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Legende: Audio China umgeht US-Zölle mithilfe Vietnams abspielen. Laufzeit 05:01 Minuten.
05:01 min, aus Echo der Zeit vom 11.06.2019.
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Handelsstreit USA-China «Vietnam prescht aus Angst vor US-Strafen vor»

Die USA und China überziehen sich gegenseitig mit Zöllen. Ein lachender dritter im Handelskonflikt ist Vietnam. Allein im ersten Quartal 2019 stiegen die Exporte in die USA um 40 Prozent. Doch nun räumt die Regierung in Hanoi ein, dass nicht alles mit rechten Dingen läuft. Der Etikettenschwindel zugunsten Chinas werde damit erstmals offiziell bestätigt, sagt der Journalist Mathias Peer.

Mathias Peer

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Mathias Peer (34) befasst sich als freier Journalist mit Vietnam und ist Mitglied des Netzwerks «Weltreporter».

SRF News: Wie funktioniert dieser Etikettenschwindel?

Matthias Peer: Das läuft offenbar ziemlich dreist: Waren aus China werden nur kurz über die Grenze nach Vietnam gebracht, neu deklariert und dann geht es schon weiter in die USA als vermeintlich vietnamesisches Produkt. Die vietnamesischen Behörden nennen mehrere konkrete Beispiele. Darunter Bauholz aus China, das in einer vietnamesischen Fabrik die Aufschrift «Made in Vietnam» bekam. Oder ein paar hundert chinesische Lautsprecher, die in Vietnam neu verpackt wurden. Jetzt sagt die Regierung, das Ansehen der vietnamesischen Wirtschaft sei dadurch in Gefahr.

Wie systematisch wird betrogen?

Gesicherte Zahlen gibt es nicht, weil den Behörden nicht alle Tricksereien auffallen. Wegen ein paar schwarzen Schafen würde die Regierung das für sie unangenehme Thema wohl kaum auf die Agenda setzen. Die jetzt vorgelegte Liste der Produktkategorien mit den am häufigsten gefälschten Herkunftsangaben ist lang. Sie reicht von Textilien über Meeresfrüchte bis hin zu Agrarprodukten und Aluminium. Einen Hinweis, das Produkte nur einen längeren Umweg nehmen, gibt auch die Handelsstatistik: Die Exporte von Vietnam in die USA stiegen zum Jahresbeginn sehr stark an, ähnlich stark wie die Importe Vietnams aus China.

Warum hat Hanoi den Etikettenschwindel gerade jetzt erstmals offiziell bestätigt?

Vietnams Regierung befürchtet, Ziel von noch viel mehr und viel grösseren US-Strafen zu werden. Vietnam hat da bereits Erfahrung. Beim letzten Mal ging es um Anti-Dumping-Zölle auf chinesischem Stahl, die bereits 2015 verhängt wurden. Weil der Stahl über Vietnam nach Amerika geschickt wurde, erhoben die USA Zölle auf vietnamesischem Stahl. Dass das jetzt nochmals mit einer viel grösseren Produktepalette passiert, wollen die Vietnamesen um jeden Preis vermeiden.

Wie wollen die Vietnamesen vorgehen?

Das sind die Behörden noch nicht besonders konkret geworden. Der stellvertretende Regierungschef kündigte härtere Strafen an, um Nachahmer abzuschrecken. Ob das lückenlos funktioniert, darf bezweifelt werden. Denn es ist sehr schwierig, alle Warenströme zu kontrollieren.

Vietnam profitiert nicht nur mit den Umgehungsgeschäften vom Handelsstreit. In welchen Bereichen sonst noch.

