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Gewalteskalation zwischen Armenien und Aserbaidschan
Aus Tagesschau vom 28.09.2020.
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Grenzstreit im Südkaukausus Schwere Gefechte in Berg-Karabach: Armenien verhängt Kriegsrecht

  • In der Region Berg-Karabach bekämpfen sich Aserbaidschan und Armenien.
  • Die aserbaidschanische Armee gibt an, eine Offensive gestartet zu haben. Sie habe bei Kämpfen entlang der Frontlinie ein halbes Dutzend Dörfer unter armenischer Kontrolle erobert.
  • Armenien berichtet, seine Streitkräfte hätten zwei aserbaidschanische Helikopter und Kampfdrohnen abgeschossen.
  • Die EU und Russland fordern die sofortige Einstellung der Kampfhandlungen.

Armenien hat nach Kämpfen mit dem Nachbarland Aserbaidschan in der Konfliktregion Berg-Karabach den Kriegszustand ausgerufen und eine totale Mobilmachung angeordnet. Das teilte Regierungschef Nikol Paschinjan in Eriwan mit. In Aserbaidschan sollte in einigen Landesteilen ab Mitternacht Ortszeit der Kriegszustand mit Ausgangssperren gelten.

Karte von Armenien, Aserbaidschan und Berg-Karabach.
Legende: Berg-Karabach und die von Armenien besetzte Pufferzone (schraffiert). SRF

Zuvor hatte Aserbaidschan eine Militäroperation gegen Berg-Karabach angekündigt. «Wir haben sechs Dörfer befreit, fünf im Bezirk Fizuli, eines im Bezirk Jebrail», sagte ein Sprecher des aserbaidschanischen Verteidigungsministeriums gegenüber der AFP.

In Berg-Karabach wurden nach offiziellen Angaben 16 Soldaten durch Beschuss getötet und mehr als hundert verletzt. Aserbaidschan teilte mit, dass es fünf Tote und Verletzte in den eigenen Reihen gebe. Unter den Opfern sind nach Angaben des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz auch Zivilisten.

Umstrittenes Berg-Karabach

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Die von Armenien kontrollierte Region Berg-Karabach gehört völkerrechtlich zum islamisch geprägten Aserbaidschan. Baku hatte in einem Krieg nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion die Kontrolle über das von christlichen Karabach-Armeniern bewohnte Gebiet verloren. Seit 1994 gilt in der Region eine Waffenruhe, die aber immer wieder gebrochen wurde. Zuletzt war der Konflikt 2016 stark aufgeflammt. Dabei starben mehr als 120 Menschen.

Die Hauptstadt Stepanakert sei beschossen worden, die Menschen sollten sich in Sicherheit bringen, teilten die Behörden in Berg-Karabach mit. Zahlreiche Häuser in Dörfern seien zerstört worden. Nach Darstellung aus Baku und Eriwan dauerten die Kämpfe an.

Wechselseitige Schuldzuweisungen

Beide Seiten gaben sich gegenseitig die Schuld für die Gefechte. Der Beschuss habe am frühen Sonntagmorgen von aserbaidschanischer Seite begonnen, schrieb Paschinjan auf Facebook. «Die gesamte Verantwortung dafür hat die militär-politische Führung Aserbaidschans», teilte die Sprecherin des Verteidigungsministeriums von Armenien mit.

Eriwan habe Hubschrauber und Kampfdrohnen abgeschossen. Drei gegnerische Panzer seien getroffen worden. Baku dementierte dies und betonte, es handele sich bei den Gefechten um eine Gegenoffensive an der Frontlinie. Armenien habe die Kämpfe provoziert.

EU und Russland fordern Waffenruhe

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EU und Russland fordern Waffenruhe

EU-Ratschef Charles Michel und der Europarat haben Armenien und Aserbaidschan dazu aufgefordert, die Gefechte in der Konfliktregion Berg-Karabach sofort zu beenden. Michel zeigte sich in einem Tweet tief besorgt. «Um eine weitere Eskalation zu verhindern, müssen militärische Handlungen dringend aufhören.» Der einzige Ausweg sei die unverzügliche Rückkehr zu Verhandlungen ohne Vorbedingungen.

Europarat-Generalsekretärin Marija Pejčinović Burić erklärte, beide Länder sollten Verantwortung übernehmen und Zurückhaltung üben. Die Kampfhandlungen sollten unverzüglich eingestellt werden. «Beim Beitritt zum Europarat haben sich beide Länder verpflichtet, den Konflikt mit friedlichen Mitteln zu lösen, und diese Verpflichtung ist strikt einzuhalten.» Pejčinović Burić rief beide Seiten dazu auf, alles in ihrer Macht Stehende zu tun, um Menschenleben zu schützen. «Es sollten keine Anstrengungen gescheut werden, um die Eskalation zu stoppen.»

