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Legende: Video Frauen rebellieren gegen Higheels-Pflicht abspielen. Laufzeit 00:57 Minuten.
Aus SRF News vom 07.06.2019.
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High-Heels in Japan «Frauen dienen der Verschönerung der Arbeitswelt»

Die 32-jährige Japanerin Yumi Ishikawa musste in ihrem Teilzeitjob bei einem Bestattungsunternehmen gegen ihren Willen hochhackige Schuhe anziehen. Sie reichte eine Petition beim Gesundheits- und Arbeitsministerium ein. Unternehmen soll es verboten werden, ihre weiblichen Angestellten zum Tragen von Schuhen mit hohen Absätzen zu zwingen.

Der zuständige Minister verteidigte die Stöckelschuhe am Arbeitsplatz. In manchen Jobs seien sie notwendig und angemessen. Die Debatte in Japan zeige, dass sich dort die Normen veränderten – und sie sei notwendig, meint Japan-Kenner Martin Fritz.

Martin Fritz

Martin Fritz

Freier Journalist

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Der Journalist Martin Fritz arbeitete als Radio-Korrespondent für die ARD in Tokio. Als freier Journalist berichtet er auch über Nord- und Südkorea. Vorher war er fünf Jahre lang Südasien-Korrespondent in Neu-Delhi.

SRF News: Sind hochhackige Schuhe in Japan ein Muss?

Vor allem dort, wo beim Kontakt mit dem Kunden auf die äussere Form geachtet wird, in Hotels oder Flugzeugen. In vielen japanischen Unternehmen tragen die Mitarbeiter eine Uniform, die vom Unternehmen gestellt wird, einschliesslich der Schuhe.

Frauen gelten als ‹Die Blumen der Büros›

Generell herrscht ein Klima vor, in welchem von erwerbstätigen Frauen verlangt wird, sich hübsch zu machen. Jede Japanerin, die das Haus verlässt, trägt Make-up, zieht auf der Arbeit förmliche Kleidung an. Pumps gehören meistens dazu.

Nahaufnahme von Schuhen auf Japans Strassen.
Legende: In vielen japanischen Unternehmen tragen die Mitarbeiter eine Uniform, die vom Unternehmen gestellt wird, einschliesslich der Schuhe. Reuters

Warum wird diese Kleidervorschrift als diskriminierend wahrgenommen?

Weil Unterschiede zwischen Männern und Frauen gemacht werden. Seit 2005 dürfen die Männer beispielsweise im Sommer von Mai bis September auf Krawatte und Jackett verzichten. Grund ist, dass damit die Klimaanlagen in den Büros nicht so stark laufen müssen und Strom gespart werden kann. An Frauen hat bei dieser Kampagne jedoch keiner gedacht. Das liegt meiner Meinung nach an einem verbreiteten Denken, dass die Frauen «die Blumen der Büros» sind, also vor allem der Verschönerung der Arbeitswelt dienen, während die Männer arbeiten.

Nahaufnahme von Schuhen auf Japans Strassen.
Legende: «Jede Japanerin, die das Haus verlässt, trägt Make up, zieht auf der Arbeit förmliche Kleidungan . Pumps gehören meistens dazu», so Martin Fritz. Reuters

Was gab den Ausschlag für die jetzige Kampagne?

Der Hashtag dieser Kampagne auf Twitter ist sehr kreativ und originell. Er heisst #KuToo und ist eine Anspielung auf die #MeToo-Bewegung.

Im Prinzip haben sich die Machtverhältnisse am Arbeitsmarkt umgekehrt.

Auf Japanisch ausgesprochen führt #KuToo zu einem Wortspiel und bedeutet einerseits Schuhe, aber auch Schmerz. Der zweite Grund ist ein genereller Trend in Japan. Arbeitnehmer lassen sich nicht mehr alles vorschreiben.

Was ist der Grund dafür, dass sich Japans Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer nun gegen diese Regeln wehren?

Im Prinzip haben sich die Machtverhältnisse am Arbeitsmarkt umgekehrt. Wegen der Alterung der Gesellschaft und der schrumpfenden Bevölkerung herrscht inzwischen ein sehr grosser Mangel an Arbeitskräften und damit ein Wettbewerb um Arbeitskräfte. Die Unternehmen müssen ein gutes Arbeitsklima herstellen, damit sie ihre Mitarbeiter nicht verlieren und neue gewinnen können.

