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Vom Filmhelden zum Terrorismus-Angeklagten
Aus Rendez-vous vom 25.09.2020.
abspielen. Laufzeit 04:55 Minuten.
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Hotel Ruanda Hollywood-Held unter Terrorismusverdacht

Hotelmanager Paul Rusesabagina rettete hunderte Menschen vor dem Tod. Nun wurde der Filmheld des Terrorismus angeklagt.

Paul Rusesabagina wähnt sich im falschen Film. Der frühere Hotelmanager aus Ruanda geniesst seinen Ruhestand in Texas in den USA. Doch urplötzlich taucht er Ende August in der ruandischen Hauptstadt Kigali auf – in Handschellen. Hier wird ihm der Prozess gemacht.

Auf Rusesabaginas Geschichte basiert der Film «Hotel Ruanda. Er hatte während des Genozids von 1994 das Hotel «Mille Collines» in ein Flüchtlingslager umfunktioniert und so vermutlich über 1200 Menschen das Leben gerettet.

Hotel Ruanda und der Genozid

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Der Film «Hotel Ruanda» spielt während des Genozids in Ruanda im Jahr 1994. Das Fünfsternhotel «Milles Collines», von Manager Paul Rusesabagina geführt, wird zum Zufluchtsort für 1268 Menschen.

Vor den Hotelmauern findet derweil der Genozid statt. Bewaffnete Hutus metzeln Angehörige der Tutsi nieder. Und sie wollen auch die Geflüchteten im Hotel töten. Mit Geld, Bier und Verhandlungsgeschick gelingt es dem Hotelmanager, seine Gäste zu retten.

Der Film wurde 2005 für mehrere Oscars nominiert. Paul Rusesabagina schrieb eine Autobiografie, ging auf Vortragsreisen und erhielt unzählige Auszeichnungen.

Kritiker in Ruanda monieren, der Film stelle die Realität verzerrt dar. So habe Rusesabagina von Flüchtlingen Geld verlangt und das Hotel sei stets von der UNO beschützt gewesen.

Schon zwei Jahre später darauf fühlte sich Rusesabagina jedoch in Ruanda nicht mehr sicher. Er zog mit seiner Familie nach Belgien und später in die USA.

In die Falle getappt

Ende August flog Rusesabagina von Dubai mit einem Privatjet Richtung Ostafrika. Eigentlich habe er in Burundi einen Vortrag halten wollen, erzählte der 66-Jährige der «New York Times». Statt in Burundi landete der Jet aber in Ruanda. «Es kam überraschend, ich wollte eigentlich nicht hierhin», gestand Rusesabagina.

Tagelang wurde Rusesabagina befragt, er war an Händen und Füssen gefesselt und hatte die Augen verbunden. Man habe ihn jedoch gut behandelt, beteuerte er. Seine Familie sagt, Rusesabagina sei entführt worden.

Ruandas Präsident Paul Kagame widersprach dieser Aussage: «Es gab keine Entführung. Er gelangte hierhin, weil er an etwas glaubte und etwas tun wollte.» Kagames Aussage lässt sich nicht anders interpretieren, als dass Rusesabagina hereingelegt wurde. Vermutlich tappte er in eine Falle der ruandischen Sicherheitskräfte.

Vom Hotelmanager zum Politiker

Schon vor Jahren hatte sich der frühere Hotelmanager mit der Regierung Kagame überworfen. Er suchte Zuflucht im Ausland, trotz Einladung blieb er der Premiere von «Hotel Ruanda» in Kigali fern.

Im Exil wurde Rusesabagina politischer, er gründete eine Oppositionspartei und plante gar, als Präsident zu kandidieren. In seiner Autobiografie kritisierte der Hutu Rusesabagina die autoritären Tendenzen von Präsident Kagame, der das Land mit einer kleinen Tutsi-Elite regiere und ausnehme.

Im Gegenzug startete Ruanda eine Kampagne gegen Rusesabagina. Ihm wurde vorgeworfen, vom Genozid zu profitieren. Dem Präsidenten nahestehende Kreise planten sogar einen zweiten Film, um die alternative Sicht auf die Ereignisse im «Hotel Ruanda» aufzuzeigen. Schliesslich stellte Ruanda einen internationalen Haftbefehl gegen Rusesabagina aus.

Präsident Kagame duldet keine Gegner

Das Vorgehen Ruandas überrascht nicht. Oppositionelle leben gefährlich – im Land und auch ausserhalb. Präsident Kagame hat es nicht gerne, wenn sich jemand gegen ihn stellt. 2014 warnte er seine Gegner in einer Rede: «Man darf Ruanda nicht straflos hintergehen, sonst wird man die Konsequenzen spüren. Es ist bloss eine Frage der Zeit.»

In diesem Spannungsfeld kam es zur Radikalisierung von Paul Rusesabagina. Er rief 2018 in einem Video offen zum bewaffneten Kampf auf: «Unsere Jugend, die Nationale Befreiungsfront FLN, muss gegen Kagames Armee vorgehen, um Ruandas Bevölkerung zu befreien.»

Die FLN ist der bewaffnete Arm von Rusesabaginas Partei, sie ist im Süden des Landes aktiv. Nun gab der frühere Hotelmanager vor Gericht zu, diese Organisation mitbegründet zu haben. Er sei jedoch persönlich nicht in Gewalttaten involviert gewesen.

Der einstige Held muss sich heute wegen Terrorismus verantworten. Diesmal wird es für Paul Rusesabagina kein Happy End geben.

Rendez-vous, 25.09.2020, 13.30 Uhr

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