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Legende: Audio Handelsstreit zwischen Russland und Weissrussland abspielen. Laufzeit 03:51 Minuten.
Aus Echo der Zeit vom 12.04.2019.
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Handelskonflikt mit Russland Weissrussland unter Druck des grossen Nachbarn

Das kleine Weissrussland streitet mit dem grossen Nachbarn um Äpfel und Birnen – und fürchtet um seine Unabhängigkeit.

Als erstes mussten Äpfel und Birnen dran glauben. Russland hat den Import dieser Früchte aus Weissrussland per sofort verboten. Auch Erdbeeren und Champignons könnten demnächst auf eine schwarze Liste kommen, heisst es in Moskau.

Begründet wird die Massnahme damit, dass Weissrussland russische Sanktionen umgehe. Das mutmassliche Schema funktioniert demnach so: Weissrussische Firmen kaufen in Europa Früchte und Gemüse, machen einen Kleber «Made in Belarus» drauf und verschicken die Ware weiter nach Russland. Nach russischem Recht ist das illegal, denn der Kreml hat frische Lebensmittel aus der EU mit einem Bann belegt.

Nahaufnahme von Lukaschenko.
Legende: Der weissrussische Präsident Alexander Lukaschenko hat Vergeltungsmassnahmen gegen Russland angeordnet. Keystone/Archiv

Weissrussland bestreitet, ein Schlupfloch zu sein für sanktionierte Waren. Präsident Alexander Lukaschenko reagierte denn auch gereizt auf das Birnen- und Äpfel-Verbot aus Russland: «Sie tun so, als seien sie unsere Partner. Aber jeden Tag lese ich, dass Russland neue Sanktionen gegen uns einführt», sagte Lukaschenko an einer Regierungssitzung.

Der Präsident ordnete auch gleich Vergeltungsmassnahmen an: «Die Öl-Pipelines, die durch Weissrussland gehen, müssen seit längerem repariert werden. Ich bitte die russische Regierung darum, dies jetzt in Angriff zu nehmen.»

Die Pipeline «Druschba» in Weissrussland.
Legende: Durch die Pipeline «Druschba» fliesst etwa ein Viertel der russischen Öl-Exporte. Keystone

Eine Anordnung, die es in sich hat: Denn betroffen ist vor allem die Pipeline «Druschba» [Freundschaft], die russisches Erdöl durch Weissrussland nach Europa transportiert. Wenn die Weissrussen diese wie angekündigt dicht machen, trifft das die russische Wirtschaft spürbar. Durch die Pipeline fliesst etwa ein Viertel der russischen Öl-Exporte.

Ab wann und für wie lange Minsk die Rohrleitung dicht machen will, ist unklar. Der Schritt aber ist die jüngste Eskalation in einem schon länger währenden Streit. Der Kreml will Weissrussland enger an Russland binden. Ein bereits auf dem Papier bestehender Unionsstaat soll mit Leben gefüllt werden. Lukaschenko, der in Minsk autoritär regiert, widersetzt sich – und wird nun von Russland unter Druck gesetzt.

Nahaufnahme Putin.
Legende: Der Kreml um Präsident Putin bestreitet, Weissrussland annektieren zu wollen. Reuters/Archiv

Für Moskau hat der Konflikt einen rein wirtschaftlichen Charakter. Auf das Äpfel- und Birnen-Verbot angesprochen, sagte der Sprecher von Präsident Putin, es handle sich bloss um «ökonomische Missverständnisse.»

Aus Sicht Weissrusslands präsentiert sich die Sachlage allerdings anders: der bekannte Philosoph Wladimir Mazkewitsch hat in einem offenen Brief vor einer Annexion Weissrusslands durch den grossen Nachbarn gewarnt. Diese Gefahr bestehe – die weissrussische Gesellschaft müsse sich darauf vorbereiten.

Der Kreml bestreitet, derartige Absichten zu haben. Völlig aus heiterem Himmel kommen die weissrussischen Ängste aber nicht.

Nahaufnahme von Medinski.
Legende: Russlands Kulturminister Wladimir Medinski sorgt sich um die russische Sprache in Weissrussland. Reuters/Archiv

Gerade jetzt haben sich die Kulturminister der beiden Länder getroffen; und Russlands Kulturminister Wladimir Medinski hat dabei die Sorge geäussert, dass die russische Sprache in Weissrussland benachteiligt werde. «Ich bitte Sie sehr darum, ein Auge darauf zu haben», sagte Medinski zu seinem weissrussischen Kollegen.

