Zum Inhalt springen
Inhalt

International Herz gegen Kopf – hitzige Diskussionen an Brexit-TV-Debatte

In der letzten grossen TV-Debatte vor dem EU-Referendum hat Londons Bürgermeister Sadiq Khan den Brexit-Befürwortern eine Hasskampagne vorgeworfen. SRF-Korrespondent Urs Gredig meint: Zu guter Letzt stand es wohl unentschieden.

Legende: Video Schlagabtausch an Brexit-Debatte abspielen. Laufzeit 00:47 Minuten.
Aus 10vor10 vom 21.06.2016.

Vor Tausenden Zuschauern in der Londoner Wembley Arena lieferte sich der Londoner Bürgermeister und EU-Befürworter Sadiq Khan gemeinsam mit anderen prominenten Brexit-Gegnern eine heftige verbale Auseinandersetzung mit seinem Amtsvorgänger Boris Johnson und weiteren Austrittsbefürwortern. Die Debatte über das Für und Wider eines Brexit wurde live im BBC-Fernsehen übertragen.

Legende: Video Einschätzungen von Urs Gredig abspielen. Laufzeit 03:56 Minuten.
Aus 10vor10 vom 21.06.2016.

Gehört hat man wenig Neues, wie SRF-Korrespondent Urs Gredig meint. Das sei aber zwei Tage vor der Abstimmung auch nicht anders zu erwarten gewesen.

Ich würde aber sagen, dass es heute unentschieden ausgegangen ist. Das spricht für die Brexit-Befürworter.
Autor: Urs GredigSRF-Korrespondent

«Was wir hörten und sahen, waren sehr engagierte Podiumsteilnehmer und sehr angriffige Voten», so Gredig. Vor allem Boris Johnson auf der Brexit-Seite zeigte sich angriffig, er war aber auch Ziel vieler Angriffe.

Bei der Debatte habe sich herausgeschält, dass die Brexit-Befürworter das Argument des Kopfes verwendeten, die Gegner das Argument des Herzens.

Es sei sehr viel mit Fakten gegen Emotionen debattiert worden, so Gredig. «Ich würde aber sagen, dass es heute unentschieden ausgegangen ist. Das spricht für die Brexit-Befürworter.»

Auswirkungen auf die Wirtschaft

Sadiq Khan machte sich zu Beginn der Debatte im Wembley-Stadion erneut für einen Verbleib in der EU stark. «Sie und Ihre Familie werden in der EU sicherer sein», sagte er in Richtung Zuschauer.

Im Falle eines Ausscheidens Grossbritanniens aus der EU sei die Angst vor möglichen negativen Auswirkungen auf die Wirtschaft durchaus angebracht.

Dem widersprach Boris Johnson. Er sieht für sein Land grosse wirtschaftliche Vorteile, wenn es die EU verlässt. Viele Unternehmen würden «leidenschaftlich raus aus der EU» wollen. Ebenso würden mit einem Austritt der Wohlstand zunehmen und mehr Arbeitsplätze geschaffen, meint Johnson.

Die EU sei eine «Job-Zerstörungsmaschine». Khan lässt das nicht gelten. 500'000 Jobs allein in London hingen an der EU, ruft er in Erinnerung.

Wie weiter mit der Zuwanderung?

Beim Streitpunkt Zuwanderung gingen die Meinungen der beiden Politiker erneut auseinander. «Was das Thema Zuwanderung angeht, war Ihr Wahlkampf nicht das `Projekt Angst`, sondern das ´Projekt Hass`», sagte Khan unter grossem Beifall.

Johnson betonte, er sei ein Befürworter von Immigration. Die Einwanderung müsse aber unter Kontrolle gebracht werden, daher müsse die Arbeitnehmerfreizügigkeit für EU-Bürger in Grossbritannien beendet werden.

«Bevölkerung nur erschrecken»

Khan gestand zwar ein, dass die Immigration zwar kontrolliert werden müsse, doch ein Austritt aus der EU sei nicht die richtige Lösung. Johnson wolle die Menschen nur erschrecken, sagte Kahn zu seinem Vorgänger als Bürgermeister von London.

Der Londoner Bürgermeister argumentierte, dass die Wirtschaft bei einem Brexit beschädigt würde und es so schwieriger werde, die Einwanderungszahlen zu kontrollieren.

Er sei stolz, mit der EU zusammenzuarbeiten, so Khan weiter. In Fragen zur Klimaveränderung, Terrorismus und vielen anderen Aspekten. So habe man dank der Zusammenarbeit bereits mutmassliche Terroristen geschnappt.

