per Boot erreichbar. Keystone

«Man kann nicht einfach in einem Fischerboot rüberpaddeln», sagt Wälterlin. Es handle sich um eine Asylroute für Geflüchtete aus der ganzen Welt. «Leider ertrinken viele unterwegs.» Wer so mit dem Boot kommt, dürfe nicht in Australien bleiben. «Das gilt natürlich nicht für Australierinnen und Australier. Aber sie müssen dann in Quarantäne.»

Flüchtlinge sind in der Regel auf hölzerne Fischerboote angewiesen. Nun gibt es offenbar ein paar indonesische Schiffsunternehmer, die normalerweise Touristen zwischen den Inseln herumfahren, die ein Geschäft wittern. «Sie bieten kein Hochseeschiff und keine Luxusdampfer an, sondern einfach Schiffe, die für den Verkehr zwischen den Inseln genutzt werden.» Aber diese seien extrem teuer.

«Ein Plan, von dem ich gehört habe, war, eines dieser Schiffe für zehn Leute für umgerechnet 55'000 Franken zu mieten. Das ist viel. Aber ein Flugticket 1. Klasse nach Australien, etwa aus Europa, ist noch teurer.»

Ausreise ebenfalls erschwert

Aber nicht nur Zurückreisen in die Heimat ist nicht mehr möglich, auch Ausreisen aus Australien ist schwierig. Das gilt auch für Wälterlin, der in der Nähe der Hauptstadt lebt. Die Stimmung sei derzeit angespannt, sagt er. «Wir haben hier Lockdown über Lockdown, in Sydney seit mehreren Wochen, jetzt auch hier in Canberra. Ausreisen ist nur im absoluten Ausnahmefall erlaubt, mit Sondererlaubnis der Regierung.»

Man könne durchaus sagen: «Australien wird wieder zur Sträflingsinsel. Als solche hat das moderne Australien ja angefangen vor mehr als 200 Jahren», so Wälterlin. Ein Beobachter habe es jüngst das «Nordkorea des Südpazifiks» genannt. «So abgeschottet sind wir vom Rest der Welt.»

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Australien: Das «Nordkorea des Südpazifiks»
20:34 min
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Echo der Zeit, 14.08.2021, 18:00 Uhr;

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41 Kommentare

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  • Kommentar von Felix Meyer  (gegen unwahre Wahrheit)
    Für einmal etwas, bei dem die indigene Bevölkerung weit weg von den Zentren, keine Nachteile hat. Die eigenen Leute weltweit "sitzen" zu lassen, finde ich doch eher sehr bedenklich.
  • Kommentar von Thomas Spielmann  (spielmann-psy)
    Ich hab an dieser Stelle schon oft versucht, ozeanische kulturelle Normen zu erklären. Wenn Sie sich über Australien ärgern wollen, lesen Sie nicht weiter. Wenn Sie verstehen wollen: in ganz Ozeanien gilt, das Befinden des Einzelnen ist dem kollektiven Wohlbefinden untergeordnet. Polynesier, Melanesier, Kiwis und Aussies haben das zutiefst verinnerlicht. Deswegen fühlen sich einige Schweizer von Australien zutiefst abgestossen, andere lieben gerade diese Eigenschaft!
    Und hauen aus der CH ab.
    1. Antwort von Mark R. Koller  (Mareko)
      Grossartig verständlich gemacht, besten Dank! Ich schätze es sehr, hier mitten im Südpazifik in unserer Gemeinschaft, in der Familie und im Dorf gut aufgehoben zu sein, in einer sinnreichen, alten Kultur, mit freundlichen Menschen zusammen, Höflichkeit, Rücksichtnahme und gegenseitiger Respekt sind prägend, ein für mich angenehmes Klima zu geniessen und vorallem frei zu sein. Keine behördliche Anmeldung, keine Adresse, nicht überall Verbote ... und dennoch ist für alle alles gut organisiert.
    2. Antwort von Felix Meyer  (gegen unwahre Wahrheit)
      Herr Spielmann, Ich kann diese Betrachtungsweise zwar verstehen, doch die eigene Bevölkerung, die ja nur unter Extrembedingungen einreisen kann, im Ausland nicht zu betreuen, ist beschämend. Es gäbe bestimmt Lösungen, doch die Regierung scheint nicht gewillt zu sein solche anzubieten.
    3. Antwort von Thomas Spielmann  (spielmann-psy)
      Lieber Herr Meyer, das ist eben dieser fundamentale Mentalitätsunterschied: Der Schweizer sagt, als freier Bürger habe ich das Recht, auch jetzt ins Ausland zu reisen. Auch auf das Risiko hin, den Virus in die CH mitzubringen und andere so massivst gesundheitlich und materiell zu schädigen. Der Aussi sagt, wer sich in dieser dramatischen Situation ins Ausland begibt, kann das zwar, hat aber jedes Recht auf Hilfe des Staates verwirkt. Dieser muss alles tun, die Bürger zu Hause zu schützen.
    4. Antwort von Felix Meyer  (gegen unwahre Wahrheit)
      Herr Spielmann, Woher wollen Sie wissen, ob diese Menschen sich alle "in dieser dramatischen Situation ins Ausland begeben haben?" Ich nehme an, Sie kennen die wenigsten Gründe warum diese Leute im Ausland sind. Und sollte die Mentalität so verinnerlicht sein wie Sie beschreiben, frage ich mich warum abertausende nicht sofort bei Pandemiebeginn nach Hause gereist sind.
    5. Antwort von Thomas Spielmann  (spielmann-psy)
      Lieber Herr Meyer, Australien und NZ haben wir die CH oder D Landsleute bei Pandemiebeginn zurückgeholt. Wer aber aus freien Stücken nicht zurück wollte oder AU oder NZ wieder verliess, muss nun selber schauen. Darunter fallen heute etwa 30‘000 indisch- und pakistanisch-stämmige Aussies, die nun im Ausland nicht mehr aus Staatsgeldern unterstützt werden.
  • Kommentar von Monika Mitulla  (momi)
    Die Regierung Australiens verfolgt nach wie vor eine "Zero Covid Strategie", was m.E. völlig utopisch ist. Nur deshalb existieren die grausamen Regeln. Hätten die Australier eine direkte Demokratie, kämen solche Entscheide kaum zustande.
    1. Antwort von Stefan Huwiler  (huwist)
      Würde Australien ähnlich agieren wie zB die USA, so hätten sie inzwischen 100'000 - 200'000 Coronatote. Da fragt sich natürlich schon welche Regeln grausamer sind.
    2. Antwort von Daniel Kappeler  (Dani Toggenburg)
      Und bei uns wird gejammert, weil wir noch Masken tragen müssen im ÖV. Verkehrte Welt.
    3. Antwort von Monika Mitulla  (momi)
      Niemand kann alle Todesfälle verhindern, huwist - jeder Mensch muss da durch. Leider haben wir den Tod heute komplett aus dem Leben verbannt. Wenn jemand stirbt, wird immer ein "Schuldiger" gesucht.
      Im Corona-Jahr 2020 war in der Schweiz die reine Sterblichkeit zwar grösser als in den letzten Jahren, aber der Unterschied nicht gewaltig. Um Jahre mit ähnlichen Raten zu finden, muss man ausserdem nicht besonders weit zurückblicken.