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Islamisten in Afrika spüren Aufwind
Aus SRF 4 News aktuell vom 18.08.2021.
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Islamisten in Afrika Taliban-Sieg in Afghanistan stärkt Moral afrikanischer Islamisten

Darum geht es: Auf dem afrikanischen Kontinent existieren mehrere islamistische Gruppierungen, die sich zum Ziel gesetzt haben, einen Staat zu übernehmen, «allen voran die Al-Shabab-Miliz in Somalia», sagt Samuel Burri, SRF-Afrika-Korrespondent. Nach der Entwicklung in Afghanistan hätten auch die afrikanischen Islamisten Auftrieb bekommen.  

So ist die Lage in Somalia: «Somalia ist ein Staat, der nur dank dem Westen in dieser Form existiert», sagt Burri. Der Staat sei – vergleichbar mit Afghanistan – mit grossem Aufwand von aussen aufgebaut worden, er sei «aber nicht von innen organisch gewachsen». Die Armee wurde vom Westen ausgebildet und es sei eine teilweise korrupte Elite an der Macht, die sich in den Hochsicherheitszonen aufhalte. «Die Parallelen zwischen den zwei Ländern sind frappant.» Und: «Die ursprünglichen Anführer der Al-Shabab kämpften im afghanischen Dschihad in den 90er-Jahren gegen die Sowjets.»

Gefangene Al-Shabab-Kämpfer in Mogadischu (Archivbild)
Legende: Gefangene Al-Shabab-Kämpfer in Mogadischu (Archivbild) In Somalia bekämpfen die Regierungstruppen die Terrormiliz Al-Shabab teilweise mit Erfolg. Keystone/Archiv

So stark sind die Islamisten in Somalia: Der Abzug der internationalen Schutztruppe Amison wäre schon letztes Jahr geplant gewesen. Nun soll er Ende des laufenden Jahres durchgeführt werden. Gegen einen möglichen Durchmarsch der Islamisten in Somalia nach Abzug der internationalen Truppen spricht, dass die somalische Armee selbst erfolgreich gegen die Islamisten vorgeht und dass es autonome Regionen in Somalia gibt, «die sich sicher verteidigen werden». Was in Afghanistan passiert sei, sei eine Warnung für die Somalis.

Allerdings beherrscht Al-Shabab andererseits bereits einige Provinzen im Land und die Moral der Islamisten ist durch die Erfolge der Taliban massiv gestärkt worden. Auch die Zeit spiele den Islamisten in die Hände, so Burri: «Die Islamisten können einfach warten, bis der Westen seine Truppen abgezogen hat.»

Ansar Dine eroberte 2012 Timbuktu (Archivbild)-
Legende: Ansar Dine eroberte 2012 Timbuktu (Archivbild)- Ansar Dine vereinigte sich mit anderen Gruppierungen und steht der Al-Kaida nahe. Keystone/Archiv

Das ist die Situation in der Sahelzone: In der Sahelzone ist es unter anderem Frankreich, das die Staaten gegen die Islamisten unterstützt. «Der Kollaps des Staates in Mali konnte vor acht Jahren nur dank der Unterstützung französischer Truppen abgewendet werden», sagt der Korrespondent. Die Islamisten seien schon vor den Toren der Hauptstadt gestanden. Doch heute seien die Islamisten in der Sahelzone zersplittert, die einen stünden der Al-Kaida nahe, die anderen dem IS. Frankreich will seine Truppen bis Anfang des nächsten Jahres abziehen. Dafür soll eine gesamteuropäische Kraft installiert werden. «Ein totaler Abzug steht vorläufig nicht an.»

Auch Nigeria ist betroffen: In Nigeria ist die Terrormiliz Boko Haram aktiv. Der nigerianische Präsident Muhamadu Buhari hat kürzlich in einem Artikel geschrieben, es brauche mehr als militärische Unterstützung, um den Terror zu besiegen. «Er wünscht sich von den USA mehr wirtschaftliche Unterstützung, zum Beispiel Investitionen in die Infrastruktur» erklärt Burri. «Sein Rezept: Florierende Wirtschaft gegen Islamismus».

