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Eskalation im Handelsstreit zwischen Japan und Südkorea
Aus Echo der Zeit vom 18.09.2019.
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Japan im Konflikt mit Südkorea Die unseligen Geister der Vergangenheit sind wieder da

Handelsstreit wegen historischem Unrecht: Südkorea streicht die Handelserleichterungen für Japan.

Südkorea schliesst Japan aus der Gruppe seiner bevorzugten Handelspartner aus, wie das südkoreanische Handelsministerium bekannt gab. Dies ist das neuste Kapitel im Handelsstreit zwischen Japan und Südkorea. Damit gilt für Japan kein beschleunigtes Exportverfahren mehr. Seoul beendete zudem ein Geheimdienstabkommen mit Japan.

Im Juli hatte Japan beschlossen, striktere Kontrollen für den Export von Chip- und Display-Bestandteilen nach Südkorea zu verhängen. Südkorea legte diese Entscheidung der WTO vor. Diese hat sich dazu noch nicht geäussert. Im August hatte Japan Südkorea von der sogenannten weissen Liste gestrichen, auch dies ist die Liste mit den bevorzugten Handelspartner.

Zwangsarbeiter und Zwangsprostitution

Bei den Unstimmigkeiten, die mit gegenseitigen Handelsbeeinträchtigungen ausgetragen werden, geht es um etwas ganz anderes. Hintergrund der Massnahmen ist eine Kontroverse über die Entschädigung koreanischer Zwangsarbeiter während Japans Kolonialherrschaft auf der koreanischen Halbinsel. Japan besetzte die koreanische Halbinsel von 1910 bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs.

Fotos von südkoreanischen Zwangsprostituierten für japanische Soldaten im 2. Weltkrieg.
Legende: Fotos von südkoreanischen Zwangsprostituierten für japanische Soldaten im 2. Weltkrieg. Reuters

«Während dieser Zeit wurden die Menschen in Südkorea als Zwangsarbeiter brutal ausgebeutet», sagt SRF-Asienkorrespondent Martin Aldrovandi. Auch mussten südkoreanische Frauen in japanischen Militärkasernen als Prostituierte herhalten. Japan nannte sie «Trostfrauen». 1965 bezahlte Japan umgerechnet mehrere hundert Millionen Franken als Entschädigung.

Bis zur Konfiszierung von japanischem Eigentum

Trotzdem hat der oberste Gerichtshof in Südkorea letztes Jahr zwei japanische Konzerne, unter anderem Mitsubishi, zu Schadenersatzzahlungen an ehemalige Zwangsarbeiter verurteilt. «Der Gerichtsbeschluss geht bis zur Konfiszierung von Eigentum der betroffenen Firmen in Südkorea», sagt Aldrovandi. Japan war empört, denn für Japan ist die Entschädigungsfrage seit 1965 geklärt.

«Aus Sicht der Koreaner ist das Problem nicht gelöst», sagt Aldrovandi. «1965 war Südkorea keine Demokratie, sondern eine Militärdiktatur.» Das Volk habe keinerlei Mitbestimmungsrecht gehabt, was mit dem Geld geschehe. «Das Geld wurde vor allem in den wirtschaftlichen Aufbau Südkoreas gesteckt.» Die Opfer der Zwangsarbeit und Zwangsprostitution bekamen nichts. Deshalb schwele der Konflikt mit Japan bis heute.

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Aus dem Archiv (2015): : Späte Entschuldigung bei «Trostfrauen»
Aus Tagesschau vom 28.12.2015.
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6 Kommentare

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  • Kommentar von Thomas F. Koch  (dopp.ex)
    Eigentlich müssten die betroffenen Bürger auf den eigenen Staat losgehen.
    Wenn von der 1965 gezahlten Entschädigung alles der südkoreanischen Staat einbehielt wurden die Südkoreaner sogar zweimal ausgenutzt und betrogen.
    Aber es ist für jede Regierung einfacher, auf einen fremden Staat loszugehen, als die Verantwortung für die eigene Vergangenheit zu übernehmen. Äusserst bequem, wenn man sagen kann, dass damals eine Militärdiktatur an der Macht war und man nichts damit zu tun hatte.
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  • Kommentar von Junwoo Shim  (Dr Seoulmaa)
    Prostitution? Die Koreaner nennen es “sex slave”. Japan hat den jungen Mädchen belogen, dass sie in Japan viel Geld kriegen könnten und es viele Chancen zum Lernen gibt. Manchmal sind die japanische Soldaten einfach ins Haus eingetreten, um die Frauen mit ihnen mitzunehmen.
    Als ein Staat kann Korea kein Geld mehr von Japan bekommen, aber das bedeutet nicht, dass die Leute auch kein Recht haben. Als ein Individuum hat man immer noch Recht, für die Ausbeutung des Japans bezahlt zu werden.
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  • Kommentar von Andreas Müller  (Hugh Everett)
    In den letzten 500 Jahren hat Japan die Koreanische Halbinsel immer wieder angegriffen. Dies führte einerseits zu einer isolationistische Haltung und andererseits zum unbedingten Willen der Koreaner zur Eigenständigkeit. Darin unterscheiden sich die beiden Koreas heute nicht. Eine Tatsache die gerne vergessen wird. In ihrer Ablehnung gegenüber Japan könnten sich die getrennten Staaten sogar verbünden meint Rüdiger Frank, langjähriger Korea Experte.
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    1. Antwort von u. Felber  (Keule)
      Seit dem letzten Übergriff im WK2 hat sich Japan aber grundlegend verändert. Wenn man diese Veränderung nun nicht anerkennt und alte Wunden wieder aufreisst, könnte sich auch Japan wieder rückwärts bewegen. Das bringt nichts.
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    2. Antwort von Andreas Müller  (Hugh Everett)
      Ja Herr Felber, Japan hat sich geändert, lässt aber nach wie vor keine (oder nur wenige) Ausländer ins Land. Ich finde es befremdlich, dass es 2 Alphabete gibt eines für Japanische Worte und eines für Ausländische (neue Worte) und die Kanji (Madarin, Chinesische) Zeichen (mit anderer Bedeutung als die Hansi (Chinesischen Zeichen)). Man sieht als explizit immer welche Begriffe „einheimisch“ Sind und welche „ausländisch“. Ein tief kulturell verwurzelter Fremdenhass (bei aller Unterwürfigkeit).
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