- Die deutsche CDU-Politikerin und ehemalige, langjährige Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth ist tot.
- Sie ist im Alter von 88 Jahren gestorben. Das teilte die amtierende Bundestagspräsidentin Julia Klöckner mit.
- Klöckner würdigte Süssmuth als «eine der bedeutendsten Politikerinnen der Bundesrepublik». Süssmuth war von 1988 bis 1998 Bundestagspräsidentin.
Parteiübergreifend wurde Süssmuth als grosse Politikerin gewürdigt. Kanzler Friedrich Merz (CDU) nannte sie einen «Leitstern für unser demokratisches Gemeinwesen», Bundestagspräsidentin Julia Klöckner eine «politische Ausnahmeerscheinung». SPD-Chef Lars Klingbeil sagte: «Sie war ein Vorbild, über alle Parteigrenzen hinweg.»
Süssmuth kam als Quereinsteigerin in die Politik. Als der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) sie 1985 als Nachfolgerin von Heiner Geissler (CDU) zur Bundesministerin für Jugend, Familie und Gesundheit berief, war sie in der Öffentlichkeit weitgehend unbekannt. Sie war erst vier Jahre zuvor in die CDU eingetreten und bis dahin nach aussen kaum in Erscheinung getreten. Im Ministeramt erwarb sie sich aber schnell grosses Ansehen. In Umfragen erzielte sie hohe Beliebtheitswerte.
Einsatz für gleichberechtigte Teilhabe von Frauen
Süssmuth kam am 17. Februar 1937 in Wuppertal als Tochter eines Lehrers zur Welt. Sie studierte Romanistik und Geschichte. Anschliessend hängte sie ein Postgraduiertenstudium der Erziehungswissenschaften, Soziologie und Psychologie an. Süssmuth schlug die wissenschaftliche Laufbahn ein, wurde Professorin für Erziehungswissenschaften zunächst in Bochum und später an der Universität Dortmund.
Nach ihrer Berufung zur Bundesministerin kandidierte Süssmuth 1987 erstmals für den Bundestag. Sie errang auf Anhieb das Direktmandat im Wahlkreis Göttingen, das sie 1990 und 1994 verteidigte. 1998 reichte es nur für ein Mandat über die CDU-Landesliste Niedersachsen.
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Bild 1 von 5. Die ehemalige Präsidentin des Deutschen Bundestages starb kurz vor ihrem 89. Geburtstag. Bildquelle: IMAGO / IPON.
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Bild 2 von 5. Süssmuths politische Karriere nahm Ende der 1980er-Jahre ihren Anfang. (Bild: 14.07.91). Bildquelle: IMAGO / Frank Sorge.
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Bild 3 von 5. Der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl hatte seine Parteikollegin 1985 zur Bundesministerin ernannt (Bild: 12.07.94). Bildquelle: IMAGO / photo2000.
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Bild 4 von 5. Im Januar 2019 sprach die ehemalige Präsidentin des Bundestages zum Gremium anlässlich des 100-jährigen Jubiläum des Frauenwahlrechts. Bildquelle: IMAGO / Christian Spicker.
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Bild 5 von 5. Im Februar 2025 nahm Süssmuth den Deutsch-Polnischen Preis von der damaligen Aussenministerin Annalena Baerbock und deren Amtskollegen Radoslaw Sikorsiki entgegen. Bildquelle: IMAGO / photothek.
Mit ihrem modernen Familien- und Frauenbild war Süssmuth vielen in der Union weit voraus. Sie eckte an – auch bei Kohl. Dass sie Familienpolitik nicht allein auf Verheiratete konzentrieren wollte, war den Konservativen in der Union suspekt. Ihr Einsatz für die Reform des Abtreibungsparagrafen 218 brachte ihr vehemente Kritik aus den eigenen Reihen ein. Das galt auch für ihre Linie bei der sich ausbreitenden Immunschwächekrankheit Aids. «Die Krankheit bekämpfen und nicht die Kranken», lautete ihre Maxime.
1988 folgte die CDU-Politikerin Philipp Jenninger an der Spitze des Bundestages nach, der wegen einer missglückten Rede zur Pogromnacht zurücktreten musste. Sie war erst die zweite Bundestagspräsidentin nach Annemarie Renger (SPD). Unter ihrer Führung wurde der Bundestag nach der Wiedervereinigung zum gesamtdeutschen Parlament und vollzog den Umzug von Bonn nach Berlin.
Engagiert blieb Süssmuth auch nach ihrem Ausscheiden aus dem Bundestag und der aktiven Politik 2002. Sie setzte sich in der von älteren Männern geprägten CDU resolut für eine Frauenquote ein. Auch den Frauenanteil im Bundestag – 32.4 Prozent in der 21. Wahlperiode – hielt Süssmuth für viel zu niedrig und kämpfte daher für Parität. Klöckner sagte: «Bis zuletzt setzte sie sich mit scheinbar unbegrenzter Energie für mehr Repräsentanz von Frauen in Parlamenten ein.» Klöckner wies auf Süssmuths «Elan und ihre Beharrlichkeit» hin, die zahllose Menschen inspiriert hätten.