Italien sagt Foodwaste den Kampf an

Mehr als 100 Kilogramm Lebensmittel pro Kopf landen in der Schweiz jedes Jahr im Abfall. Diese Art von Foodwaste ist in allen Industriestaaten ein Problem. Auch in Italien. Dort hat der Senat ein Gesetz verabschiedet, das Abhilfe schaffen soll.

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Gegen Foodwaste in Italien: Lieber essen statt wegwerfen

SRF News: Italien ist nach Frankreich weltweit das zweite Land mit einem Anti-Foodwaste-Gesetz. Was bringt das neue Gesetz?

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Claudio Beretta

Porträt Claudio Beretta

Claudio Beretta ist im Vorstand der Jungen Grünen im Kanton Aargau. Er forscht an der ETH Zürich zum Thema Foodwaste und ist Mitgründer des Vereins Foodwaste.ch.

Claudio Beretta: Es sieht Abfallsteuererleichterungen für Unternehmen vor. Das ist absolut sinnvoll. So werden sie aktiv unterstützt, die Lebensmittel zu spenden. Das ist sehr wirksam, wie sich in Frankreich schon gezeigt hat.

Was sind die Gründe, wieso heute so viele Lebensmittel im Abfall landen und nicht gespendet werden?

In dem speziellen Fall der Lebensmittelspenden ist das Begrenzende die Finanzierung der Infrastruktur und der Logistik, um die Lebensmittel zu verteilen. Dabei ist es eigentlich absurd, dass es an der Finanzierung liegt. Denn der Mehrwert all dieser Lebensmittel, die dann gespart oder wiederverwertet werden können, ist viel grösser. Eine Spendenorganisation in der Schweiz hat einmal einen Spendenfaktor 10 berechnet: Das heisst, die Lebensmittel sind zehnmal mehr Wert, als es kostet, sie zu spenden. Die Gesellschaft würde also davon profitieren. Punkto Umwelt ist es sogar noch eindrücklicher. Dort ist es nach Schätzungen wahrscheinlich etwa ein Faktor 20. Es können also durch die geretteten Lebensmittel etwa zwanzigmal mehr Umwelteinwirkungen eingespart werden, als durch den zusätzlichen Transport aufgewendet werden.

Ein grosser Nutzen. Doch trotzdem muss man jemanden finden, der das finanziert...

Genau. Es gibt bis jetzt viele Organisationen, die es durch finanzielle Spenden möglich machen, dass Lebensmittel gespendet werden. Aber man könnte eine noch viel effizientere Lösung finden. Eine, die auch langfristig funktioniert, so dass die Hilfsorganisationen nicht darauf angewiesen sind, regelmässig Spenden aufzutreiben, um das Projekt weiterzuführen.

Woran denken Sie da konkret?

An das Beispiel Italien, wo der Staat Lebensmittelspenden indirekt durch Steuererleichterungen fördern will. Aus meiner Sicht könnte das durchaus auch eine aktive Unterstützung sein. Denn wie gesagt: Die Gesamtgesellschaft kann nur davon profitieren. Wenn der Staat einen Franken investiert, profitiert die Gesellschaft im Wert von 10 Franken. Somit macht das Sinn.

«  Fast die Hälfte der Lebensmittelverschwendung findet auf der Stufe der Haushalte statt.  »

Italien setzt auf Steuererleichterungen und Bürokratieabbau. Wo sehen Sie sinst noch Handlungsbedarf, um den Foodwaste zu begrenzen?

Fast die Hälfte der Lebensmittelverschwendung findet auf der Stufe der Haushalte statt. Das heisst, da sind die Konsumenten gefragt. Es ist wichtig, dass man sie informiert und sensibilisiert. Deshalb haben wir auch den Verein Foodwaste.ch gegründet. Wir wollen den Leuten durch eine Wanderausstellung oder Events praktische Tipps geben, was man gegen Lebensmittelverschwendung machen kann. Langfristig braucht es aber noch viel mehr. Die Bildung muss dieses Thema vermehrt in den Lehrplan aufnehmen. Da ist auch wieder der Staat gefordert.

Das Gespräch führte Melanie Pfändler.