Hungerstreik in Guantánamo eskaliert

Die Lage im US-Gefangenenlager spitzt sich zu. Knapp die Hälfte der mehr als 160 Insassen verweigert inzwischen die Nahrungsaufnahme. UNO und Rotes Kreuz zeigen sich besorgt.

Der Hungerstreik im US-Gefangenenlager Guantánamo weitet sich aus. Rund 77 der 166 Insassen beteiligten an der Protestaktion, wie ein Militärsprecher mitteilte. Dies sind 25 mehr als am Mittwoch. 17 Häftlinge werden zwangsernährt, fünf von ihnen im Spital. Zurzeit sei aber keiner von ihnen in Lebensgefahr.

Nach Angaben von Anwälten wurde der Streik am 6. Februar ausgelöst. Im Kern richtet sich der Streik gegen die seit elf Jahren andauernde Inhaftierung ohne Anklage oder Prozess, erklärten die Anwälte.

Rotes Kreuz drängt auf rasche Lösung

Die UNO-Hochkommissarin für Menschenrechte, Navi Pillay, hatte Anfang April die USA erneut aufgefordert, das Gefangenenlager auf der US-Militärbasis zu schliessen. Es sei keine Überraschung, dass die Insassen auf so verzweifelte Massnahmen wie den Hungerstreik zurückgriffen.

Auch das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) fordert eine Lösung. «Die USA müssen dringend alle hängigen humanitären, rechtlichen und politischen Fragen bezüglich der Inhaftierten in Guantánamo lösen», sagte IKRK-Präsident Peter Maurer Washington. Dazu zählten auch jene Personen, die nicht mehr als Gefahr gälten und deren Inhaftierung daher ungerechtfertigt sei.