Seit rund zwei Wochen toben im Iran Massenproteste gegen die Staatsführung. Diese geht gewaltsam gegen die Demonstranten vor. Menschenrechtsorganisationen berichten von zahlreichen Toten und Verletzten. Eine umfassende Internetsperre erschwert zunehmend den Informationsfluss aus dem Iran.
Aus dem Exil ruft Reza Pahlavi, der Sohn des 1979 gestürzten Schahs, in einer Reihe von Beiträgen auf X zum Sturz des islamischen Regimes auf. Er schlägt unter anderem einen Generalstreik in der für den Iran wichtigen Öl- und Gasindustrie vor. Zudem erklärt er, dass neben der Besetzung zentraler Strassen nun auch alle Institutionen, die der staatlichen Propaganda dienten und für die Kommunikationsunterbrechung verantwortlich seien, für «legitime Ziele».
Es bleibt unklar, inwieweit Pahlavis Botschaften die Iraner trotz der Internetsperre erreichen. Er geniesst jedoch in Teilen der Bevölkerung einen gewissen Rückhalt. So war bei den aktuellen Massenprotesten auch der Slogan «Lang lebe der König» – ein direkter Verweis auf Reza Pahlavi – zu hören. Doch wer ist der iranische Kronprinz im Exil?
Pahlavi wurde am 31. Oktober 1960 als Sohn von Schah Mohammad Reza Pahlavi geboren. Während der Iran in den 1970er-Jahren von den steigenden Ölpreisen profitierte, verschärfte sich unter dem Schah die wirtschaftliche Ungleichheit in der Gesellschaft. Dissidenten wurden in dieser Zeit vom berüchtigten Geheimdienst Savak gefoltert und mundtot gemacht, was das Ansehen des Schahs nachhaltig prägte.
Während der Islamischen Revolution in den USA
Die repressive Monarchie kollabierte 1979 mit dem Beginn der Islamischen Revolution. Der Schah floh aus dem Iran. Sein Sohn Reza Pahlavi befand sich zu diesem Zeitpunkt in den USA, wo er eine Ausbildung zum Kampfjetpiloten absolvierte. Eine Rückkehr in sein Heimatland war ihm seither verwehrt.
Nach dem Tod seines Vaters im Jahr darauf verkündete der königliche Hof im Exil, dass Reza Pahlavi die Rolle des Schahs übernehmen würde. In den Jahrzehnten seines Exils versuchte er – auch mit Unterstützung der USA – Einfluss auf die iranische Politik zu nehmen.
Zwar träumen im Iran einige Monarchisten von der Rückkehr des Schahs, doch erinnern sich ebenso viele an die repressive Herrschaft seines Vaters. Zudem haben viele jüngere Iraner das Leben in der Monarchie nie kennengelernt.
Pahlavi hat wiederholt betont, dass er nicht zwingend die Wiedereinsetzung einer Monarchie anstrebe. Vielmehr sei es sein Ziel, das herrschende Regime zu stürzen und die Menschen in einer freien Abstimmung über ihre Zukunft entscheiden zu lassen.
Zweifel an Führungsqualitäten
Es ist noch zu früh, um die weitere Entwicklung der aktuellen Massenproteste abzusehen. Lange Zeit galt die iranische Exilopposition als zersplittert und zerstritten, und auch jetzt ringen einige Akteure um eine Führungsrolle. Pahlavis aktueller Erfolg sei weniger seinen Führungsqualitäten zu verdanken, schrieb der iranische Kritiker Sadegh Sibakalam, sondern vielmehr der Unfähigkeit, der Misswirtschaft sowie den Fehlentscheidungen der Staatsführung geschuldet.