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International IS erobert die Oasenstadt Palmyra

Nach heftigen Kämpfen hat die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) das historische Palmyra in Zentralsyrien vollständig eingenommen. Die Unesco ist besorgt um das Weltkulturerbe der antiken Ruinen. Die regierungstreuen Milizen ziehen sich zurück.

Legende: Video IS erobert Palmyra abspielen. Laufzeit 00:48 Minuten.
Aus Tagesschau vom 20.05.2015.

Die Extremisten-Organisation Islamischer Staat (IS) hat die Kontrolle über die antike syrische Stadt Palmyra vollständig übernommen. Laut staatlichen syrischen Angaben begannen regierungstreue syrische Milizen daraufhin mit der Evakuierung der Stadt. In und um die Wüstenstadt gab es schwere Kämpfe, wie das staatliche Fernsehen berichtete.

Ein Aktivist in Palmyra bestätigte dem arabischen Nachrichtensender Al-Dschasira, dass die syrische Armee zurückgewichen sei und die Terrormiliz die Stadt eingenommen habe. Viele Familien hätten die Flucht ergriffen.

Syrische Armee will Verstärkung schicken

Der Leiter der syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte in Grossbritannien – sie steht der syrischen Opposition nahe – sagte der Nachrichtenagentur dpa, die Dschihadisten hätten ein Gebäude der Sicherheitskräfte nur «wenige hundert Meter entfernt» von der Unesco-Weltkulturstätte erobert. Die historisch wertvollen Bauten liegen im Südwesten der Stadt.

Es hielten sich aber noch viele Soldaten bei einem Gefängnis im Osten der Stadt auf sowie beim Sitz des Militärgeheimdienstes im Westen. Die Erkenntnisse der Beobachtungsstelle stammen aus einem Informantennetzwerk vor Ort. Sie können von unabhängiger Seite kaum überprüft werden.

Ein ehemaliger General der syrischen Armee mit Kontakten zu den Streitkräften sagte, das Assad-Regime wolle weitere Kämpfer nach Palmyra schicken, um die demoralisierten Truppen vor Ort gegen den heftigen Ansturm des IS zu verstärken. Die Regierungskämpfer hätten Probleme, ihre Stellungen in der Stadt zu halten.

Mit einer möglichen Eroberung Palmyras wäre für die IS-Kämpfer auch der Weg in die grösstenteils vom Regime gehaltene Stadt Homs frei.

Karte von Syrien, rot markiert Palmyra, nordöstlich von Damaskus
Legende: Palmyra in Zentralsyrien lag einst an der Seidenstrasse. SRF

IS in Syrien auf dem Vormarsch

Nach der Eroberung Palmyras kontrolliere der IS nun rund 40 Prozent der Fläche Syriens, sagte der Leiter der Menschenrechtsbeobachter, Rami Abel Rahman, der dpa. Die Extremisten hätten zudem fast alle Ölfelder des Landes eingenommen. Der IS finanziert sich zu einem grossen Teil aus dem Ölschmuggel.

Auch in Nordsyrien verlor das Regime in Kämpfen gegen Islamisten an Boden. In der Provinz Idlib rückte das Rebellen-Bündnis Dschaisch al-Fatah nach Berichten von Oppositionsmedien auf die Stadt Aricha vor. Die radikale Al-Nusra-Front, der syrische Ableger des Terrornetzwerks Al Kaida, und ihre Verbündeten hatten am Dienstag den letzten grossen Militärstützpunkt des Regimes in der Region eingenommen. Bei Luftangriffen der Regierung starben in Idlib mehr als 70 Menschen, darunter 22 Zivilisten.

Unseco ruft zum Schutz der Ruinen auf

Palmyras gut erhaltene Ruinen aus den ersten Jahrhunderten nach Christus gehören zum Unesco-Weltkulturerbe. Die Unesco rief zum dringenden Schutz der Stätte auf. Die Chefin der Kulturorganisation der Vereinten Nationen bezeichnete die Oasenstadt in Syrien als eine der wichtigsten antiken Stätten im Nahen Osten; diese sei durch die Angriffe der Terrorgruppe IS akut in Gefahr.

Die Weltgemeinschaft müsse alles tun, um die antiken Ruinen, aber auch die Zivilbevölkerung von Palmyra, zu schützen. In Nordirak hatten IS-Anhänger im Frühjahr einmalige Kulturstätten aus altorientalischer Zeit zerstört.

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19 Kommentare

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  • Kommentar von B. Kerzenmacher, Frauenfeld
    Die Ermündungserscheinungen gegenüber der IS-Terrorbande kommt daher, dass man sie viel zu lange gewähren lässt und ihnen zu viel Platz in den Medien einräumt. Diese Kriminellen zu eliminieren wäre keine grosse Sache. Das geographische Gebiet, auf dem sie sich aufhalten, ist bekannt. Ihre Finanzierungs- und Versorgungswege sind längst bekannt, ihre Rekruktierungsstrategie ebenso.
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    1. Antwort von B. Kerzenmacher, Frauenfeld
      2) Die Welt sah sich früher mit wesentlich gefährlicheren und intelligenteren Gegnern als mit den IS-Clowns konfrontiert und hatte sie am Ende alle besiegt, vor Gericht gestellt und gehängt. Die IS-Kämpfer könnten keine vier Wochen aushalten, wenn sie von allen Seiten mit gut trainierten Bodentruppen plus Luftwaffe/Drohnen angegriffen würden. Man muss es nur wollen, wohl wissend, dass jede bewaffnete Auseinandersetzung viele Opfer fordern wird.
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    2. Antwort von Franz NANNI, Nelspruit SA
      Die IS "versteckt" sich hinter gewoehnlichen Zivilisten... das macht es schwierig, massiv gegen sie vorzugehen..... die Zeit wird zeigen was diese Mordbuben noch fertig bringen...
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  • Kommentar von jean passant, thun
    Ohne konsequente Bombardierungen und dann Einsatz von Bodentruppen wird sich gegen die IS nichts ausrichten lassen und selbst dann, was ist die Alternative? Assad, irgendwelche schiitischen oder kurdischen Extremisten. Man muss sich wohl eingestehen, dass die gesamte nordafrikanische und arabische Region hoffnungslos, eine "lost cause" ist. So lange dort vormittelalterliche religiöse und gesellschaftliche Vorstellungen vorherrschend sind ist nichts zu ändern.
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  • Kommentar von Franz NANNI, Nelspruit SA
    Und Vogel Strauss (die Welt) steckt weiterhin kopfueber im Sand....
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