Im Osten von Kongo-Kinshasa wütet das Ebola-Virus, und auch Uganda meldet Fälle der hochansteckenden und oft tödlichen Infektionskrankheit. Es wird von Panik in den Krankenstationen und Todesangst berichtet. Wie sich die Situation in Uganda präsentiert, beschreibt SRF-Afrikakorrespondentin Sarah Fluck. Sie lebt in Uganda.
Wie ist die Situation in Uganda?
Die Stimmung in der ugandischen Hauptstadt Kampala erscheint derzeit noch erstaunlich ruhig. Die Menschen kennen Ebola, viele wissen, wie man sich verhalten soll. Auch ist Uganda politisch stabiler als der Ostkongo – und logistisch besser vorbereitet. Doch unter der Oberfläche spürt man durchaus Nervosität. Die ugandische Regierung betont derzeit stark, dass offiziell nur zwei Fälle bekannt seien. Denn ein grösserer Ausbruch hätte auch wirtschaftliche Folgen. Bereits dürfen Menschen aus Ebola-Gebieten nicht mehr in die USA reisen. Dies kann dazu führen, dass die Lage verharmlost wird. Und deshalb wiederum warnt die Gesundheitsbehörde der Afrikanischen Union vor solchen Einschränkungen.
Wie werden die Erkrankten in Ostkongo versorgt?
Derzeit noch katastrophal schlecht. Besonders betroffen ist die Provinz Ituri. Viele Orte dort liegen tief im Regenwald, Strassen gibt es kaum. Medikamente, Schutzmaterial, Laborausrüstung müssen eingeflogen werden. Laut Ärzten vor Ort fehlt es an allem – selbst an Matratzen für die Erkrankten. Und man darf nicht vergessen: Kongo-Kinshasa lebt seit Jahrzehnten mit Krieg, Vertreibung, massiver Gewalt. Viele Menschen dort sind ohnehin schon extrem geschwächt. Und jetzt kommt einmal mehr Ebola dazu.
Wie steht es um das Vertrauen ins Gesundheitspersonal?
Es ist extrem fragil. Für viele Ebola-Patienten sind Ärztinnen und Pfleger natürlich die einzige Hoffnung. Gleichzeitig verbinden viele Menschen Ebola-Zentren mit Isolation und Tod. Dort werden die Kranken umgehend komplett isoliert, sie dürfen sich nicht einmal von ihren Familien verabschieden. Viele haben deshalb panische Angst davor, ins Spital zu gehen, einfach weil sie befürchten, dort nicht mehr lebend herauszukommen. Manche flüchten oder suchen zuerst traditionelle Heiler auf.
Wie prekär ist die Situation fürs Gesundheitspersonal?
Die Situation ist sehr schwierig. Viele Ärztinnen, Pfleger und Helfer arbeiten unter Bedingungen, die man sich kaum vorstellen kann. Sie behandeln Ebola-Patienten mitten in einem Konfliktgebiet, in dem mehrere bewaffnete Milizen aktiv sind. Diese Milizen finanzieren sich teils über Entführungen und Überfälle. Bei früheren Ebola-Ausbrüchen wurden denn auch immer wieder Gesundheitszentren angegriffen, Helferinnen und Helfer bedroht oder sogar getötet. Das erschwert die Eindämmung natürlich massiv. Viele Organisationen fordern deshalb mehr Schutz, es steht die Forderung nach UNO-Blauhelmtruppen im Raum.
Wie kann eine Ausbreitung verhindert werden?
Es muss schnell gehen: Verdachtsfälle müssen sofort erkannt und isoliert werden und die Kontaktpersonen schnell nachverfolgt werden. Und dazu braucht es in erster Linie eine Reaktion auf die massiven Infrastrukturprobleme. Es kann nicht sein, dass Blutproben aus dem Kongo 1700 Kilometer weit nach Kinshasa geflogen werden, um dort getestet zu werden. Es braucht dringend Labors und Personal vor Ort. Doch dafür fehlen die Finanzen. Ausserdem braucht es die Zusammenarbeit der betroffenen Länder, auch über bestehende Konfliktgrenzen hinweg. Denn Ebola nutzt genau das aus: schwache Staaten, Konflikte und fehlende Koordination.