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Interkoreanische Gespräche «Nordkoreas Olympia-Teilnahme ist ein Eisbrecher»

Sicherheit für Südkorea – eine Bühne für Kim: Die verfeindeten Staaten setzen ein Signal an die Welt, sagt SRF-Korrespondent Martin Aldrovandi.

Martin Aldrovandi
Legende: Martin Aldrovandi ist seit 2016 Korrespondent für Radio SRF in Nordostasien mit Sitz in Schanghai. SRF

SRF News: Was ist vom Inhalt der Gespräche bekannt?

Martin Aldrovandi: Nordkorea hat gesagt, es werde eine Delegation an die Olympischen Winterspiele in Pyeongchang in Südkorea schicken. Damit kann sich Nordkorea international präsentieren und zeigen, dass es ein normales Land ist. Nordkorea wird dank dieser Teilnahme auch auf etwas hoffen – zum Beispiel auf wirtschaftliche Hilfe oder vielleicht auch auf die Lockerung von Sanktionen. Zudem hofft man auch, Südkorea etwas näher an sich zu binden.

Nordkorea will sein Image aufbessern. Was hat Südkorea von den Gesprächen?

Die südkoreanische Seite hat gesagt, man habe vorgeschlagen, dass man wieder Familien zusammenführe, die durch die Grenze getrennt wurden. Das soll schon nächsten Monat der Fall sein. Ausserdem hat man militärische Gespräche vorgeschlagen. Südkorea hofft natürlich, in Zukunft über das Raketen- und Atomwaffenprogramm der Nordkoreaner zu sprechen. Das wird aber wohl eher schwierig sein.

Wenn die beiden Nationen sogar noch gemeinsam ins Stadion einlaufen, wäre dies ein sehr starkes Symbol des Friedens nach all den Spannungen im vergangenen Jahr.
Autor: Martin AldrovandiZur nordkoreanischen Teilnahme an Olympia
Mann schaut durch Olympiaringe
Legende: Mit den Spielen will Südkorea eine Visitenkarte abgeben. Spannungen mit dem Norden wären denkbar ungünstig. Reuters

Nordkorea hat in den letzten Monaten immer wieder mit Raketentests provoziert. Weshalb ist Südkorea daran interessiert, dass Nordkorea an Olympia teilnimmt?

Eine solche Teilnahme ist natürlich ein Eisbrecher. Wenn die beiden Nationen sogar noch gemeinsam ins Stadion einlaufen, wäre dies ein sehr starkes Symbol des Friedens nach all den Spannungen im vergangenen Jahr. Und es passt natürlich auch zur Politik des südkoreanischen Präsidenten Moon Jae-in, der die Annäherung zu Nordkorea und auch den Dialog sucht. Nicht zuletzt wäre es auch ein Signal an die Welt, was die Winterspiele angeht: Athleten und Besucher müssen sich über die Sicherheit auf der koreanischen Halbinsel keine Sorgen machen. Schliesslich soll auch die Berichterstattung während der Spiele nicht von Nordkorea überschattet werden.

Das Gespräch führte Hans Ineichen.

11 Kommentare

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  • Kommentar von Martin Holm (Marty)
    der Konflikt könnte entschärft werden, wenn endlich ein Friedensvertrag zwischen den beiden Koreas aufgesetzt und unterschrieben würde. Dies würde zwar das Regime in N-Korea legitimieren, aber bei der atomaren Abschreckung kann es nur Verlierer geben. Dazu müsste aber auch die USA und die UNO einlenken, sonst bleibt dieser gefährliche Status Quo erhalten, denn momentan besteht nur ein ausgehandelter Waffenstillstand!
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  • Kommentar von Urs Dupont (udupont)
    Ja, vielleicht ein Eisbrecher, wie es 1971 mit der Tischtennisweltmeisterschaft zu einem Tauwetter zwischen China und den USA kam und zu einem ersten Treffen der Staatsoberhäupter von China (Mao) und der USA (Nixon) führte. Beides auch sehr fragwürdige Persönlichkeiten, ersterer ein Despot und letzterer ein "Kleinkrimineller", dem die Absetzung drohte (Watergate-Affäre) und dieser deshalb "freiwillig" als Präsident zurücktrat. Aber sein Verdienst mit China blieb ....
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  • Kommentar von marlene Zelger (Marlene Zelger)
    Ich finde diese Idee gar nicht schlecht. Denn so können die Athleten beruhigt an die Olympiade gehen und müssen keiine unberechenbare Missetaten des Nordkoreaners befürchten. Wäre ja toll, wenn die gemeinsame Teilnahme den Frieden zwischen den beiden Ländern brächte.
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    1. Antwort von Urs Dupont (udupont)
      Hm, da wäre ich nicht so überzeugt, dass ein paar nordkoreanische Athleten den brutalen Diktator von Missetaten abhielten, wenn er Lust auf einen Angriff hätte. Aber gut ist, dass die verfeindeten Lager endlich wieder miteinander reden .....
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