Cene eleganti – elegante Abendessen. Oder das lautmalerische Wort «Bunga Bunga». Es sind verharmlosende Umschreibungen eines knallharten Geschäfts: der Prostitution. Das Geld, viel Geld, zahlte Berlusconi, der damals, 2010, Italiens Ministerpräsident war. Er zahlte es für junge Frauen, unter ihnen auch Minderjährige.
Minetti wird verurteilt – und begnadigt
Seine Opfer suchte Berlusconi natürlich nicht selbst, sondern liess das organisieren. Zum Beispiel von Nicole Minetti, einer ehemaligen Dentalhygienikerin. Berlusconi entlohnte Minetti für ihre Dienste fürstlich, auch mit einem Sitz im Regionalparlament der Lombardei.
Minetti war es, die Berlusconi beim Versuch unterstützte, das wahre Alter einer minderjährigen Prostituierten Berlusconis zu verschleiern. Nämlich der 17-jährigen Karima el-Mahroug, alias Ruby Rubacuori. Dafür und für absurd hohe Spesen, die sie als Abgeordnete geltend gemacht hatte, wurde Minetti zu fast vier Jahren Haft verurteilt.
Italiens Justizminister Carlo Nordio aber wollte Milde. Er ist mit der Familie Berlusconi befreundet und wollte Minetti begnadigen. Denn Minetti sei geläutert, sie habe in Uruguay ein elternloses, krankes Kind adoptiert. Dieses brauche seine Adoptivmutter dringend.
Mit diesem Argument beantragte der Justizminister bei Staatspräsident Mattarella die Begnadigung, die dieser vor einigen Wochen gewährte.
Schwindel kommt raus – Justizminister unter Druck
Nun aber berichten Zeitungen: Minetti habe geschwindelt. Das kranke Kind sei gar nicht von seinen Eltern verlassen worden. Darum schrieb Staatspräsident Mattarella Justizminister Nordio am Montag einen offenen Brief. In diesem bat er ultimativ um Klarstellung.
Seither wackelt der Stuhl von Justizminister Nordio noch mehr als schon bisher. Denn Nordio war es ja auch, der im März das Referendum über die Justizreform verlor.
Nun rätselt ganz Italien über die Frage: Kann man diese Begnadigung rückgängig machen, sollte sich der Verdacht erhärten, dass die Begnadigte gelogen hatte? Es wäre das erste Mal, dass eine Begnadigung widerrufen würde.
Seit drei Jahren schon ist Berlusconi tot, und «Bunga Bunga» ist italienische Sitten-Geschichte. Doch die eleganten Abendessen und die in ihrem Schummerlicht begangenen Verbrechen haben noch immer das Zeug, das Land und seine Institutionen zu schütteln.