In Afrika bahnt sich neue Hungerkrise an

Die UNO schlägt Alarm: Rund 14 Millionen Menschen im südlichen Afrika könnten bald Hunger leiden. Ursache ist das Wetterphänomen «El Niño». Es sorgt in Ländern wie Angola, Malawi und Südafrika für Trockenheit und Missernten.

Eine tote Kuh auf sandigem Boden. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Wenn auch die Mutterkühe geschlachtet werden müssen, gibt es bald nichts mehr zu essen. Keystone

Etwa 14 Millionen Menschen im südlichen Afrika droht nach Angaben des Welternährungsprogramms der Vereinten Nationen (WFP) der Hungertod. Der Grund dafür sei die vom globalen Wetterphänomen «El Niño» verschärfte Dürre in diesem Teil der Welt. Vielerorts habe es seit Monaten kaum mehr geregnet.

WFP warnt vor Hungersnot im südlichen Afrika

4:36 min, aus SRF 4 News aktuell vom 19.01.2016

Das Saatgut sei auf den Feldern vertrocknet. Selbst in Ländern wie Sambia, das sonst als Kornkammer der Region gelte, müssten die Bauern mit kleineren Erträgen rechnen, meldet das WFP. In den Nachbarländern sehe es noch schlimmer aus – so etwa in Malawi, wo fast drei Millionen Menschen bedroht seien.

Südafrika: Trockenstes Jahr seit Messbeginn

Im Königreich Lesotho leide bereits ein Drittel der Bevölkerung Hunger. Auf der Insel Madagaskar seien knapp zwei Millionen Menschen gefährdet. Kritisch sei die Lage zudem in Moçambique, Zimbabwe und Angola. Und auch Südafrika am südlichsten Zipfel des Kontinents erlebte 2015 das trockenste Jahr seit Messbeginn anno 1904.

Zwar habe es Anfang dieses Jahres einige Male kräftig geregnet, sagt Leonie March, Journalistin in Südafrika. «Doch die Vorhersagen sind nicht vielversprechend: Es soll trocken und heiss bleiben.» In fünf der neun Provinzen sei der Notstand ausgerufen worden. «Viele Tiere mussten notgeschlachtet werden», erklärt March. Für viele Bauern bedeute dies das Ende ihrer Existenz. «Vor allem, wenn auch Muttertiere geschlachtet werden müssen und von der Herde nichts mehr übrig bleibt.»

Maisimporte schlagen sich im Preis nieder

Die Dürre treffe aber nicht nur die Landbevölkerung, so die Journalistin. «Denn da zum Beispiel die Maisproduktion in der Region so gering ausfällt, müssen mehrere Millionen Tonnen dieses Grundnahrungsmittels importiert werden.» Die Preise würden steigen, was auch die städtische Bevölkerung zu spüren bekomme.

Die Regierung Südafrikas habe einen Krisenstab eingerichtet und stelle den Landwirten Hilfen in Millionenhöhe zur Verfügung, sagt March. «Aber viele andere Länder werden die Krise nicht ohne Hilfe von aussen bewältigen können.»