Auch Russland hat die verfeindeten Südkaukasusrepubliken zu einem sofortigen Ende der Kampfhandlungen um die Region Berg-Karabach aufgefordert. Aussenminister Sergej Lawrow führe intensive Gespräche, um die Konfliktparteien zur Einstellung des Feuers um die Konfliktregion zu bewegen, teilte die Behörde am Sonntag in Moskau mit. Beide Länder müssten an den Verhandlungstisch zurückkehren.

Schon im Juli kam es an der Grenze zwischen den verfeindeten Republiken zu schweren Gefechten; die Kämpfe lagen jedoch Hunderte Kilometer nördlich von Berg-Karabach. Armenien setzt auf Russland als Schutzmacht, die dort Tausende Soldaten und Waffen stationiert hat.

Türkei schlägt sich auf Aserbaidschans Seite

Das russische Aussenministerium rief beide Seiten auf, das Feuer sofort einzustellen. Zudem sollten Baku und Eriwan Gespräche aufnehmen, um die Situation zu stabilisieren. Die benachbarte Türkei warf Armenien vor, internationales Recht zu verletzen. Das Aussenministerium in Ankara teilte mit, es verurteile den «armenischen Angriff» scharf. Die Türkei stehe an Aserbaidschans Seite.

Audio
Aus dem Archiv: Drohende Eskalation zwischen Armenien und Aserbaidschan
05:15 min, aus Echo der Zeit vom 18.07.2020.
abspielen. Laufzeit 05:15 Minuten.

Tagesschau, 28.09.2020, 12:45 Uhr;

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22 Kommentare

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  • Kommentar von Alex Volkart  (Lex18)
    Die Armenier wurden aus dem grössten Teil ihres eigenen Landes vertrieben oder sogar umgebracht (Völkermord an den Armeniern, den die Türkei bis heute leugnet und nie dafür gerade stehen musste). Das heutige Land Armenien entspricht einem Bruchteil des eigentlichen Armenien. Das Gebiet seit jeher mehrheitlich von christlichen Armeniern bewohnte Gebiet Bergkarabach wurde damals dem islamischen Aserbaidschan zugeschlagen, inter Protest der Bevölkerung.
  • Kommentar von Bendicht Häberli  (bendicht.haeberli)
    Unglaublich. Es brennt überall auf der Welt - und alle schauen zu: EU, Russland und - die Türkei schlägt sich auf die Seite des Armenien-Gegners (kein gutes Omen aus Sicht des Völkermordes an den Armeniern). Erdogan fehlt einfach das Feeling.
    1. Antwort von Thomas Leu  (tleu)
      @ Bendicht Häberli: Und wir schaffen fast die Luftwaffe ab, weil wir glauben, dies alles gehe uns nette Schweizer nichts an. Als ob wir auf einem anderen Planeten wohnten. Dabei nehmen Armenien und Aserbeidschan beide am Eurovision Song Contest teil. Fühlen sich also auch ein wenig europäisch.
    2. Antwort von Bendicht Häberli  (bendicht.haeberli)
      @Leu: Sie sagen es, lieber Herr Leu. Wir sind eine wunderbare direkte Demokratie und dazu sollten wir sorge tragen. Das knappe Resultat bei der Jetbeschaffung resultierte aus der Mobilisierung der Linken wegen Sozial- und Ethikthemen (Vaterschafturlaub, Kinderabzüge und Jagdgesetz). Die Bürgerlichen meinten, nach der 1. Umfrage (58% JA), sei die Suppe gegessen. Zum Glück klappte es gerade noch. Jedoch: Stände: 16 JA, nur 7 Nein (Romand+BS+BL+TI) = gibt Arbeit für Frau Amherd und Co.
  • Kommentar von Remo Häuselmann  (justanopinion)
    Warum bringt SRF nicht darüber in den Nachrichten? Es hatte ja noch einen Platz für eine Auslandnachricht. Die langweilige Nachricht über die Wahl einer Bundesrichterin seiner Wahl war zu erwarten und bot nicht wirklich etwas Neues. Armenien ist ein christlicher Staat mit einer vergleichbarer Kultur wie in Europa, um nur einen Grund für die Bedeutsamkeit zu nennen.
    Ich hoffe zumindest, dass noch darüber berichtet wird.
    1. Antwort von Reto Camenisch  (Horatio)
      Natürlich wurde berichtet!