An der Macht sind korrupte Eliten: Das Hauptproblem bei allen erwähnten Staaten seien die korrupten Eliten, so Burri. «Die Elite bereichert sich, dem Volk bleiben die Brosamen.» Das ist ein idealer Nährboden für den Terrorismus. «Die Eliten sitzen durch die Unterstützung des Westens umso fester im Sattel – bis das ausländische Militär abzieht.»

SRF 4 News, 18.08.2021, 07.20 Uhr;

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17 Kommentare

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  • Kommentar von René Baron  (René Baron)
    Schön wenn SRF auch mal vom "Rest der Welt" berichtet und nicht nur von dem was global grad als Mainstream rauf und runter spekuliert wird :-)
    Schade nur, dass in diesen Ländern noch weniger als in Afghanistan Journalisten sitzen die den Ueberblick haben und aus erster Hand berichten könnten. Alles nur vom Hörensagen und wenn dann aus dem Luxushotel der Hauptstadt plus/minus 5km Radius.
    1. Antwort von Albert Planta  (Plal)
      Es wird hier von Afrikanischen Islamisten geschrieben. Haben Sie den Bericht nicht gelesen?
  • Kommentar von Thomas Leu  (tleu)
    Die Amerikaner sind wohl froh, dass sie den Nahen Osten verlassen haben und sich auf der anderen Seite des Atlantiks vor Terror und Flüchtlingen verschanzen können. Europa wird sich mit dem Nahen Osten und Afrika gleichzeitig herumschlagen müssen. Da werden harte Zeiten auf uns zukommen. Bürgerkriegs- und Klimaflüchtlinge werden weiter zunehmen. Es rächt sich jetzt, dass wir Europäer uns freiwillig zum Zuschauer degradiert haben, statt das Heft wenigstens teilweise selbst in die Hand zu nehmen.
  • Kommentar von Marcel Benjamin  (Benny)
    Isf das Hauptproblem wirklich die korrupten Eliten, wie da beschrieben wird, oder ist es die extreme Ideologie des wortwörtlichen Korans das verbreitet wird?!
    1. Antwort von Mike Steiner  (M. Steiner)
      Das ist letztlich wohl auch egal. Die Entwicklung hin zu einer aufgeklärten Zivilisation kann immer nur die lokale Bevölkerung tun. Diese Einsicht schmerzt des Westen, denn es bedeutet auch, dass man gut und gerne noch hunderte von Jahren nur warten kann......
    2. Antwort von Florian Kleffel  (Hell Flodo)
      Die soziale Ungleichheit ist eine zentrale Wurzel von Extremismus. Man sieht es in der Geschichte immer und immer wieder: Wenn die Ungleichheit zu gross wird, folgen extremistische Strömungen jeder Art - seien sie religiös oder politisch, links oder recht. Dass die heutige politische Linke als eines ihrer Hauptziele eine einigermassen ausgeglichene Verteilung der Mittel hat, ist weniger ideologisch begründeter Selbstzweck oder Neid, sondern vielmehr genau dieser Erkenntnis geschuldet.
    3. Antwort von Alessandro Guardia  (Ale.)
      Da wo extreme Ungerechtigkeit herrscht, weil Wohlstand bei den Eliten bleibt, während die Bürger hungern, gibt es immer einen Nährboden für solche Gruppierungen. Der heilige Krieg ist für viele eben die einfachste Alternative.
      Die Religion ist dabei nur ein Vorwand zur Rechtfertigung, nicht zu vergessen ein meist frei erfundener Vorwand. Ich kann mir also schon vorstellen, das Korruption eines der Hauptprobleme ist.
    4. Antwort von Karl Frank  (Europäer)
      @Florian Kleffel das haben sie recht. Christentum war a
      Antwort auf Ungerechtigkeit in Römischen Reich, Islam bei Wüstenvölker. Welchen Gefühl hat Kamelentreiber wenn er weiist dass der Scheich sein Glaubensbruder ist
    5. Antwort von Patrik Müller  (P.Müller)
      Ja, das dürfte es sein. Denn wenn eine Führung korrumpiert, ist der "Glaube" eine mächtige Alternative oder Gegenkraft der Übergangenen.