Zum Inhalt springen

Header

Video
Das geheime Schloss des tschechischen Regierungschefs
Aus SRF News vom 03.10.2021.
abspielen
Inhalt

Hunderte Offshore-Geschäfte Neue Enthüllungen: Darum geht es bei den «Pandora Papers»

Ein Journalisten-Netzwerk weist nach: Auch nach den «Panama Papers» sind Offshore-Geschäfte noch immer beliebt. Namhafte Politiker, Amtsträger, Firmenchefs und Spitzensportler nutzen sie. Ein Überblick.

Hunderte Politiker, Amtsträger, Firmenvorstände und Spitzensportler in aller Welt sollen jahrelang Finanzdienstleister genutzt haben, um ihre Vermögen und Wertgegenstände zu verstecken. Das geht aus Unterlagen (den sogenannten «Pandora Papers») hervor, die internationale Medien ausgewertet und am Sonntag in Teilen veröffentlicht haben.

Die Rechercheure: Eine anonyme Quelle spielte die «Pandora Papers» dem Internationalen Consortium für Investigative Journalistinnen und Journalisten (ICIJ) zu. In der Folge haben in den vergangenen zwei Jahren etwa 600 Journalisten in 117 Ländern die Dokumente für weltweit 150 Medien ausgewertet. An der Auswertung beteilig waren unter anderem die «Süddeutsche Zeitung», die «Washington Post», der «Guardian», der «Indian Express» und «Le Monde», in der Schweiz der «Tages-Anzeiger», «Der Bund», die «Basler Zeitung» und die «Berner Zeitung».

Die Dokumente: Die «Pandora Papers»-Recherchen basieren nach Angaben der daran beteiligten Medien auf geheimen Dokumenten von 14 in Steueroasen tätigen Finanzdienstleistern und reichen bis ins Jahr 2021. Die Lecks sollen aus 11.9 Millionen Dokumenten bestehen und «jeden Winkel der Welt» abdecken. Es handle sich um das «bislang grösste Datenleck zu Geschäften in Steueroasen» in einer Dimension von rund 2.9 Terabyte, hiess es.

Die Profiteure: Zu den Profiteuren der Offshore-Dienste sollen 330 Politiker und Amtsträger aus fast 100 Ländern gehören, darunter allein 35 derzeitige oder ehemalige Staats- und Regierungschefs. Mit Namen tauchen etwa auf: der tschechische Ministerpräsident Babis, der König von Jordanien Abdullah, der II., und die noch amtierenden Präsidenten der Ukraine, von Kenya und Ecuador. Ferner fänden sich in den vertraulichen Dokumenten auch Namen von prominenten Spitzensportlern und Firmenvorständen.

Das Gesetz: Bei den Enthüllungen geht es darum, dass Leute mit sehr viel Geld Firmen, meist sogenannte Trusts, an Orten aufbauen, an denen sie keine oder wenig Steuern zahlen und wo sie dies auch anonym tun können. SRF-Wirtschaftskorrespondentin Charlotte Jacquemart geht davon aus, dass die wenigsten dieser Trusts illegal sind, sondern im Einklang mit der jeweiligen Gesetzgebung, wo sie sind. Es gebe Heerscharen von Treuhändern und Anwälten in aller Welt, die den Superreichen helfen, möglichst wenig Steuern zu zahlen, indem sie Gesetzeslücken ausnutzen oder zumindest den gesetzlichen Spielraum maximal ausnutzen. «Illegal sind diese Aktivitäten erst dann, wenn Schwarzgeld oder Geld aus kriminellen Aktivitäten, Stichwort Geldwäscherei etc. in diese Trusts gesteckt wird.»

Das Versäumnis: Laut Oliver Zihlmann, Co-Leiter Recherchedesk Tamedia, zeige das neue Leck, dass sich seit den «Panama-Papers» nicht viel verändert habe. Nach deren Offenlegung hätte der Traum von Superreichen, ihre Vermögen verstecken zu können, schwieriger werden sollen. Stattdessen seien ganz viele Briefkastenfirmen aufrechterhalten worden, «auch für hochproblematische Kunden, sogar Kriminelle».

Die Rolle der Schweiz: Obwohl das Schweizer Parlament in jüngster Zeit Druck gemacht hatte, wurden bis jetzt auch aus der Schweiz heraus kriminelle Kunden bedient. Nach Angaben von Tamedia haben «Schweizer Anwälte, Treuhänder und Beraterinnen alleine bei einer grossen Kanzlei in der Karibik 7000 Offshore-Firmen betreut.» Das sei möglich gewesen, weil nach der Eröffnung der «Panama Papers» selbst Treuhänder und Anwälte der Schweiz bescheinigten, dass hierzulande alles gut laufe, hält Zihlmann fest.

Die Konsequenzen: Das jüngste Leck bringt nicht nur manchen namhaften Politiker und Amtsträger in Erklärungsnot. Es heizt zwangsläufig auch die Diskussion um Steuerschlupflöcher wieder an – nicht zuletzt in der Schweiz.

SRF 4 News, 04.10.2021, 7 Uhr;

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

92 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Aktuell sind keine Kommentare unter diesem Artikel mehr möglich.

  • Kommentar von Michael Schwyzer  (Michael Schwyzer)
    Eine bekannte Schweizer NGO hat dazu passend ein lustiges Handbuch für Wirtschaftskriminelle erarbeitet: Offenbar sorgt das Schweizer Parlament – ich würde mal spontan auf die bürgeliche Mehrheit tippen – nicht dafür, dass solchen verbrecherischen Praktiken vorgebeugt und entgegengewirkt werden kann: swisscorruption.ch
  • Kommentar von Franz Peter Lehmann  (nashorn19)
    M.E. ist es höchste Zeit, dass das CH-Parlament dem GwG wenigstens die par Zähne wieder einsetzt die es ausgerissen hat. Der Filz lässt grüssen. Nicht alles was legal ist, ist auch legitim, nicht nur umgekehrt.
  • Kommentar von Hubertus Wach  (H. Wach)
    Das Schlimmste daran ist, dass selbst demokratisch gewählte Politiker aller Couleur sich solchen Machenschaften bedienen, um sich das Vertrauen ihrer Wähler zu ergaunern. Auch ich habe zunehmend Mühe, wenn mein Vertrauen in die Politiker/Politik auf so schändliche Art missbraucht wird. Die Demokratie muss mit allen Mitteln geschützt werden. Nur: Die demokratisch freie(?) Marktwirtschaft darf weiterhin Steuerschlupflöcher nutzen. Insbesondere Delaware/USA, Luxemburg/EU, Karibik, usw., usf.