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Iran-Krieg Der Krieg im Nahen Osten ist für Putin ein Geschenk

Der Iran-Krieg kennt bisher fast nur Verlierer: Der Iran selbst wird zerstört, die Golfstaaten und Israel werden beschossen, die Welt leidet unter steigenden Spritpreisen. Aber einer kann sich über die Eskalation freuen: Wladimir Putin.

Zwar offenbart der US-Angriff auf den Iran Russlands geopolitische Schwäche. Das Regime in Teheran ist ein Verbündeter Moskaus – und die Russen können nichts tun, um den bedrängten Iranern zu helfen. Doch diese vor allem symbolische Niederlage kann Putin zweifellos verkraften. Der Gewinn, den er aus dem Iran-Krieg zieht, ist um ein Vielfaches grösser.

Ukraine? War da was?

Das ist erstmal Putins eigener Krieg, der aus den Schlagzeilen verschwunden ist. Die Welt schaut auf den Nahen Osten, die Ukraine droht in Vergessenheit zu geraten. Für Putin könnte nichts Besseres passieren, denn die angegriffene Ukraine ist sehr auf internationale Unterstützung angewiesen. Keine Aufmerksamkeit bedeutet: weniger Waffen und weniger Geld für Kiew.

Kommt ein weiteres Problem hinzu, das den Ukrainern Sorgen bereitet: Die Amerikaner verschiessen im Nahen Osten einen relevanten Teil ihrer Flugabwehrmunition. Jede Patriot-Rakete, die über Dubai aufstiegt, kann nicht mehr nach Kiew geliefert werden. Die Ukrainer könnten russischen Raketenangriffen künftig weitgehend schutzlos ausgeliefert sein.

Die Kriegskasse des Kreml klingelt

Zweiter – vielleicht sogar wichtigerer - Punkt: Der Iran-Krieg könnte Russland aus seiner Finanzmisere befreien. Der Kreml gibt Milliarden aus für seinen Angriff auf die Ukraine. Die russische Wirtschaft ist derweil ins Stottern geraten.

Einerseits wegen eines wenig nachhaltigen Wirtschaftsmodells, bei dem der Kreml vor allem auf Rüstung setzt. Panzer zu bauen, die kurz darauf zerschossen werden, sorgt nicht für solides Wachstum. Andererseits aber auch wegen des Ölpreises, der zu Beginn des Jahres deutlich unter 60 Dollar pro Fass dümpelte. Wegen der westlichen Sanktionen musste Russland willigen Käufern erst noch grosse Rabatte gewähren. Die Folge: Die Einnahmen aus dem Energiegeschäft gerieten ins Stocken, das russische Staatsbudget rutschte ins Defizit. Für die Ukrainer waren das gute Nachrichten. Sie hofften, dass der Krieg dem Kreml irgendwann zu teuer wird. Sie müssten nur genug lange durchhalten.

Doch dann kam der Iran-Krieg. Inzwischen kostet ein Fass Öl über 100 Dollar. Und um die Energiemärkte zu beruhigen hat die amerikanische Regierung angefangen, Sanktionen gegen Russland aufzuweichen. Russisches Öl, das schon auf Tankern in den Weltmeeren unterwegs ist, darf wieder gekauft werden. Für den Kreml ein Bombengeschäft: Er dürfte keine Rabatte mehr gewähren müssen – und der Ölpreis ist so hoch wie sich Putin noch vor wenigen Monaten nicht zu träumen wagte.

Worauf es jetzt ankommt: wie lange der Iran-Krieg dauert, wie lange Öl teuer bleibt und ob die USA die Sanktionen gegen Russland weiter lockern. Die Eskalation in Nahost ist jetzt schon ein Glücksfall für Putin. Zieht sich der Konflikt aber über Monate hin, profitiert der Kreml noch viel mehr. Mit einer prallgefüllten Kriegskasse kann er dann seine Angriffe auf die Ukraine verstärken, eine Ukraine, die sich mit weniger westlichen Waffen und wohl auch mit weniger westlichem Geld verteidigen muss.

David Nauer

Ukraine- und Russland-Korrespondent

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David Nauer ist Ukraine- und Russland-Korrespondent bei SRF TV. Von 2016 bis 2021 war er als Radio-Korrespondent in Russland tätig. Zuvor war er Russland-Korrespondent des «Tages-Anzeigers». Nauer reist seit Beginn des russischen Angriffskriegs regelmässig in die Ukraine.

Hier finden Sie weitere Artikel von David Nauer und Informationen zu seiner Person.

SRF 4 News, 13.3.2026, 10:30 Uhr

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