Am Donnerstag wird abgestimmt

Rund 6000 Zuschauer verfolgten den Anlass im Stadion, Gegner und Befürworter zu gleichen Teilen. Die Debatte wurde auf BBC live übertragen und dauerte bis 23 Uhr.

Der Tag, der über die Zukunft der Briten in der Europäischen Union entscheiden wird, rückt näher. Am Donnerstag dürfen die Stimmberechtigten ihr Urteil fällen. Das Ergebnis wird Freitagfrüh erwartet.

Tag der Entscheidung

Tag der Entscheidung

Am 23. Juni stimmen die Briten über einen Austritt aus der EU ab. Die Wahllokale sind von 08.00 bis 23.00 Uhr MESZ geöffnet. Rund 45 Millionen Wähler sind aufgefordert, ihre Stimme abzugeben. Nach Schliessung der Wahllokale wird es weder Prognosen noch Hochrechnungen geben. Die Ergebnisse aus den Wahlbezirken werden nach und nach bekannt werden.

Umfragen lassen alles offen

Neuste Umfragen vor dem Referendum ergeben kein klares Bild. Eine Studie des ORB-Instituts ergab 53 Prozent für das Pro-EU-Lager und 46 Prozent für die Brexit-Befürworter. Hingegen sah das Institut YouGov das Brexit-Lager mit 44 Prozent gegen 42 Prozent knapp vorne.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

9 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Otto Murbach (OttoMurbach)
    Wenn jemand sagt er wisse NICHT was uns erwartet und wie die Zukunft aussehen wird weiss ich, dass er es wirklich nicht weiss. Wenn jemand aber die Zukunft zu wissen vorgibt und so Ängste schürt weiss ich, dass auch er es nicht weiss. Nur Gott kennt die Zukunft und da weiss ich, dass schlussendlich nur das einzig Richtige geschehen wird. Es gilt immer noch der Spruch und die Wahrheit,"Der Mensch denkt und Gott lenkt". Und wer dies nicht anerkennt, verleugnet Alles.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Otto Murbach (OttoMurbach)
    Wenn jemand sagt er wisse was NICHT uns erwartet und wie die Zukunft aussehen wird weiss ich, dass er es wirklich nicht weiss. Wenn jemand aber die Zukunft zu wissen vorgibt und so Ängste schürt weiss ich, dass auch er es nicht weiss. Nur Gott kennt die Zukunft und da weiss ich, dass schlussendlich nur das einzig Richtige geschehen wird. Es gilt immer noch der Spruch und die Wahrheit,"Der Mensch denkt und Gott lenkt". Und wer dies nicht anerkennt, verleugnet Alles.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Denise Casagrande (begulide)
    Wie weiter mit der Zuwanderung? Indem die reichen Länder, welche die Armen dieser Welt seit Jahrzehnten skrupellos ausbeuten (natürliche Ressourcen), für ihr Handeln gerade stehen (Schweiz ganz vorne auf der Liste) und sich nun um die, von ihnen Ausgebeuteten kümmern!! Man kann nicht nur habgierigen Profit auf Kosten anderer machen! Jetzt kommt die Quittung für dieses verantwortungslose "Geschäfte machen"!!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Rene Schmid (Glaubtnichtalles)
      Und weil nun ein paar Mächtige Raubbau an der Welt betreiben, müssen wir das Volk nun dafür gerade stehen und unbegrenzte Zuwanderung erdulden. Wie wärs wenn die Sozis auch mal Sozial zu dem arbeitenden Volk ist, also auch zum Mittelstand und nicht genauso einen Raubbau betreiben?
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von Kim Hansson (Freddy Tobler)
      @rs: selbstverständlich wäre es wünschenswert müssten die Mächtigen die Verantwortung tragen. Aber leider läuft es wie bei den Banken, Gewinne privatisieren, Verluste sozialisieren...so lange das Volk es mit sich machen lässt... ihre Aussage bezüglich der links-rechts Thematik greift zu kurz, denn alle Parteien sind Einheitsparteien, huldigen dem Kapitalismus welcher uns zwangsläufig in eine Richtung drängt.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    3. Antwort von Kim Hansson (Freddy Tobler)
      @rs: selbstverständlich wäre es wünschenswert müssten die Mächtigen die Verantwortung tragen. Aber leider läuft es wie bei den Banken, Gewinne privatisieren, Verluste sozialisieren...so lange das Volk es mit sich machen lässt... ihre Aussage bezüglich der links-rechts Thematik greift zu kurz, Alle Parteien sind Einheitsparteien, huldigen dem Kapitalismus welcher uns zwangsläufig in eine Richtung drängt.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen