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Handelsstreit USA-China Unser Freund Xi Jinping

Ein Drittel der Ernte liefern die US-Sojabohnenfarmer nach China. Viele von ihnen haben Donald Trump gewählt. Jetzt aber sehen sie sich durch dessen Handelsstreit mit China bedroht.

Sojabohnen-Farmer Rick Kimberley und Xi Jinping im Traktor.
Legende: Reuters/Archiv

Das ist der Sojabohnen-Farmer Rick Kimberley. Neben ihm, am Steuer des Traktors, sitzt einer der mächtigsten Männer der Welt: Xi Jinping. 2012 besuchte er die Kimberley-Farm, um mehr über moderne Ackerbau-Technologie zu lernen.

Rick Kimberley's Hand. Sie liegt auf einem Bogen mit Fotografien.
Legende: SRF

«Xi war sehr nett, sehr freundlich», erinnert sich Rick. «Wir sprachen im Wohnzimmer über die Landwirtschaft, über unsere Familien.» Seither läuft es rund auf der Farm in Maxwell, Iowa. «Wir haben sicher tausende von chinesischen Touristen willkommen geheissen, die mit eigenen Augen das Bauernhaus sehen wollten, das Xi besuchte. Wir sind zum landwirtschaftlichen Disneyland von China geworden», schmunzelt der Sohn des Hauses.

Grant Kimberley bewirtschaftet die Farm in der sechsten Generation. Hinter ihm steht Vater Rick.
Legende: SRF

Grant Kimberley bewirtschaftet die Farm in der sechsten Generation. Der Freihandel in Nordamerika und die grosse Nachfrage nach Sojabohnen in China haben den Kimberleys Wohlstand gebracht.

Das könnte sich nun ändern. Falls der Zollstreit zwischen den USA und China eskaliert. Die Chinesen haben gedroht, auf Sojabohnen einen Zoll von 25 Prozent zu erheben, falls die USA den ersten Schritt tun und ihre angedrohten Zölle auf chinesischen Waren umsetzen. Höhere Exportpreise würden die Wettbewerbsfähigkeit der Kimberleys beeinträchtigen.

Geschäftshaus der Iowa Soybean Association.
Legende: SRF

Die Handelsbeziehungen zwischen den Sojabauern in Iowa und Peking haben eine lange Geschichte. Vor 35 Jahren eröffnete die Iowa Soybean Association ihr erstes Büro in der chinesischen Hauptstadt. Seither werden die Beziehungen intensiv gepflegt. «Es sind unsere Freunde», sagt Grant Kimberley. Er ist der Chef-Vermarkter des mächtigen Branchenverbands. Er hat Standorte in vielen Hauptstädten dieser Welt.

Chinesische Geschenke im Hauptsitz in Avery, Iowa, zeugen von der Freundschaft.

Chinesische Geschenke im Hauptsitz in Avery, Iowa.
Legende: SRF

Grant Kimberley ist soeben von einer Delegations-Reise nach China zurückgekommen. Er lobbyiert in Peking, nicht in Washington, für eine Beilegung des Zollstreits.

Grant Kimberley.
Legende: SRF

Lebensmittel sollten nicht in einen Handelsdisput hineingezogen werden, argumentiert Kimberley. Das würde den chinesischen Konsumenten schaden. «Gute Beziehungen sind wichtig, gerade im Streitfall.» Von Donald Trump würde er sich mehr Fingerspitzengefühl und Respekt erhoffen. Er hat ihn 2016 zum Präsidenten gewählt, mangels Alternativen, wie er meint.

Wasserturm und Ortstafel an einer Strasse.
Legende: SRF

Szenenwechsel: Eine halbe Stunde Autofahrt östlich, in Collins, liegt anderntags schon weniger Schnee. Hier schaltet und waltet Dave Struthers auf seiner Schweinefarm.

Dave Struthers auf seiner Schweinefarm.
Legende: SRF

Struthers Betrieb arbeitet «Farrow-to-Finish». Von der Befruchtung der Muttersäue über die Mästung von Ferkeln bis zum Schlachthof. Rund 5000 Schweine pro Jahr bringt er auf den Markt.

Gesicht eines von Struthers Schweinen.
Legende: SRF

Der Preis für US-Schweinefleisch ist um 40 Prozent eingebrochen, seit dem Beginn des Zollstreits der USA mit China. Die Exporte nach China sind besonders wichtig, weil sich sogenannte «Variety Meats» verkaufen lassen, Organe, Ohren und Schwänze.

Trump stellt Maximalforderungen, um dann in die Mitte zu rücken.
Autor: Dave StruthersSchweinefarmer

Ein Markt ist noch wichtiger als China: Mexiko. Aber auch da sind die Beziehungen strapaziert. In erster Linie wegen der schwierigen Neuverhandlungen des Nordamerikanischen Handelsbündnisses Nafta

«Crazy», nennt es der Landwirtschaftsökonom Dermot Hayes von der Iowa State University. Der Schweinefleischmarkt sei völlig integriert, ein Scheitern der Nafta würde den Markt stark erschüttern. Diese Aussicht beunruhigt auch den Schweinefarmer Dave Struthers.

Dave Struthers auf seiner Schweinefarm in einer Halle.
Legende: SRF

Aber der Trump-Wähler glaubt an den Geschäftssinn des Präsidenten: «Er stellt Maximalforderungen, um dann in die Mitte zu rücken. Ich verstehe, dass die USA bei multilateralen Verträgen viel zu verlieren haben. Aber dann müssen wir jetzt endlich mit den bilateralen Verträgen vorwärts machen.» Ihm gefällt, dass unter Trump Umweltregulierungen zurück buchstabiert wurden. Auch die Tierhaltung ist weder reguliert noch beaufsichtigt in Iowa.

