Bereits letzte Woche legte US-Verteidigungsminister Chuck Hagel dar, wie er die Streitkräfte modernisieren will. Er erwartet, dass die Pläne zu einem ähnlichen technischen Sprung führen wie einst die Atomwaffen oder die Einführung der Tarnkappentechnik. Was die Erneuerung der Armee bedeutet und welche Schwierigkeiten auf das Programm zukommen könnten, weiss Marco Overhaus. Er ist Experte für die amerikanische Verteidigungspolitik bei der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin.
Für Overhaus ist unbestritten, dass die US-Streitkräfte noch immer zu den modernsten der Welt gehören. Das Modernisierungsvorhaben sei auf die Konkurrenz aus China und Russland zurückzuführen, welche stark in ihre Armeen investieren. «In Washington sorgt man sich, dass die USA längerfristig zurückfallen und sich militärisch nicht mehr behaupten können.»
«Es geht um die vierte und fünfte Dimension»
Nach der Vorstellung des amerikanischen Verteidigungsministeriums sollen die USA in Zukunft in der Lage sein, ihre militärische Macht über grosse Distanzen sicherzustellen und gleichzeitig das Risiko für die eigenen Soldaten zu senken. Gemäss Overhaus werden dafür beispielsweise neue Langstreckenbomber entwickelt. «Es geht aber auch um die sogenannte vierte und fünfte Dimension – also um den Cyberraum und den Weltraum.»
Diesen riesigen Investitionen stehen jedoch massive Sparanstrengungen gegenüber, welche die USA machen muss. Die Modernisierung soll durch Einsparungen in anderen Teilen der Streitkräfte ermöglicht werden. Laut Overhaus will Hagel dies durch die Verkleinerung der Bodentruppen, sowie durch die Schliessung von Militärbasen, oder durch die Begrenzung der Besoldung im Militär erreicht werden.
Mögliche Blockade im Kongress
Gegen diese Sparmassnahmen habe sich der amerikanische Kongress bisher strikt gewandt. «Wenn in diesen Bereichen nicht gespart werden kann, dann wird es schwierig für die amerikanische Regierung mehr Geld in die technologische Entwicklung der Streitkräfte zu investieren», sagt der Experte. Mit dem neu republikanisch dominierten Kongress steigen nun vielerorts die Befürchtungen, dass sich die bisherige Blockade noch verschärft.