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International Humanitäre Tragödie im Nordirak

Nach der neusten Offensive der IS-Terroristen im Nordirak sind Zehntausende Menschen auf der Flucht. Die UNO spricht von einer humanitären Tragödie, die sich in der Region abspiele. Betroffen ist die Minderheit der Jesiden, die einen Genozid durch die Extremisten befürchtet.

Kart des Iraks, eingezeichnet sind die umkämpften Städte im Nordirak.
Legende: Das umkämpfte Gebiet im Nordirak. SRF

Die neusten Eroberungen der Terrorgruppe Islamischer Staat (IS) im Norden des Iraks hat eine Massenflucht ausgelöst. Nach Angaben der Vereinten Nationen flohen rund 200'000 Menschen aus Angst vor der Schreckensherrschaft der Extremisten, die sich bis vor kurzem noch Isis genannt hatten. Die Menschen flohen vor allem ins Sindschar-Gebirge im Westen der Metropole Mossul. Die meisten Flüchtlinge sind Mitglieder der religiösen Minderheit der Jesiden.

Unbestätigte Berichte von Hinrichtungen

In den betroffenen Gebieten brach Chaos aus. «Die Bewaffneten bringen uns alle ohne Gnade um», sagte ein Bewohner der Nachrichtenagentur dpa. Auch kurdische Online-Medien berichten von mindestens 30 Jesiden, die von IS-Terroristen umgebracht worden seien, weil sie nicht zum sunnitischen Glauben übertreten wollten.

Diese Meldungen kann die NZZ-Korrespondentin für den Irak, Inga Rogg, allerdings nicht bestätigen. «Man muss bei solchen Berichten unglaublich vorsichtig sein», sagt sie gegenüber SRF. Sie liessen sich meist nicht überprüfen.

Katastrophale Lage der Flüchtlinge

Was man mit Sicherheit wisse sei, dass die IS-Extremisten Sindschar sowie zwei weitere Städte und mehrere Dörfer in dem Gebiet erobert und ein schiitisches Heiligtum zerstört hätten.

Die UNO ihrerseits berichtet von einer katastrophalen Lage der Flüchtlinge. In Sindschar entfalte sich eine «humanitäre Tragödie», sagte der UNO-Sonderbeauftragte für den Irak, Nikolaj Mladenov. Die Flüchtlinge bräuchten dringend Nahrungsmittel, Wasser und Medikamente. Das Sindschar-Gebirge, in das Zehntausende Menschen geflohen seien, sei von IS-Militanten eingeschlossen.

Syrien und Iak immer mehr ein einziges Kriegsgebiet

Das Gebiet westlich von Mossul an der Grenze zu Syrien sei für die Terroristen strategisch extrem wichtig, sagt Irak-Kennerin Rogg. «Wenn sie Sindschar halten können, festigen sie die Kontrolle über die wichtigen Grenzübergänge nach Syrien.» Das bedeute, dass das Kampfgebiet Syrien/Irak immer mehr zusammenwachse, dass sich die beiden Kriegsgebiete immer weniger voneinander trennen liessen.

Die Extremisten hatten am Wochenende nach heftigen Kämpfen kurdische Peschmerga-Kämpfer aus grossen Gebieten nördlich und westlich von Mossul vertrieben. Die sunnitischen Fundamentalisten übernahmen die Herrschaft in den Städten Sindschar und Samar sowie in mehreren weiteren Orten. Ausserdem fielen ihnen der grösste Staudamm Iraks sowie ein Ölfeld samt Raffinerie in die Hände.

Jesiden

Jesiden

Die Jesiden sind eine nicht-muslimische Minderheit im Irak, die vor allem im Gebiet um die Stadt Mossul ansässig war. Im Nordirak lebten bis zu 400'000 Jesiden, bis ein grosser Teil davon im August 2014 von der Terrormiliz IS vertrieben, umgebracht, versklavt oder zwangsverheiratet wurde. Der IS bezeichnet die Jesiden als Teufelsanbeter.

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13 Kommentare

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  • Kommentar von Fritz Matti, Blue Sea Canada
    Wo kein Wille ist ist kein Weg!
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  • Kommentar von G. Niedermann, Zürich
    Die UN sollten keine Zeit mehr verschwenden und alles dafür tun, dass barbarische Organisationen wie ISIS, Boko Haram oder Al-Shabaab vom Erdboden verschwinden. Die UN könnten Milliarden für Flüchtlingsprojekte einsparen, wenn die Ursachen mit äußerster Härte bekämpft werden würden. Intolerante haben genug Toleranz erfahren. Vielleicht ist es auch Zeit, dass die Schweiz hier einen Vorstoss bei der UN macht.
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  • Kommentar von Hans-Ruedi Moser, Oberglatt
    Es ist grausam was hier mit Christen passiert! Wir haben wieder ein vergleichbares Problem wie vor 100 Jahren, als Osmanen Christen beseitigt haben. Jetzt bestätigt sich, dass die US Streitkräfte an Ort einen positiven Einfluss für die Bevölkerungen hatte. Kein Nachbarland hat die Mittel um diese Situation zu ändern.
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    1. Antwort von Werner Christmann, Stein am Rhein
      das ist aber jetzt sicher nicht ihr Ernst. "Jetzt bestätigt sich, dass die US Streitkräfte an Ort einen positiven Einfluss für die Bevölkerungen hatte". Die USA und ihre Vasallen haben die Machthaber weggebombt und weggeputscht, haben ein Chaos hinterlassen und sind abgehauen. Resultat heute? positiv?
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    2. Antwort von Otto Würz, Winterthur
      Ja, es ist schlimm, wenn Christen verfolgt werden. Aber es ist genauso schlimm wenn Jesiden, Schiiten, Hanbaliten, Atheisten oder andere Gruppen aufgrund ihres Glaubens oder Nicht-Glaubens verfolgt werden. Also bitte keine Reduktion auf die Christen. Verfolgte verdienen alle unsere Unterstützung. Nicht die christliche Welt ist gefordert, sondern die gesamte Welt, welche für Selbstbestimmung und Freiheit einsteht.
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