Vietnam hat sich tatsächlich als Ausweichmöglichkeit Nummer eins im Handelskrieg etabliert. Es geht neben gefälschte Etiketten aber auch um handfeste Fabriken. Viele Unternehmen, die bisher in China produziert haben, etwa Zulieferer von Apple oder amerikanische Schuhhersteller, verlagern ihre Fertigung nach Vietnam, im Glauben, von den Zöllen sicher zu sein. Es entstehen Arbeitsplätze. Vietnams Bevölkerung gilt als gut ausgebildet, und die Löhne sind relativ gering. Ein kompletter Ersatz für China kann Vietnam natürlich nicht werden. Schon allein wegen der Grösse nicht, stehen doch 100 Millionen Vietnamesen gegen über eine Milliarde Chinesen.

Das Gespräch führte Simone Hulliger.

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10 Kommentare

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  • Kommentar von Werner Portmann  (Jackson)
    @simonweber. Apropos erhöhte Steuer gegen Google, Facebook & Co. Genau das hat die EU schon mehrmals getan, statt Steuer heisst es dann halt Busse, passiert auch bei den Banken Bussen. Es werden weitere Bussen folgen für Versicherungsgesellschaften, Rating Agenturen, chinesische Kapitalgellschaften, monopolistische Grosskonzerne mit "unanständigen" Gewinnen. Der Staat mit den verschiedensten steigenden Bedürfnissen benötigt Kapital, von der Mittelklasse nicht mehr beschaffbar.
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    1. Antwort von Simon Weber  (Weberson)
      @Jackson: Bei facebook, google etc. entstanden die Bussen doch eher wegen Datenskandale als wegen unlauterem Wettbewerb. Das sind für mich absolut berechtigte Bussen welche aber meistens lächerlich kleine Summen waren. Der Staat könnte ganz einfach mit Steuererhöhungen (vorallem für Grosskonzerne und Superreiche) ihre Einnahmequelle vergrössern. Aber dann gibt es eben Orte, wo dieses Kapital kaum besteuert wird und dort gehen diese dann hin. Z.B. Warum ging Apple von China in die USA zurück?
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    2. Antwort von Hans-Ulrich Rechsteiner  (Rechi)
      @S.Weber, Die Firma Apple ist vielleicht in die USA zurückgekehrt, aber die Produktionsstätten sind es nicht. Unter anderen ist die taiwanesische Foxconn der Produktionsbetrieb von Apple und hat grosse Werke in China und VN.
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  • Kommentar von Jean-Philippe Ducrey  (Jean-Philippe Ducrey)
    Das mit den gefälschten Etiketten mag zwar ein journalistischer Aufhänger sein, Fakt ist viel mehr: Die Produktion in China wird langsam aber sicher zu teuer, Vietnam ist günstiger, wie die Philippinen oder Burma auch. Man erkennt solche Verlagerungen übrigens am besten in der Modeindustrie. Der Etikettenschwindel selbst bringt Vietnam massiv mehr Nach- als Vorteile (Jobs, Technologietransfer etc.) weshalb hier die vietnamesische Regierung auch zurecht dagegen vorgeht.
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  • Kommentar von Werner Portmann  (Jackson)
    Warenzölle sind ein Importschutz gegen Dumpingpreisprodukte und dienen der Ankurbelung der heimischen Produktionen. Zu hoffen ist, dass die USA technisch und qualitativ in der Lage sind, diese Produkte eigenzuproduzieren, was Know-how bedingt. Für internationale Fachkräfte wird die USA interessant, für unqualifizierte Imigranten südlich der USA wird's schwieriger. Die USA (Trump) versucht im grossen, was die CH im kleinen versucht.
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    1. Antwort von Simon Weber  (Weberson)
      @Jackson: Es gibt Dinge, da kann man noch so viel Know-How haben, welche man einfach nicht selber produzieren kann, da einem schlichtweg die Rohstoffe fehlen. Auch konnte die USA bisher zu Dumping-Preisen wie Sie es nennen, exportieren. Diverse Techfirmen werden nur ungenügend besteuert. Nebst den US Staaten die als Steueroasen gelten. Sollen wir deshalb nun eine erhöhte Steuern auf Google, Facebook, Amazon oder auch Apple-Produkte legen?
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