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In Kongo-Kinshasa Misstrauen erschwert die Ebola-Bekämpfung

In Kongo-Kinshasa breitet sich Ebola aus. Misstrauen und Falschinformationen behindern die Eindämmung des Virus.

Die Gerüchte: Im Osten von Kongo-Kinshasa kursieren zahlreiche Falschinformationen. Manche Menschen glauben, Ebola existiere gar nicht. Andere behaupten, die Krankheit werde absichtlich verbreitet oder von Hilfsorganisationen erfunden, um neue Gelder zu erhalten. Während früherer Ausbrüche war in der Region häufig vom «Ebola-Business» die Rede, also der Vorstellung, dass Behörden, Spitäler oder Hilfsorganisationen finanziell von Ebola profitieren.

Die Bestattungen: Ein zentraler Konfliktpunkt sind die strengen Schutzmassnahmen bei Todesfällen. Verstorbene bleiben ansteckend, weshalb speziell geschulte Teams die Bestattung übernehmen. Angehörige dürfen die Toten oft weder berühren noch waschen. «Bei Ebola können Familien ihre Angehörigen oft nicht mehr nach den gewohnten Traditionen verabschieden. Das sorgt für Frust», sagt der Journalist Seros Muyisa, der im Ostkongo lebt.

Seros Muyisa mit Kamera vor einem Gebäude mit offenem Tor.
Legende: «Das eigentliche Problem ist nicht nur das Virus, sondern das fehlende Vertrauen», sagt Seros Muyisa, Journalist in Bunia. SRF/zVg

Die Gewalt: Das Misstrauen gegenüber den Gesundheitsbehörden schlägt immer wieder in Gewalt um. Ende Mai wurden in Rwampara bei Bunia Isolationszelte eines Ebola-Zentrums angezündet, nachdem Angehörige die Herausgabe eines Leichnams verlangt hatten. Mehrere Verdachtsfälle flohen. Auch in Mongbwalu wurde ein Behandlungszentrum angegriffen. Mitarbeitende des Roten Kreuzes berichten zudem von Bedrohungen und Angriffen bei Bestattungen. Solche Vorfälle erschweren die Nachverfolgung von Infektionsketten.

Verbrannte Betten mit Metallrahmen auf schlammigem Boden im Freien.
Legende: Die Überreste eines niedergebrannten Ebola-Zeltes in Rwampara. Der Brand folgte auf einen Streit um die Bestattung eines mutmasslichen Ebola-Opfers. Keystone/Moses Sawasawa

Die Frage nach dem Geld: Viele Menschen fragen sich, weshalb während eines Ebola-Ausbruchs plötzlich Millionen mobilisiert werden, während andere Gesundheitsprobleme bestehen bleiben. In der Region sterben jedes Jahr Menschen an Malaria, Cholera oder Tuberkulose. Wenn internationale Organisationen neue Behandlungszentren errichten und Gelder bereitstellen, weckt das bei manchen Zweifel an den Motiven der Helfer. «Viele Menschen fragen sich, warum für Ebola plötzlich so viel Geld mobilisiert wird, während andere Krankheiten seit Jahren vernachlässigt werden», sagt Muyisa. Solche Fragen nähren das Misstrauen gegenüber Behörden und Hilfsorganisationen.

Das Vertrauen: Studien aus dem Ostkongo zeigen seit Jahren, dass fehlendes Vertrauen in Behörden, Gesundheitspersonal und Hilfsorganisationen zu den wichtigsten Hindernissen bei der Ebola-Bekämpfung gehört. Der Ausbruch trifft eine Region, die von Konflikten, Vertreibung und schwacher staatlicher Präsenz geprägt ist. «Die Menschen vertrauen eher ihren Gemeinschaftsführern als externen Akteuren», sagt Muyisa. Deshalb setzen Behörden und Hilfsorganisationen zunehmend auf lokale Autoritäten und religiöse Führungspersonen, um über Ebola aufzuklären und Gerüchte zu entkräften.

Die Rotkreuz-Freiwillige Vanny Birungi spricht während einer Aufklärungskampagne in Bunia mit Anwohnern über Ebola.
Legende: Die Rotkreuz-Freiwillige Vanny Birungi klärt in Bunia über Ebola auf. Freiwillige versuchen, Gerüchte und Falschinformationen zu entkräften und das Vertrauen der Bevölkerung in die Schutzmassnahmen zu stärken. Keystone/Moses Sawasawa

Die traditionellen Heiler: Für viele Menschen sind traditionelle Heiler die erste Anlaufstelle bei Krankheit. Weil sie oft mehr Vertrauen geniessen als staatliche Stellen, werden sie zunehmend in die Ebola-Aufklärung einbezogen. Gesundheitsbehörden hoffen, dass sie Verdachtsfälle früh erkennen und Betroffene rasch an Gesundheitszentren weiterverweisen.

Echo der Zeit, 07.06.2026, 18:30 Uhr ; 

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