Nahaufnahme von Frau.
Legende: Yumi Ishikawa setzt sich mit ihrer Petition dafür ein, dass Frauen nicht mehr gezwungen werden, hohe Schuhe zu tragen. Reuters

Sobald Vorgesetzte ihre Macht missbrauchen, wehren sich viele Japaner dagegen. Man spricht hier von «Power Harassment», also Machtmissbrauch. Die Regierung hat diesen Trend mit ihren sogenannten «Arbeitsstilreformen» gestärkt. Die Überstunden wurden begrenzt und eine Urlaubspflicht eingeführt.

Was sagt diese Kampagne gegen den Stöckelschuh-Zwang über den sozialen Druck auf Frauen am Arbeitsplatz in Japan aus?

Die japanischen Männer werden mehr darüber nachdenken, dass das Tragen von Pumps und Stöckelschuhen für die Frauen nicht unbedingt ein Vergnügen ist, sondern bedingt ist durch Vorschriften und gesellschaftliche Normen. Diese Debatte zeigt auch, dass sich diese Normen verändern, und zwar zugunsten der Frauen, auch wenn der Weg hier noch sehr weit ist.

Das Gespräch führte Joël Hafner.

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15 Kommentare

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  • Kommentar von Rolf Bolliger  (jolanda)
    In gewissen Berufen (vorallem im öV oder sonst in öffentlichen Betrieben) braucht es einfach eine lockere Uniform oder mindestens eine einheitliche Kleidung. Es soll aber alles im Rahmen der Verträglichkeit und Bequemlichkeit beim Tragen bleiben: Schöne einheitliche, geschlossene Pumps mit 3-4 cm hohen Absätzen gehören sicher bei einer Frau dazu. Einer Mitarbeiterin aber High-Heels mit 8-14 cm hohen Absätzen vor zu schreiben, kann niemand nachvollziehen und sollte eigentlich strafbar sein!
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    1. Antwort von Angela Nussbaumer  (Angela N.)
      Wissen Sie was, Herr Bolliger?
      Tragen Sie doch 3 bis 4 cm hohe Absätze. Den lieben langen Tag.
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  • Kommentar von Connie Talbot  (ConnieElizabeth)
    In der Schweiz sollte man dies aber auch verbieten. Das ist der Nummer 1 Grund wieso ich nicht in der Finanzwelt arbeite. Will keine Pumps oder Röcke tragen. Männer haben die grössere Auswahl und die bequemere Kleidung.
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    1. Antwort von marc rist  (mcrist)
      In Japan ist die Welt noch weitgehend in Ordnung. Die Schweiz könnte von diesem Land viel lernen.
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    2. Antwort von Daniel Fuchs  (Daniel Fuchs)
      @Connie: "Männer haben die grössere Auswahl und die bequemere Kleidung." Das stimmt ganz einfach nicht. In einem corporate Umfeld wo von Männern das tragen von Anzug und Krawatte erwarte wird können Frauen so gut wie alles tragen solange es professionell ausschaut.
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    3. Antwort von Alex Baumann  (GuterNutzername)
      In der Schweiz ist es schon lange nicht mehr so, das Frauen oder Männer gewzungen werden sich so anziehend wie der Arbeitgeber/-in es verlangt. Es gibt aber Dresscodes bei bestimmten Berufen wo es eindeutig vom Vorteil ist sich an den zu Halten. Dennoch kenne Ich keinen Dresscode der Highheels oder Makeup vorschreibt. Es geht hier um Respekt und nicht um Schönheit, das ist der wesentliche Unterschied in der Schweiz.
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  • Kommentar von antigone kunz  (antigonekunz)
    "Der zuständige Minister verteidigte die Stöckelschuhe am Arbeitsplatz." Das ältere Analogon ist das Füsseeinbinden in China. Einer eigentlichen Verstümmelung gleichkommend. Frau kam da nicht weit, wenn sie ihrem 'Herrn & Meister' Tschüss sagen wollte .... Wer Füsse mag, tut diesen Stöckelschuhe nicht an. Ja, ja, ich weiss ... wenn's bei der Ausnahme bleibt. Füsse sind freiheitsliebende Gesellen, wie Vögel ... die sperrt man nicht ein ....
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    1. Antwort von Franz Huber  (Raffi)
      Ich bin absolut einverstanden Frau Kunz. Möchte aber anfügen dass es auch viele Schuhe ohne zu hohe Absätze gibt die gar nichts sind für die freiheitsliebenden Gesellen. Zum Beispiel die im Bild oben sind auch eng geschnitten. Auch Schuhe für Männer sind gerne eng geschnitten. Gerade wenn es nur ums "gute" Aussehen geht. Die Anzugträger sieht man auch eher selten in richtig bequemen Latschen laufen. Aber ja hohe Absätze und eng geschnitten ist doppelt schlecht.
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