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China plant einen monströsen Staudamm in Tibet
Aus SRF 4 News aktuell vom 23.04.2021.
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Grossprojekt in Tibet Chinas Bedürfnis nach Strom schreckt nicht nur die Nachbarn auf

Darum geht es: China plant einen gigantischen Staudamm in Tibet. «China hat sich ein grosses Urbanisierungsziel gesetzt. Es will bis ins Jahr 2030 fast eine Milliarde Bürger in städtischen Zentren ansiedeln. Und die brauchen Strom und Wasser», sagt Simona Grano, Privatdozentin am Asien-Orient-Institut der Universität Zürich. In der Nacht, wenn wenig Strom verbraucht wird, würden die Schleusen des Stausees geschlossen, um die Energie zu speichern. Am Tag würde der Wasserspeicher entleert, um Strom zu generieren.

Der Staudamm hätte Einfluss auf das Leben von Millionen von Menschen in vielen Ländern.
Legende: Der Staudamm hätte Einfluss auf das Leben von Millionen von Menschen in vielen Ländern. SRF

Der Drei-Schluchten-Staudamm am Jangtsekiang in der chinesischen Provinz Hubei hat eine Stromerzeugungskapazität von 22'000 Megawatt. Das neue Projekt könnte dreimal so viel Strom generieren.

Weltweit ergiebigste Region in Bezug auf hydroelektrische Ressourcen: Viele asiatische Flüsse entspringen im tibetischen Hochland und versorgen Millionen von Menschen in anderen Ländern wie zum Beispiel Indien und Bangladesch.

Der Brahmaputra dient in Indien als Verkehrsweg und Lebensgrundlage.
Legende: Der Brahmaputra dient in Indien als Verkehrsweg und Lebensgrundlage. Reuters

Auswirkungen auf die Ökologie: «Staudämme verändern die Selbstregulation von Flüssen», sagt Grano. Abgesehen davon, dass durch die Überflutung die Fauna und Flora zerstört wird, werden auch Treibhausgase freigesetzt. «Bäume und andere Pflanzen zersetzen sich und geben grosse Mengen an Kohlenstoff in die Atmosphäre ab.» Dies habe Auswirkungen aufs Klima.

Auswirkungen auf die tibetische Kultur: Dieses Gebiet sei noch sehr reich an tibetischer Kultur, sagt die Wissenschaftlerin. Um so ein Bauwerk zu erstellen, brauche es die entsprechende Infrastruktur. «Das hat nicht nur einen Einfluss auf die Umwelt, sondern es müssen auch Arbeiter importiert werden», so Grano. Die meisten Arbeiter für solche Projekte seien Han-Chinesen, die aus anderen Provinzen Chinas kommen. Darunter würde die tibetische Kultur leiden.

Im Brahmaputra waschen die Leute auch ihre Kleider.
Legende: Im Brahmaputra waschen die Leute auch ihre Kleider. Reuters

Befürchtungen in Indien und Bangladesch: Die unterschiedlichen Wassermengen spüren die Länder an den Flussläufen deutlich. «Indien und Bangladesch befürchten, dass dies – je nach der Entwicklung der geopolitischen Situation in China – ein Werkzeug werden könnte.» Und wenn das Wasser knapp wird, verlieren flussabwärts Millionen von Menschen, die ihren Lebensunterhalt zum Beispiel durch Fischfang verdienen, ihre Lebensgrundlage. Es gebe keine bindenden Verträge, die China hindern würden, das Wasser zu verknappen, nur eine Absichtserklärung.

SRF 4 News, 23.04.2021, 09:15 Uhr;

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47 Kommentare

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  • Kommentar von Ulrich Meier  (neutrinos)
    China ist ein vielsprachiger riesiger bunter Vielvölkerstaat. Die Aussage im Bericht, dass beim Bau Arbeiter “importiert”werden müssten, ist falsch. Importiert werden Güter nicht Menschen. Dass das kulturelle Leben vor Ort wegen dieser “importierten Arbeiter” auf Grund ihrer anderer Ethnie leiden würde finde ich hochproblematisch.
    1. Antwort von Franziska Stäheli  (Franziska Stäheli)
      Vielvölkerstaats. Sehr nett ausgedruckt. Zu nett. China verbleibt sich seit Jahrhunderten mit Gewalt die Nachbarstaaten ein und die Welt schaut untätig zu. Aus Angst, aus Gleichgültigkeit? Den betroffenen nicht Han Chinesen dürfte das herzlich egal sein. Ich muss schon sagen, bin schockiert über Mitbürger die gerne in der förderalistischen Schweiz leben und gleichzeitig ein totalitäres System schön reden.
    2. Antwort von Andreas Schori  (malanders)
      Frau Stäheli, man kann auch die westlichen Kleptokraturen oder den Gottesstaat USA schön reden.
  • Kommentar von Andreas Schori  (malanders)
    Wenn die Chinesen nicht in Tibet wären, dann wären die westlichen Rohstoffkonzerne dort, z.B. Glencore. Die sind nicht gerade bekannt für ihr Interesse lokaler Bevölkerung. Dem chinesischen Regime sind Religionen mit Machtanspruch ein Dorn im Auge, nicht die Leute an sich. Da räumen sie rigoros auf, wie beim Corona-Virus.
    1. Antwort von Andreas Schori  (malanders)
      Die USA und vorher Russland haben ja auch versucht in Afghanistan gegen religiöse Aktivisten, die Taliban, zu kämpfen. Allerdings ohne nachhaltigen Erfolg. Wenn die Chinesen die von der Türkei geförderten religiösen Strömungen bei den Uiguren gleich im Ansatz bekämpfen, dann ist dies hierzulande des Teufels.
  • Kommentar von Bruno Hochuli  (Bruno Hochuli)
    Dieser Staudamm darf nie gebaut werden und es sollten alle Nationen mit Nachdruck siech gegen dieses Proijekt zur wehr setzen. Wasser sollte für alle Menschen auf der Welt zum Bedingungslosen Gut gehören.
    1. Antwort von Andreas Schori  (malanders)
      Ja, und das Wasser sollte nicht nur von Nestlé angezapft und in Flaschen verkauft werden!
      Der Staudamm kann nur den langen Oberarm des Brahmaputra erfassen, viele Zuflüsse sind im indischen Teil, auf der Regenseite des Himalaya. Aber auch da gibt es viel Schmelzwasser von den Gletschern.