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Hardliner im Aufwind Wenn Hetz-Politik salonfähig wird

Ausgrenzung, Diffamierung, Verunglimpfungen: Immer mehr Politiker packen den verbalen Zweihänder aus. Das hat Folgen.

Ob in Brasilien, den USA, Italien oder Deutschland – der Umgangston der Politiker ist ruppiger geworden. Verunglimpfungen sind keine verbalen Ausrutscher mehr, sie gehören ins Standard-Repertoire. Noch vor wenigen Jahren wäre die gezielte Diskriminierung bestimmter Bevölkerungsgruppen undenkbar gewesen. Heute ist sie an der Tagesordnung.

Political Correctness war früher

«Schutz für Menschenrechte: Das heisst in Brasilien Schutz für Kriminelle, Vergewaltiger, Herumtreiber, Entführer und sogar Korrupte.» Mit solchen Aussagen tourte Präsidentschaftskandidat Jair Bolsonaro durch das Land. Mit Erfolg, wie man mittlerweile weiss.

Legende: Video Schon vor 15 Jahren verunglimpfte Bolsonaro eine Parlamentarierin abspielen. Laufzeit 00:14 Minuten.
Aus News-Clip vom 29.10.2018.

Für Sprachwissenschaftler Martin Luginbühl sind Bolsonaros Aussagen im Wahlkampf ein trauriger Tiefpunkt in der politischen Rhetorik. Political Correctness, das war früher. «Was in der Vergangenheit unvorstellbar war, ist heute im öffentlichen politischen Sprachgebrauch sagbar.» Luginbühl ortet hier ein grosses Problem mit weitreichenden Konsequenzen für Politik und Gesellschaft.

Politisch motivierte Gewalttaten nehmen zu. In der vergangenen Woche sorgte eine Serie von Paketbomben in den USA für Aufsehen. Am Samstag tötete ein 46-jähriger Mann bei einem Angriff auf eine Synagoge in Pittsburgh elf Menschen. Die mutmasslichen Täter sollen aus dem rechtskonservativen Lager stammen.

Hetze kann zu Hassverbrechen führen

Zwischen der verschärften Rhetorik in der Politik und den Gewalttaten gibt es einen Zusammenhang, sagt Christina Finch von der OSZE. Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa führt eine umfassende Datensammlung zu Hassverbrechen. «Wenn wir Regierungen beraten bei der Bekämpfung von Hassverbrechen, zeigt sich, dass Hetze und verbale Ausgrenzung Faktoren sind, die zu Hassverbrechen führen können.»

Wenn ich sage: ‹Denken Sie nicht an einen Elefanten›, denken Sie trotzdem an einen Elefanten.
Autor: Martin LuginbühlSprachwissenschaftler

Gegen die harsche Rhetorik von Politikern vorzugehen, ist aber schwierig. Denn: Wer kritisieren will, muss zitieren. Und wer eine Aussage zitiert, der zitiert immer auch die Weltsicht dahinter.

«Selbst wenn man eine bestimmte Deutung negiert, denkt man daran», sagt Sprachwissenschaftler Luginbühl. Er illustriert diese Erkenntnis mit einem bekannten Beispiel: «Wenn ich sage: ‹Denken Sie nicht an einen Elefanten›, denken Sie trotzdem an einen Elefanten.» Genau das machen sich die Politiker zu Nutze.

Legende: Video Wenn Wut immer populärer wird abspielen. Laufzeit 03:51 Minuten.
Aus 10vor10 vom 29.10.2018.

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64 Kommentare

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  • Kommentar von Markus Guggisberg (gugmar)
    Es ist offenkundig, dass etwas aus dem Lot geraten ist. Was ist es ? Ressentiments durch Medien zu schüren um Völkern Ihre Heimat zu stehlen ? Besitz und Heimat der Indigenen zu leugnen um Migration zu ermöglichen ? Ist das gerecht ? Die Doktrin alle Menschen sind eine Familie (Friedensaktivisten) scheint ein Problem zu haben: Der Verlust der Heimat ! Mit dieser Werthaltung wird der Imperialismus (Krieg) und Kolonialismus (Ausbeutung) gefördert weil der natürliche Schutz der Nation entfällt !
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  • Kommentar von Samuel Müller (Samuel Müller)
    „Political correcness“ heisst, es allen recht machen und damit Erfolg haben. Opportuner und unehrlicher geht es nicht mehr. Jetzt mokiert man sich, wenn die Menschen auf einmal Leute wählen, die auch mal sagen was sie denken. Und zudem ihre Wahlversprechen halten! Und dann wird man sich noch mehr wundern, wenn sie wieder gewählt werden!
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    1. Antwort von Steff Stemmer (Steff)
      Das ist ja das Erschreckende, dass es Leute gibt die meinen es sei gut, wenn Politiker Aussagen machen wie: Ich kann jeden auf der Strasse erschiessen... Sie sind es nicht wert, von mir vergewaltigt zu werden... Ich kann jeder Frau an den Ars... greifen... Sie sollten sich alle Schämen (weil man nicht gleicher Meinung ist)... Das ist also gut? Wo führt das hin? Wie ist wohl die allgemeine Wertschätzung solcher Personen gegenüber den Menschen?
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  • Kommentar von Thomas F. Koch (dopp.ex)
    Auffällig ist, dass jene Damen und vor allem Herren, die am lautesten Andere angreifen und verunglimpfen, selber die grössten Sensibelchen sind, wenn es gegen sie selbst geht. Dabei spielt es keine Rolle wo ihr Platz im politischen Spektrum ist.
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