IS neu in Libyen – Terrormiliz nähert sich Europa

Das Machtvakuum in Libyen nutzen nicht nur skrupellose Menschenschmuggler aus. In direkter Nachbarschaft von Europa nistet sich auch die IS-Terrormiliz ein. Ägypten fordert eine internationale Militärintervention.

Militärflugzeug in der Luft. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die ägyptische Luftwaffe fliegt jetzt Angriffe auf IS-Stellungen in Libyen. Keystone

Ägypten drängt auf einen internationalen Militäreinsatz mit UNO-Mandat im Nachbarland Libyen. In dem ölreichen Bürgerkriegsland hat die sunnitische Terrororganisation Islamischer Staat (IS) eine neue Machtbasis aufgebaut und Gräueltaten verübt.

Es gebe keine andere Wahl als eine internationale Koalition zu entsenden, sagte der ägyptische Präsident Abdel Fattah al-Sisi dem französischen TV-Sender «Europe 1». Allerdings sollten Regierung und Bevölkerung in Libyen dem Plan zustimmen.

Verfeindete Kräfte wollen an die Macht

Ähnlich äusserte sich der UNO-Beauftragte für Libyen, Bernardino Leon. Sollte sich in dem Bürgerkrieg keine Entspannung abzeichnen, müssten die Vereinten Nationen mit «konkreten Handlungen und Entscheidungen» eingreifen, sagte Leon dem maltesischen Radiosender «One». Alle Optionen lägen auf dem Tisch.

Nach dem Sturz von Langzeitmachthaber Muammar al-Gaddafi 2011 kämpfen zwei verfeindete Regierungen sowie schwer bewaffnete Milizen um die Macht. Eine international anerkannte Regierung tagt im ostlibyschen Tobruk, eine von Islamisten dominierte Regierung in Tripolis. Seit vergangener Woche treffen sich beide Seiten erstmals zu Friedensgesprächen.

Menschenrechtsorganisation will UNO-Einsatz

Ein Ableger des IS veröffentlichte am Sonntag ein Video, das die Enthauptung von mehreren ägyptischen Christen zeigt. Das Video war als «eine in Blut geschriebene Nachricht an die Nation des Kreuzes» betitelt. Bei den Getöteten soll es sich um 21 um den Jahreswechsel in Libyen entführte Gastarbeiter handeln. Die ägyptische Luftwaffe begann daraufhin mit Angriffen auf IS-Stellungen in dem Land.

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) verurteilte die Tötung der christlichen Kopten als Kriegsverbrechen. Libysche Behörden und die UNO müssten Massnahmen ergreifen, solche Verbrechen im Land zu verfolgen, hiess es.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Ägypten drängt zur Militärintervention

    Aus Tagesschau vom 17.2.2015

    Ägypten ruft zum Kampf gegen die Terrorgruppe Islamischer Staat auf. Präsident Al-Sisi verlangt eine internationale Militärintervention. Das, nachdem Ägypten gestern mit Luftangriffen mehrere Stellungen der IS in Libyen bombardiert hat.

  • Ägypten und Libyen rächen Enthauptungen

    Aus Tagesschau vom 16.2.2015

    Libyen und Ägypten kämpfen gemeinsam gegen die Kämpfer des Islamischen Staates. Mit Luftangriffen haben sie IS-Stellungen in Libyen bombardiert. Damit reagieren sie auf die Enthauptungen von 21 ägyptischen Christen. Einschätzungen von SRF-Korrespondent Pascal Weber.

  • Jordanien bombardiert IS-Stellungen

    Aus Tagesschau vom 6.2.2015

    Dutzende jordanische Kampflugzeuge haben mehrere IS-Stellungen in Syrien bombardiert, wobei mehrere Extremisten ums Leben kamen. Jordanien setzt damit nach der brutalen Ermordung des jordanischen Armee-Piloten seinen Rachefeldzug gegen die IS-Terroristen fort.

  • Eine Stadt in Trümmern

    Aus Tagesschau vom 4.2.2015

    Vier Monate hat Kobane gegen den IS gekämpft. Vor einer Woche konnte die Terrormiliz von kurdischen Kämpfern vertrieben werden. Nun liegt die syrisch-türkische Grenzstadt in Trümmern.