Seit Wochen beklagen sich User und Unternehmen über die Verschärfung der Internetzensur im Reich der Mitte. Im Januar hatten die Behörden immer vermehrt Tunneldienste, sogenannte Virtual Private Network-Dienste (VPN) massiv gestört.
Internationale Unternehmen sehen ihre Geschäfte durch die immer stärkere Internetzensur geschädigt. Eine Umfrage unter europäischen Firmen in China ergab, dass 86 Prozent der Unternehmen durch die Blockade in ihren Geschäften eingeschränkt werden. Mit der Behinderung der VPN-Netzwerke wurde nun ein neuer Höhepunkt erreicht. Mitarbeiter können durch sich durch die neuen Massnahmen oft nicht mehr in ihre Firmenrechner einwählen. Die Tunnels sind blockiert.
Virtual Private Network-Dienste dienen dazu, Teilnehmer eines privaten Netzes an ein anderes privates Netz zu binden. Zum Beispiel, kann sich jemand so von seinem Heimnetzwerk an sein Firmennetzwerk anschliessen. Ein sogenannter Tunnel entsteht. In China werden diese Tunnelverbindungen von Usern gebraucht um die chinesische Firewall zu umgehen. Durch die VPN-Verbindung meint die Firewall der Computer befinde sich ausserhalb des chinesischen Netzes. So können chinesische Internetuser sonst gesperrte Webseiten wie Facebook, Twitter, Youtube oder Google nutzen.
Neue Blockaden im Sinne von Internetsicherheit
Der Präsident der Europäischen Handelskammer, Jörg Wuttke, steht dieser Entwicklung sehr kritisch gegenüber. Diese Neuerungen würden zeigen «wie sehr eine umfassende Kontrolle des Internets das Unternehmenswachstum abwürgt und Investitionen in Technologie und Forschung lähmt». Internationale Fachkräfte würden abgeschreckt und Unternehmen falle es immer schwerer diese Kosten zu tragen.
Des Weiteren erklärte Wuttke, dass es längst nicht mehr nur westliche Unternehmen seien die sich ob der Zensur frustriert zeigen. Auch viele inländische Firmen mit Aspirationen auf dem Weltmarkt aktiv zu sein, opponieren gegen die Schritte der Regierung. Peking sollte sich diese Klagen laut Expertenmeinungen anhören. Denn die Unternehmen mit Blick auf den Weltmarkt seien extrem wichtig für das weitere Wirtschaftswachstum Chinas.
China verteidigt die Störungen hingegen. «Das Land braucht neue Methoden, um neue Probleme zu bewältigen», sagt Wen Ku, Direktor für Telekommunikation im Ministerium für Industrie und Information. Seine Behörde müsse «neue Wege benutzen, um die Sicherheit im Internet zu wahren», sagt der Direktor, ohne technische Details zu nennen.
Sendebezug: Treffpunkt 12.2.2015