Eine Bitte, die auch als Drohung verstanden werden kann. Denn in Minsk erinnert man sich genau daran, wie Russland die Annexion der ukrainischen Halbinsel Krim begründet hat: mit dem Schutz der dortigen Bevölkerung, die zum grossen Teil russisch spricht.

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15 Kommentare

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  • Kommentar von A. Keller  (eyko)
    Er gilt als der letzte Diktator Europas: Weißrusslands Präsident Alexander Lukaschenko. An der Macht ist Lukaschenko seit 1994. Seitdem lässt er Oppositionelle mundtot machen, politische Gegner und kritische Pressevertreter wanderten ins Gefängnis. Mehrere Politiker und Journalisten verschwanden sogar spurlos.Die EU hat Sanktionen gegen das weissrussische Regime verhängt.Sein aussenpolitischen Freunde sind Staaten wie NK, Iran, China oder Kuba. Solche Diktatoren sollten endlich abgesetzt werden
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  • Kommentar von Janusz Kaltenbacher  (anti_sozialist)
    Weißrussland wird immer als Sandwichesinhalt zwischen Russland und dem Westen liegen. Egal ob es sich mehr an Russland oder an die EU orientiert, wirklich frei und unabhängig wird es nie sein und immer zum Spielball des einen, um gegenüber dem anderen einen Vorteil zu haben, so ähnlich wie Polen und die Ukraine. Weißrussland ( Belarus) kann innerhalb von zwei Tagen von der russischen Armee erobert werden.
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    1. Antwort von Albert Planta  (Plal)
      Ich wiederhole mich: der größte Feind Weißrusslands befindet sich im Landesinneren.
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  • Kommentar von Peter Frei  (Peter Frei)
    "... Mazkewitsch hat in einem offenen Brief vor einer Annexion Weissrusslands durch den grossen Nachbarn gewarnt". Ja, so sind eben die mächtigen "Freunde" EU u.Russland,. Bei uns wird die "Annexion" der freien Schweiz durch die EU mit dem Rahmenvertrag gerade vorbereitet. Der Unterschied ist, dass sich Weissrussland wehrt. Bei uns aber die Economie-Suisse-FDP/Grünliberalen bedingungslos einer Annexion/einem Anschluss unterwerfen (nach den Wahlen werden SP, Grüne, CVP folgen - Wählertäuschung!)
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    1. Antwort von Lukas Häberli  (Yoshi)
      Ich finde es interessant wie immer die Reden die von aussen gesehen keine Ahnung von der Materie haben. 1. Die EU ist kein Land und somit kann es kein Land annektieren und 2. Verwechseln sie das Rahmenabkommen mit dem Assoziationsabkommen
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    2. Antwort von Hanspeter Brunner-La Rocca  (hpblr)
      @Peter Frei. Wissen Sie überhaupt von was Sie sprechen? Sie setzen eine militärische Annexion eines Teils eines Landes gleich mit einem Vertrag, der die Beziehungen zwischen freien Ländern regelt. Natürlich werden Sie behaupten, dass die Länder in der EU nicht frei sind. Ich kann Ihnen aber versichern, dass die Menschen in der EU, vielleicht ausgenommen von einem Teil der Länder, die sehr konservativ regiert werden, sehr frei sind. Ich lebe z.T. in einem der Länder und weiss wovon ich spreche.
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    3. Antwort von Janusz Kaltenbacher  (anti_sozialist)
      Was Sie nicht sagen Herr Brunner, wenn in den meisten EU-Ländern die Leute nicht einmal über ihre Währung abstimmen können ( Euro) und ohne zu fragen Millionen von Migranten aus dem Nahen Osten angesiedelt werden, dann sprechen Sie von freien Menschen in diesen Ländern?
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    4. Antwort von Hans Peter Auer  (Ural620)
      Leider ist es oft so, wie hier ein Kommentator erwaehnt, dass sehr oft Kommentare aus emotionalen Gefuehlen und Meinungen geschrieben werden, ohne jemals ein wirklichen Augenschein vor Ort vorgenommen zu haben. Wen Meinungsbildung aus den Medien jenen der Vorort anwesenden (Journalisten, im Land wohnhafte Kommentatoren usw. ), dann stellt sich die Frage, ob Diffamierung von Tatsachen Vorort mehr Glaubwuerdigkeit zugemessen werden koennen, als Meinungsbildung aus dem Netz.
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    5. Antwort von Thomas F. Koch  (dopp.ex)
      Nach Ihrer Logik, Herr Kaltenbacher, sind wir in der Schweiz in unterdrücktes Volk. Weder konnten wir in den letzten 170 Jahren über unsere Währung abstimmen, noch direkt über die Anzahl aufgenommener Flüchtlinge entscheiden.
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