In Luxemburg zeichnet sich eine Dreierkoalition ab – ohne Juncker

Die Weichen für eine Drei-Parteien-Koalition ohne den langjährigen Premierminister Jean-Claude Juncker sind gestellt: Die Sozialdemokraten, die Liberalen und die Grünen haben sich darauf geeinigt, Koalitionsgespräche aufzunehmen.

Jean-Claude Juncker und Etienne Schneider auf Wahlplakaten. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Juncker oder Schneider? Am Dienstag entscheidet Grossherzog Henri. Keystone

Nach der Parlamentswahl am Sonntag kämpft Europas dienstältester Regierungschef Jean-Claude Juncker um eine weitere Amtszeit im Grossherzogtum Luxemburg.

Zwar war seine Christlich-Soziale Volkspartei (CSV) mit 33,68 Prozent der Stimmen als stärkste Partei hervorgegangen. Im Vergleich zur Wahl vor vier Jahren hat sie aber gut vier Prozentpunkte eingebüsst. Die CSV erzielte 23 von 60 Sitzen im Parlament. Zum Regieren braucht sie einen Koalitionspartner.

Historische Zäsur möglich

Ein möglicher Partner wäre die liberale Demokratische Partei (DP). Damit würde Juncker über eine komfortable Mehrheit von 36 Sitzen verfügen. Der Premier hatte nach der Wahl für seine Partei «den Führungsanspruch in diesem Land» reklamiert.

Die Sozialdemokraten (LSAP), die Liberalen und die Grünen könnten jedoch auch eine Dreierkoalition bilden. Sie kämen zusammen auf 32 Sitze. Dies würde für Luxemburg eine historische Zäsur bedeuten: Erstmals seit der sozialliberalen Regierung von 1974-1979 würde dann die stärkste Partei in der Opposition landen.

«Gelegenheit für Neuanfang»

«Wir haben eine einmalige Gelegenheit, dem Land einen Neuanfang zu geben», sagte LSAP-Spitzenkandidat Etienne Schneider. Dies würde das Ende der gut 18-jährigen Regierungszeit von Juncker bedeuten.

Grossherzog Henri als Staatschef wird am Dienstag mit allen Parteivorsitzenden darüber beraten, wem er den Auftrag zur Regierungsbildung gibt.