Kopie der US-Farm in Peking

Donald Trumps Stammwähler halten zu ihm. Auch die Bauern aus dem Mittleren Westen, die seine Handelspolitik nun zu spüren bekommen. Auf ihrer Reise durch den Agrarstaat Iowa ist SRF-Korrespondentin Isabelle Jacobi noch auf andere überraschende Fakten gestossen.

SRF News: Isabelle Jacobi, machen sich die Bauern Sorgen um die Handelspolitik von Donald Trump?

Isabelle Jacobi: Sie sorgen sich auf alle Fälle. Erstaunlicherweise sind die Bauern aber nicht persönlich wütend auf Präsident Trump. Sie sagen: «Er hat in gewissen Punkten Recht, was die Handelspolitik der Chinesen betrifft – sie ist unfair». Aber Trump müsse eben auch verstehen, dass die Zölle Schaden anrichteten und dass für den US-Landwirtschaftsexport viel auf dem Spiel stehe.

Sie haben also keine Bauern getroffen, die Trumps Vorgehen als Fehler bezeichnen und sich im Stich gelassen fühlen?

Ich habe keinen Bauern getroffen, der so etwas gesagt hat. Sie kritisieren aber die Art und Weise des Vorgehens. Sie wünschen sich etwas mehr Fingerspitzengefühl im Umgang mit Handelspartnern. Auf der anderen Seite äussern sie aber auch Verständnis für das Verhalten gegenüber China.

Die Bauern beissen auf die Zähne und lobbyieren im Weissen Haus, damit ihre Klagen gehört werden.

Und sind die Bauern auf der anderen Seite sauer auf China?

Nein, das sind sie nicht. Sie betrachten China als einen Handelspartner. Es war für mich interessant zu sehen, wie eng die Beziehungen zu China sind, vor allem die der Sojabauern. Die sind seit 35 Jahren in China präsent und sie pflegen die Handelsbeziehungen intensiv. Die Farm, auf welcher Xi Jinping zu Besuch war, wird derzeit in Peking nachgebaut. Das ist ein starkes Zeichen für die Symbiose zwischen Iowa und Peking.

Die Bauern sind also gelassen angesichts des Preiszerfalls. Aber wie gehen sie damit um?

Sie beissen auf die Zähne und lobbyieren im Weissen Haus, damit ihre Klagen gehört werden. Und sie werden auch gehört. Dass Trump erwogen hat, dem Transpazifischen Handelsbündnis wieder beizutreten, ist kein Zufall, sondern ein Resultat dieses Lobbyings. Und Trump denkt nun auch über Direktzahlungen nach, um die Bauern für ihren Verlust zu entschädigen, den sie durch die Handelsdispute erleiden. Das hängt allerdings noch sehr in der Luft.

Die Bauern sind durch das nordamerikanische Handelsbündnis reich und fett geworden.

Die Landwirtschaft ist besonders betroffen von diesen Zöllen. Wie trifft das den Agrarstaat Iowa?

Man muss sehen, dass es den Grossbauern in Iowa sehr gut geht. Sie sind vor allem durch das nordamerikanische Handelsbündnis reich und fett geworden. Sie haben zwar viel zu verlieren, aber sie haben eben auch Polster.

Die Bauern sagen: Einen kurzfristigen Handelskrieg können wir stemmen, kritisch wird es, wenn es Jahre andauern würde. Nehmen wir die Soja-Bohnen: Würden die Zölle auf Sojabohnen umgesetzt, dann würde zum Beispiel Brasilien vermehrt in die Lücke springen und nach China liefern.

Aber Brasilien kann nicht kurzfristig die Produktion steigern. Die US-Bauern würden dann an Orte exportieren, an die die Brasilianer nicht mehr exportieren können. Das zeigt: Landwirtschaft ist eben ein langwieriges Geschäft, das geht nicht so einfach von heute auf morgen.

Was macht denn den Bauern generell mehr Sorgen: China oder die Nafta?

Definitiv die Nafta. Mexiko importiert zum Beispiel noch mehr US-Schweinefleisch als China, vor allem zur Weiterverarbeitung. Die Fleischindustrie ist ebenso integriert wie die Autoindustrie. Kanada züchtet die Mutterschweine, die USA mästet die Ferkel, und Mexiko beint die geschlachteten Tiere aus. Das Fleisch landet dann auf dem Weltmarkt oder wieder in den USA.

Das heisst, ein Scheitern der Nafta-Gespräche wäre extrem disruptiv für die Märkte. Darüber hinaus ist man in Mexiko auch enorm wütend über die USA. So sehr, dass es in den Juni-Wahlen in Mexiko zu einem protektionistischen Umschwung kommen könnte. Und das würde die Nafta zusätzlich gefährden.

Das Gespräch führte Christoph Kellenberger.

Isabelle Jacobi

Isabelle Jacobi

USA-Korrespondentin, SRF

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Nach dem Studium in den USA und in Bern arbeitete Jacobi von 1999 bis 2005 bei Radio SRF. Danach war sie in New York als freie Journalistin tätig. 2008 kehrte sie zu SRF zurück, als Produzentin beim Echo der Zeit, und wurde 2012 Redaktionsleiterin. Seit Sommer 2017 ist Jacobi USA-Korrespondentin in Washington.

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