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Hilfswerk im Kongo «Aus Angst vor Ebola meiden die Menschen das Spital»

Krieg, Vertreibung – und nun auch Ebola. In Kongo-Kinshasa leiden besonders die Kinder. Was ein Hilfswerk vor Ort tut.

Im Osten von Kongo-Kinshasa wütet das Ebola-Virus. Eine Region, die ohnehin schon in der Dauerkrise steckt: Bewaffnete Gruppen kämpfen um Rohstoffe, Rebellenkämpfe treiben Millionen von Menschen in die Flucht, die Regierung ist machtlos und internationale Friedensmissionen bleiben erfolglos. Und jetzt auch noch Ebola – schon wieder. Es ist der 17. Ebola-Ausbruch in der Region.

Was bedeutet das alles für die Verletzlichsten der Gesellschaft, die Kinder? Der Länderdirektor des Hilfswerks Save the Children in Kongo-Kinshasa erzählt.

Greg Ramm

Länderdirektor Save the Children in Kongo-Kinshasa

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Greg Ramm ist Länderdirektor von Save the Children in Kongo-Kinshasa und Mitglied des humanitären Länderteams von Kongo-Kinshasa. Er ist seit mehr als 30 Jahren im humanitären und entwicklungspolitischen Bereich tätig, mit Schwerpunkt Afrika. Im Jahr 1998 eröffnete er das erste Büro von Save the Children in Kinshasa. Von 2016 bis 2020 war er Mitglied der IASC-Notfalldirektorengruppe der UNO.

SRF News: Wie reagiert Ihre Organisation vor Ort auf den Ebola-Ausbruch?

Greg Ramm: Wir haben unsere Teams vor Ort aufgestockt. Sie unterstützen Gesundheitszentren in der ganzen Provinz. Eine grosse Sorge ist, wie wir das Personal schützen. Oft sind die Mitarbeitenden im Gesundheitswesen die ersten, die an Ebola sterben, da es in den Spitälern nicht genug Schutzmaterial gibt.

Die Menschen fürchten, sich im Spital anzustecken.

Wir versuchen darum, immer genügend Chlor für die Desinfektion und Fieberthermometer bereitzuhalten. Alle, die unsere Räume betreten, werden auf ihre Temperatur getestet. Wer kein Fieber hat, kann auch kein Ebola verbreiten. Traurigerweise gibt es aber bei weitem nicht genug Ausrüstung.

Ihre Organisation widmet sich speziell den Kinderrechten: Wie betrifft Ebola die Kinder?

Einerseits kann Ebola bei Kindern tödlich enden. Auch weil viele Kinder unterernährt sind und bereits geschwächt sind. Und gleichzeitig steigt für Kinder auch die Gefahr, an Malaria zu sterben. Malaria ist eine der Haupttodesursachen für Kinder hier. Und die ersten Symptome der Krankheit, wie Fieber, Gliederschmerzen oder Unwohlsein, die sind bei Malaria und Ebola dieselben. Aber aus Angst vor Ebola gehen manche Menschen gar nicht mehr ins Spital. So sterben Kinder an Malaria – einer Krankheit, die eigentlich behandelbar wäre.

Warum haben die Menschen Angst, ins Spital zu gehen?

Viele fürchten, sich im Spital mit Ebola anzustecken. Und diese Angst ist – mangels Schutzmaterial – nicht unbegründet. Wenn die erste Person, die die Menschen in ihrer Gemeinde sterben sehen, die Krankenschwester ist, die im Spital angesteckt wurde, dann werden sie nicht dorthin gehen wollen.

Kinder spüren sofort, wenn eine Gemeinschaft in Angst ist.

Natürlich wird diese Angst manchmal auch übertrieben oder dramatisiert – es muss nicht überall unsicher sein. Deshalb ist es so wichtig, darüber aufzuklären, wie die Ansteckung funktioniert und wie man sich schützen kann.

Was bedeutet diese Verunsicherung für die Kinder?

Wenn eine Gemeinschaft in Angst ist, wenn eine Familie in Angst ist, dann spüren die Kinder das sofort. Viele dieser Kinder leben bereits in Vertriebenenlagern, weit weg von ihrem früheren Zuhause. Sie mussten ihre Schulbildung abbrechen. Hunderte von Schulen im Ostkongo wurden bereits geschlossen, weil die Menschen vor dem bewaffneten Rebellenkonflikt fliehen mussten. Da kommt vieles zusammen.

Wir können diesen Ausbruch beenden. Die Frage ist, wie viele Menschen bis dahin noch sterben müssen.

Was braucht es im Moment am dringendsten?

Wir wissen aus Erfahrung, dass es möglich ist, Ebola einzudämmen. Wir können diesen Ausbruch beenden. Die Frage ist nur, wie viele Menschen bis dahin noch sterben müssen. Nebst uns sind auch andere Organisationen und die WHO vor Ort. Die Experten sind also schon da. Was es nun braucht, ist finanzielle Unterstützung. So viele Regierungen haben ihre humanitären Gelder gestrichen – das spüren wir. Wir hoffen, dass die Welt hier zusammenkommt und hilft, Leben zu retten.

Das Gespräch führte Irène Dietschi.

SRF 4 News, 20.5.2026, 12 Uhr ; 

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