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Legende: Audio SRF-Mitarbeiter Felix Lee zum Megaprojekt in Hongkong abspielen. Laufzeit 04:02 Minuten.
04:02 min, aus SRF 4 News aktuell vom 20.03.2019.
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Hongkonger Megaprojekt Eine Insel gegen Wohnungsnot

Hongkong will sich um zehn Quadratkilometer vergrössern – mit einer künstlichen Insel, die der Wohnungsnot Abhilfe schaffen soll. Rund 260'000 Wohnungen sollen darauf entstehen und der Metropole wieder Luft zum Atmen geben.

Das Projekt ist höchst umstritten, doch den Behörden ist es ernst. SRF-Mitarbeiter Felix Lee erklärt, was das Vorhaben für Hongkong bedeutet und warum Kritiker trotzdem keine Besserung der Wohnsituation erwarten.

Felix Lee

Felix Lee

Journalist

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Lee ist Journalist und berichtet aus Peking über China, vor allem für die deutsche «taz». Er wuchs als Kind von chinesischen Eltern in Deutschland auf. Lee studierte Volkswirtschaft und Politik und absolvierte später eine Journalistenschule in Deutschland.

SRF News: Wie sind die Reaktionen auf dieses Megaprojekt?

Felix Lee: Die meisten Hongkonger sind sich solche Meldungen gewohnt, denn es wird ja bereits seit Jahrzehnten fleissig aufgeschüttet. Ganze Berge sind geebnet worden, um die Erde abzutragen. Von der Meerenge zum Beispiel, die lange Zeit den natürlichen Hafen Hongkongs ausgemacht hat, ist nicht mehr viel übrig. Schiffe können da nicht mehr durchfahren, weil auf beiden Seite über die Jahre immer mehr aufgeschüttet worden ist.

Gibt es auch Kritik am Vorhaben der Behörden?

Ja, denn zum einen sind da die hohen Kosten, die sich auf umgerechnet fast 80 Milliarden Franken belaufen. Das ist auch für Hongkonger Verhältnisse eine gigantische Summe. Zudem befürchten die Kritiker noch mehr Schäden an der Unterwasserwelt. Dort, wo aufgeschüttet werden soll, befindet sich die Insel Lantau, ein bei den Hongkongern lange Zeit beliebtes Naherholungsgebiet.

Hongkong platzt aus allen Nähten, das Wohnungsproblem ist akut. Diese Insel soll das entschärfen. Das müsste die Menschen doch eigentlich grundsätzlich freuen.

Hongkong ist, was die Wohnpreise betrifft, eine der teuersten Städte der Welt. Für einen zehn Quadratmeter grossen Verschlag werden um die 1'500 Franken Miete pro Monat fällig. Es herrscht wirklich grosse Wohnungsnot. Kritiker befürchten jedoch, dass diese für weniger finanzkräftige Hongkonger durch dieses Projekt kaum gelindert wird. Sie gehen davon aus, dass vor allem teure Luxuswohnungen gebaut werden und wenig sozialer Wohnungsbau stattfindet. Und die teuren Luxuswohnungen leisten sich vor allem reiche Chinesen vom Festland, die darin Spekulationsobjekte wittern.

Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass sich Hongkong mit dieser Insel weiter ans Festland, also an China binden möchte. Was ist damit gemeint?

Da geht es um genau diese Spekulationsgeschäfte der Festland-Chinesen. Tatsächlich ist die Spekulationswut ein wesentlicher Grund für die horrenden Wohnungspreise in Hongkong.

Für einen zehn Quadratmeter grossen Verschlag werden in Hongkong um die 1'500 Franken Miete pro Monat fällig.
Autor: Felix LeeSRF-Mitarbeiter

Schon jetzt stehen ganze Apartmenthäuser leer, weil sie Festland-Chinesen gehören, die sie aber weder bewohnen noch vermieten. Sie dienen ganz allein der Spekulation.

Mit dem Projekt soll es jetzt zügig vorwärts gehen. Bereits 2025 soll der Start erfolgen, 2032 soll dann alles fertig sein. Das klingt sehr ehrgeizig.

In Hongkong sind bisher fast alle baulichen Grossprojekte in rasanter Geschwindigkeit hochgezogen worden. Für den Grossflughafen, der immerhin der grösste Frachtflughafen der Welt ist, brauchten die Hongkonger gerade einmal acht Jahre Bauzeit. Und damit ist die ganze Aufschüttung mit inbegriffen, denn auch dieser liegt ja auf aufgeschüttetem Land.

Hongkonger Flughafen auf aufgeschüttetem Land der Insel Lantau
Legende: Auch der grösste Frachtflughafen der Welt wurde auf aufgeschüttetem Land in Hongkong gebaut. Keystone

Das Gespräch führte Salvador Atasoy.

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2 Kommentare

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  • Kommentar von Thomas Heimberg (tomfly)
    Ich verstehe diese Welt nicht mehr. Auf der einen Seite sorgt man sich um's Klima, verbietet Raschelsäcklein und Trinkröhrchen, auf der anderen Seite geht man euphorisch Mega-Projekte an wie diese Landaufschüttungen und die neue Seidenstrasse an, die 100 Milliarden kosten wird, nur damit noch mehr Plastik mit dreckigen Schiffen zu uns transportiert werden kann, sowie die 1000den Baumaschinen, die über Jahre dafür schwarzen Russ ausstossen werden. Wir machen da nur Umwelt-Pflästerlipolitik.
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  • Kommentar von Pascal Padrutt (papa)
    Die Menschheit kriegt allmählich die Quittung mit massivsten Problemen präsentiert, weil sie sich masslos vermehrt. Man kann in allen Metropolen dieser Welt beobachten, wie die Mietpreise in die Höhe schiessen und der Verkehr nicht mehr zu bewältigen ist. Ebenso wird sauberes Süsswasser zur Mangelware und damit zum Konfliktherd. Die Weltbevölkerung darf nicht weiter so stark wachsen. Nur Utopisten glauben an ein grenzenloses Wachstum in Frieden.
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